Wo Lei­den­schaft auf zwei Rädern zuhau­se ist: Bikes & Parts bringt Ilsen­burg in Bewe­gung

Wer den klei­nen Hin­ter­hof an der Mari­en­hö­fer Stra­ße in Ilsen­burg betritt, lan­det an einem Ort, an dem Fahr­rä­der weit mehr sind als Ware. Hier wird geschraubt, bera­ten, aus­pro­biert, gefach­sim­pelt und manch­mal ver­mut­lich auch ein­fach über die nächs­te Tour durch den Harz gespro­chen. Bikes & Parts ist ein Fahr­rad­ge­schäft mit über­schau­ba­rer Grö­ße, aber einer Geschich­te, die weit über Ver­kaufs­flä­che und Werk­bank hin­aus­reicht. Es geht um die Begeis­te­rung für das Rad­fah­ren, um per­sön­li­che Bera­tung und um die Über­zeu­gung, dass ein loka­ler Fach­han­del dann beson­ders stark ist, wenn er sich als Teil sei­ner Regi­on ver­steht. Genau die­ses Gefühl prägt das Geschäft, das seit Anfang 2020 unter der Füh­rung sei­nes heu­ti­gen Inha­bers ste­tig wei­ter­ent­wi­ckelt wur­de.

Vom Bau­stoff­han­del in die Welt der Fahr­rä­der

Der Weg in die Selbst­stän­dig­keit war dabei kei­nes­wegs von lan­ger Hand geplant. Vor 2020 war der heu­ti­ge Inha­ber vie­le Jah­re im Bau­stoff­han­del tätig. Mit Fahr­rä­dern hat­te er den­noch längst zu tun. Als akti­ver Moun­tain­bike- und Renn­rad­fah­rer und durch sei­ne Tätig­keit als Vor­stands­vor­sit­zen­der eines Moun­tain­bike-Ver­eins in Wer­ni­ge­ro­de war er schon tief in der regio­na­len Bike-Sze­ne ver­wur­zelt. Er kann­te die Men­schen, die Stre­cken und die Bedürf­nis­se der­je­ni­gen, die im Harz auf zwei Rädern unter­wegs sind.

Dann kam 2020 die Fra­ge, die vie­les ver­än­dern soll­te: Ob er jeman­den ken­ne, der ein bestehen­des Fahr­rad­ge­schäft in Ilsen­burg über­neh­men wol­le. Das Geschäft exis­tier­te zu die­sem Zeit­punkt bereits seit rund zehn Jah­ren und ver­füg­te ent­spre­chend über einen fes­ten Kun­den­stamm. Aus der Suche nach einem mög­li­chen Nach­fol­ger wur­de schließ­lich eine per­sön­li­che Ent­schei­dung. Statt jeman­den zu emp­feh­len, wag­te er selbst den Schritt in die Selbst­stän­dig­keit und über­nahm das Geschäft Anfang 2020.

Seit­dem hat sich viel ent­wi­ckelt. Der Stand­ort ist geblie­ben. Bikes & Parts befin­det sich wei­ter­hin in der Mari­en­hö­fer Stra­ße, etwas ver­steckt in einem Hin­ter­hof des Mari­en­hofs. Gera­de die­se Lage ver­leiht dem Geschäft einen beson­de­ren Charme. Neben­an sorgt eine Eis­die­le für zusätz­li­che Lauf­kund­schaft, wäh­rend gezielt die­je­ni­gen kom­men, die ein tech­ni­sches Pro­blem lösen las­sen möch­ten, ein neu­es Fahr­rad suchen oder per­sön­li­che Bera­tung benö­ti­gen. Der Schwer­punkt liegt auf City­rä­dern und vor allem auf Moun­tain­bikes. Eine Spe­zia­li­sie­rung, die kaum bes­ser zu einer Regi­on pas­sen könn­te, in der Wald­we­ge, Anstie­ge, Trails und abwechs­lungs­rei­ches Gelän­de prak­tisch vor der Haus­tür begin­nen.

Bera­tung, Werk­statt und Ver­leih mit per­sön­li­chem Cha­rak­ter

Heu­te arbei­tet bei Bikes & Parts ein vier­köp­fi­ges Team aus zwei Fest­an­ge­stell­ten, einem Aus­zu­bil­den­den und dem Inha­ber selbst. Die über­schau­ba­re Grö­ße ist dabei kein Nach­teil, son­dern gehört zur Iden­ti­tät des Geschäfts. “Wir sind hier ein ganz klei­nes fami­liä­res Team”, sagt der Inha­ber im Gespräch. Kom­mu­ni­ka­ti­on unter­ein­an­der spie­le eine wich­ti­ge Rol­le, eben­so ein locke­rer und offe­ner Umgang.

Für die Kun­den bedeu­tet die­se Struk­tur vor allem eines: Nähe. Bikes & Parts möch­te sich bewusst nicht dar­über defi­nie­ren, mög­lichst schnell mög­lichst vie­le Fahr­rä­der über die Laden­the­ke zu bewe­gen. Ent­schei­dend ist viel­mehr, dass ein Kun­de mit sei­nem Anlie­gen ernst genom­men wird. “Wir ver­su­chen das natür­lich mit unse­ren Mit­ar­bei­tern auch hier im Shop zu trans­por­tie­ren, dass wir halt nicht auf den rei­nen Ver­kauf aus sind”, beschreibt der Inha­ber sei­nen Anspruch. Man wol­le sich Zeit für Bera­tung und Ser­vice neh­men und mög­lichst jedem hel­fen, der mit einem Pro­blem in den Laden kom­me.

Neben Ver­kauf und Werk­statt spielt auch der Fahr­rad­ver­leih eine wich­ti­ge Rol­le. Rund 30 Moun­tain­bikes ste­hen nach Anga­ben des Unter­neh­mens für den Ver­leih zur Ver­fü­gung. Damit endet die Arbeit nicht am Frei­tag­nach­mit­tag. Gera­de am Wochen­en­de sind Gäs­te im Harz unter­wegs, wol­len spon­tan aufs Rad stei­gen oder benö­ti­gen Unter­stüt­zung. Des­halb sucht Bikes & Parts immer wie­der fahr­rad­af­fi­ne Aus­hil­fen auf Mini­job-Basis, die das Team ins­be­son­de­re am Wochen­en­de unter­stüt­zen kön­nen. Wer selbst ger­ne fährt, sich mit Bikes beschäf­tigt und Freu­de am Umgang mit Men­schen hat, bringt nach Ansicht des Inha­bers bereits wich­ti­ge Vor­aus­set­zun­gen mit.

Die eige­ne Web­site unter­streicht die­se Aus­rich­tung: Bikes & Parts prä­sen­tiert sich dort mit Fahr­rä­dern, Zube­hör, Repa­ra­tur und Ser­vice sowie einem MTB- und E‑Bike-Ver­leih und Test­cen­ter. Der Stand­ort in der Mari­en­hö­fer­stra­ße 9a in Ilsen­burg wird dort eben­falls bestä­tigt.

Wenn aus Fahr­rad­lei­den­schaft Ver­ant­wor­tung für die Regi­on wird

Was Bikes & Parts beson­ders prägt, zeigt sich jedoch außer­halb des eigent­li­chen Geschäfts. “Wir ver­su­chen hier alles zu unter­stüt­zen, was dem Fahr­rad­fah­ren im Harz auch gut tut”, sagt der Inha­ber. Dahin­ter steckt die Über­zeu­gung, dass der Harz noch erheb­li­ches Poten­zi­al besitzt, das Moun­tain­bi­ken auch tou­ris­tisch wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Des­halb unter­stützt Bikes & Parts Ver­an­stal­tun­gen und Wett­kämp­fe im Umfeld des Rad­sports und enga­giert sich für Pro­jek­te wie den Trail­park Harz, bei denen Infra­struk­tur für Moun­tain­bi­ker geschaf­fen und erhal­ten wer­den soll.

Beson­ders deut­lich wird die­se Hal­tung beim Blick auf die Nach­wuchs­ar­beit. Über die Ver­eins­ar­beit wer­den Trai­nings und Sport­an­ge­bo­te orga­ni­siert, um Kin­dern und Jugend­li­chen den Ein­stieg ins Moun­tain­bi­ken zu erleich­tern. Vor rund zwei Jah­ren ent­stand in Ilsen­burg mit gro­ßem ehren­amt­li­chem Ein­satz ein Pump­track. Die rund 200.000 Euro umfas­sen­de Maß­nah­me wur­de nach Anga­ben aus dem Inter­view vom Ver­ein umge­setzt, durch För­der­mit­tel finan­ziert und durch Eigen­leis­tun­gen unter­stützt.

Doch mit dem Bau allein ist die Arbeit nicht erle­digt. Anla­gen müs­sen gepflegt wer­den, wenn sie dau­er­haft attrak­tiv blei­ben sol­len. Wie selbst­ver­ständ­lich erzählt der Inha­ber im Gespräch, dass er sei­ne Mit­tags­pau­se nut­zen wer­de, um am Pump­track Gras zu schnei­den. Ein klei­ner Satz, der viel dar­über ver­rät, was Ehren­amt bedeu­tet. Es geht nicht nur um gro­ße Pro­jek­te und öffent­lich­keits­wirk­sa­me Ter­mi­ne. Es geht um die vie­len unsicht­ba­ren Stun­den dazwi­schen.

Der Ein­satz scheint sich zu loh­nen. In den Jugend­grup­pen des Ver­eins gibt es regen Zulauf, teil­wei­se mit mehr als 20 jun­gen Fah­re­rin­nen und Fah­rern. Für den Inha­ber ist genau das der Moment, in dem sich die inves­tier­te Arbeit aus­zahlt: wenn Kin­der und Jugend­li­che das Ange­bot anneh­men, gemein­sam drau­ßen unter­wegs sind und ihre Begeis­te­rung für den Sport ent­de­cken.

War­um der Fach­han­del vor Ort mehr ist als eine Preis­fra­ge

Hin­ter all dem steht schließ­lich auch eine grund­sätz­li­che Fra­ge: Wel­che Rol­le sol­len loka­le Geschäf­te künf­tig in klei­ne­ren Städ­ten spie­len? Für Bikes & Parts ist die Ant­wort ein­deu­tig. Der Inha­ber wünscht sich mehr Bewusst­sein dafür, was ver­lo­ren gehen wür­de, wenn Kauf­ent­schei­dun­gen aus­schließ­lich über den güns­tigs­ten Preis im Inter­net getrof­fen wür­den.

Natür­lich kann ein loka­ler Händ­ler nicht in jeder Hin­sicht mit den Sor­ti­men­ten und Struk­tu­ren gro­ßer Ket­ten oder Online-Shops kon­kur­rie­ren. Doch genau dort, wo anony­me Ver­kaufs­platt­for­men an ihre Gren­zen sto­ßen, beginnt die Stär­ke eines Fach­ge­schäfts: bei per­sön­li­cher Bera­tung, bei Repa­ra­tu­ren, bei kurz­fris­ti­ger Hil­fe und bei Men­schen, die ihre Kun­den ken­nen.

“Man muss immer wie­der so ein biss­chen Bewusst­sein dafür schaf­fen, dass man viel­leicht den Weg zum Fach­han­del halt auch geht und in die klei­nen loka­len Geschäf­te”, sagt der Inha­ber. Es geht dabei nicht um einen nost­al­gi­schen Blick auf ver­gan­ge­ne Ein­kaufs­wel­ten. Es geht um eine ein­fa­che Kon­se­quenz: Wer möch­te, dass es vor Ort auch mor­gen noch Werk­stät­ten, Fach­wis­sen und schnel­le Hil­fe gibt, ent­schei­det mit sei­nem eige­nen Ein­kaufs­ver­hal­ten dar­über, ob sol­che Struk­tu­ren bestehen kön­nen.

Bikes & Parts zeigt, wie eng die­se The­men mit­ein­an­der ver­bun­den sein kön­nen. Ein Fahr­rad­ge­schäft wird zum Arbeit­ge­ber, zum Aus­bil­dungs­be­trieb, zum Ansprech­part­ner für Ein­hei­mi­sche und Gäs­te, zum Unter­stüt­zer regio­na­ler Ver­an­stal­tun­gen und zum Teil einer Gemein­schaft, die Kin­dern und Jugend­li­chen neue Mög­lich­kei­ten eröff­net. Zwi­schen Werk­bank, Leih­rä­dern und den Trails des Har­zes ent­steht so etwas, das sich nicht in einem Pro­dukt­preis aus­drü­cken lässt: ech­te Ver­bun­den­heit mit der Regi­on.

Und viel­leicht liegt genau dar­in die beson­de­re Stär­ke die­ses klei­nen Fahr­rad­ge­schäfts in Ilsen­burg. Hier wer­den nicht ein­fach Räder ver­kauft. Hier arbei­ten Men­schen, die selbst fah­ren, die ihre Regi­on ken­nen und die dar­an mit­wir­ken wol­len, dass der Harz auch in Zukunft ein Ort bleibt, an dem die Begeis­te­rung für zwei Räder wei­ter­ge­ge­ben wird.

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