Ein Familienunternehmen mit Wurzeln, die bis ins Jahr 1969 reichen
Wenn man heute das Fahrzeughaus Kilian in Ballenstedt betritt, spürt man schnell, dass hier mehr steckt als nur ein klassischer Fahrrad- und Zweiradhandel. Hinter dem Unternehmen steht eine Geschichte, die tief in der Region verwurzelt ist und bis ins Jahr 1969 zurückreicht. Damals gründete Hans Kilian den Betrieb in Harzgerode – ein Name, der bis heute weiterlebt und dem Unternehmen seinen Charakter verleiht.
Olaf Grosser, heutiger Inhaber und Geschäftsführer, beschreibt diesen Ursprung mit spürbarer Verbundenheit. „Das war der Hans Kilian, das war der Gründer der Firma 1969“, erklärt er im Gespräch. Der Name wurde bewusst beibehalten, um diese Geschichte und die Herkunft zu würdigen. Für Grosser selbst begann der Weg ins Unternehmen über persönliche Verbindungen innerhalb der Familie und schließlich über die gemeinsame Arbeit mit der damaligen Inhaberfamilie.
Der entscheidende Schritt kam Anfang der 2000er Jahre. Zwischen 2005 und 2006 wurde der Standort neu aufgebaut und nach Ballenstedt verlegt. Seit 2009 führt Olaf Grosser das Unternehmen eigenständig und prägt es seither mit technischer Leidenschaft und einem klaren Blick für Entwicklungen im Markt.
Von der Werkstatt zur modernen Zweiradwelt
Was einst als klassischer Fahrradbetrieb begann, hat sich längst zu einem vielseitigen Zentrum für Zweiradtechnik entwickelt. Neben Fahrrädern spielen heute vor allem E‑Bikes, Reparaturservice und technische Beratung eine zentrale Rolle. Für Olaf Grosser ist das kein Zufall, sondern eine logische Entwicklung.
„Da bin ich schon ein bisschen technikinteressierter“, sagt der gelernte Werkzeugmacher offen. Diese Begeisterung zieht sich durch seinen beruflichen Alltag. Ob Reparaturen, moderne E‑Bike-Systeme oder klassische Technik – die Mischung aus Praxis und Entwicklung ist für ihn genau das, was den Beruf spannend macht.
Besonders deutlich zeigt sich der Wandel im Bereich E‑Bikes. Rund 80 Prozent der Kunden greifen heute bereits zu elektrisch unterstützten Rädern. Für Grosser ist das mehr als ein Trend: Es ist eine Veränderung des gesamten Mobilitätsverhaltens. „Das hat auch die Leute wieder aufs Rad gebracht, die früher gar kein Fahrrad gefahren sind“, erklärt er. Gerade im Harz, mit seinen Höhenmetern und anspruchsvollen Strecken, eröffnen E‑Bikes neue Möglichkeiten für Freizeit und Alltag.
Simson, MZ und die Rückkehr der Nostalgie
Neben moderner Technik spielt im Fahrzeughaus Kilian auch die Vergangenheit eine überraschend große Rolle. Besonders die Kultmarken Simson und MZ erleben seit Jahren eine regelrechte Renaissance. Für Olaf Grosser ist das ein Phänomen. „Das ist so eine Nostalgie, das ist eine ungebrochene Nachfrage“, beschreibt er die Situation. Jeden Tag gebe es Anfragen nach Mopeds, Ersatzteilen oder Restaurierungen. Viele Fahrzeuge werden heute nicht mehr nur gefahren, sondern liebevoll wieder aufgebaut.
Auch junge Fahrer entdecken die alten Maschinen wieder für sich. Schon 15-Jährige dürfen mit entsprechenden Modellen unterwegs sein und zeigen großes Interesse an der Technik vergangener Jahrzehnte. Für das Unternehmen bedeutet das nicht nur Verkauf, sondern auch intensive Werkstattarbeit und Teilehandel – ein Bereich, der überraschend lebendig geblieben ist.
Service, Nähe und der Blick in die Zukunft
Trotz aller technischen Entwicklungen bleibt für Olaf Grosser eines zentral: der persönliche Service. Rund 100 Fahrräder stehen im Fahrzeughaus Kilian ständig zum Verkauf bereit, doch entscheidend sei nicht nur das Produkt selbst, sondern die Betreuung dahinter. „Entscheidend ist auch der Service“, betont er. Gerade im Zeitalter des Onlinehandels sei das ein klarer Unterschied, denn viele Internetanbieter bieten keinen Werkstattservice an.
Die Kunden kommen dabei längst nicht nur aus Ballenstedt. Ein Einzugsgebiet von rund 50 Kilometern zeigt, wie stark das Unternehmen in der Region verankert ist. Gleichzeitig verändert sich auch die Fahrradwelt weiter. Themen wie Software, Updates und immer komplexere E‑Bike-Technik gehören längst zum Alltag in der Werkstatt.
Grosser blickt dabei durchaus in die Zukunft: Fahrräder könnten sich weiter automatisieren, intelligenter werden und sich stärker an digitale Systeme anpassen. Dennoch bleibt für ihn eines unverändert: die Freude an der Technik und am direkten Kontakt mit Menschen.
Auch privat bleibt er dem Radfahren treu, allerdings in entspannter Form. Am liebsten mit dem E‑Mountainbike durch den Harz, ohne Leistungsdruck, dafür mit Blick auf Natur und Ruhe. „Das wäre für mich wichtig, nicht noch Stress beim Fahrradfahren zu organisieren“, sagt er mit einem Schmunzeln.
Ein Betrieb zwischen Vergangenheit und Bewegung
Das Fahrzeughaus Kilian steht heute exemplarisch für viele mittelständische Betriebe im Harz: tief verwurzelt in der Geschichte, offen für technische Entwicklungen und getragen von persönlichem Engagement. Zwischen Simson-Nostalgie, E‑Bike-Boom und Werkstattalltag entsteht ein Bild eines Unternehmens, das nicht stehen bleibt, sondern sich stetig weiterentwickelt.
Und vielleicht liegt genau darin die Stärke dieses Hauses – in der Verbindung von Tradition und Bewegung, von Vergangenheit und Zukunft, die jeden Tag auf zwei Rädern neu erlebbar wird.
Harz.News/ron
Fahrzeughaus Kilian
📍Gernröder Str. 8, 06493 Ballenstedt
📞Tel.: 039485 — 667711
✉️Email: mail@zweirad-kilian.de
🌐Website: www.zweirad-kilian.de











































