Es ist eine Vorstellung, die im ersten Moment ungewöhnlich klingt: Das Fahrrad steht bereit, dahinter ein kleiner geschlossener Anhänger, kaum größer als nötig. Im Inneren wartet kein Gepäckraum und keine bloße Transportbox, sondern ein Platz zum Schlafen, geschützt vor Wind und Wetter. Ein eigenes kleines Zuhause auf Rädern, gezogen allein mit dem Fahrrad. Was für viele noch nach einer kuriosen Idee klingt, ist für Uwe Braasch längst Realität. Mit maxmess design baut er in Wernigerode Fahrradwohnwagen in Handarbeit und trifft damit auf eine Szene, die wächst, experimentiert und das Reisen auf zwei Rädern völlig neu denkt.
Die Idee selbst ist älter als die heutige Manufaktur. Braasch beschäftigte sich schon früh mit dem Konzept kleiner Fahrradanhänger, in denen Menschen unterwegs übernachten können. Bereits 2009 baute er sein erstes eigenes Modell aus Holz. Damals ging es ihm vor allem um eine ganz persönliche Frage: Kann man sich in einem so kleinen Raum überhaupt wohlfühlen? Oder wird die Enge schnell unangenehm? Die Antwort fand er nur auf einem Weg: ausprobieren.
„Es ging mir erst mal darum auszutesten, ob ich mich in so einem Ding wohlfühle“, erinnert sich Braasch. Das Experiment funktionierte. Natürlich war das Fahren mit Anhänger anstrengender als ohne zusätzliche Last. Doch das Übernachten, der eigentliche Kern der Idee, überzeugte ihn. Aus dem Versuch entwickelte sich über Jahre ein Konzept, aus dem schließlich ein eigenes Produkt entstand.
Vom Holzmodell zur kleinen Manufaktur
2021 begann Braasch damit, die Fahrradwohnwagen in einer kleinen Serie zu fertigen. Statt Holz kommen heute unter anderem Aluminium, Isolierung und eine Innenverkleidung zum Einsatz. Der Aufbau erinnert damit in einigen Punkten an größere Wohnmobile, allerdings mit einer entscheidenden Vorgabe: Alles muss möglichst kompakt und leicht bleiben, damit der Anhänger weiterhin mit einem Fahrrad bewegt werden kann.
Rund 50 Kilogramm wiegen die von Braasch gebauten Modelle nach seinen Angaben. Im Inneren geht es nicht darum, eine klassische Ferienwohnung auf wenige Quadratmeter zu pressen. Bad und Küche sucht man hier nicht. Stattdessen steht das Wesentliche im Mittelpunkt: ein geschützter Rückzugsort zum Schlafen und Erholen, kombiniert mit der Freiheit, mit dem Fahrrad unterwegs zu sein.
Gerade die Isolierung spielt dabei für Braasch eine wichtige Rolle. Ein besonders leicht gebauter Anhänger mag auf der Waage beeindrucken, doch beim Komfort können andere Eigenschaften entscheidender sein. „Mit Isolierung fühlt man sich wie in einer kleinen Bude“, beschreibt er das Gefühl im Inneren. Ohne entsprechende Dämmung könne ein solcher Hohlkörper dagegen schnell Geräusche verstärken.
Dass die Konstruktion nicht nur für kurze Ausflüge gedacht ist, zeigen die Erfahrungen seiner Kunden. Ein Fahrer legte laut Braasch innerhalb einer Tour rund 6.000 Kilometer mit einem Fahrradwohnwagen zurück. Andere nutzen die Anhänger für Wochenendausflüge, längere Reisen oder sogar als dauerhaften Lebensmittelpunkt. Braasch selbst kennt die Grenzen seiner Konstruktionen ebenfalls aus eigener Erfahrung. Eine seiner Touren führte ihn bei Temperaturen von bis zu minus 30 Grad durch Schweden.
„Man schläft fantastisch“, sagt er über die Nächte im Fahrradwohnwagen. Ein einfacher Satz, hinter dem eine Idee steckt, die immer mehr Menschen neugierig macht.
Eine kleine Szene wird immer größer
Fahrradwohnwagen sind noch immer ein ungewöhnlicher Anblick. Genau darin liegt ein Teil ihrer Faszination. Wer mit einem solchen Gespann unterwegs ist, fällt auf. Menschen bleiben stehen, stellen Fragen und wollen wissen, was sich hinter der kleinen rollenden Behausung verbirgt.
Gleichzeitig hat sich nach Braaschs Beobachtung längst eine eigene Gemeinschaft entwickelt. Tausende Interessierte tauschen sich in sozialen Netzwerken und Internetforen über Konstruktionen, Erfahrungen und Reisen aus. Dazu kommen Treffen, bei denen Selbstbauer, Nutzer und Hersteller zusammenkommen. Auch in Wernigerode fand 2026 erstmals ein solches Treffen statt.
Die Bandbreite der Konstruktionen ist dabei enorm. Manche Selbstbauer versuchen, ihre Anhänger so leicht wie nur irgend möglich zu machen. Andere gehen in die entgegengesetzte Richtung und statten ihre Fahrzeuge mit immer mehr Komfort, Stauraum oder sogar Sanitärlösungen aus. Für Braasch bleibt bei seinen eigenen Modellen jedoch die Alltagstauglichkeit entscheidend. Schließlich müssen Radwege, Straßen und Engstellen weiterhin problemlos befahrbar bleiben.
Der Reiz liegt dabei auch in einer besonderen Form der Unabhängigkeit. Das eigene Bett reist immer mit. Nach einem langen Tag auf dem Fahrrad muss nicht erst ein Zelt aufgebaut werden. Wenn das Wetter umschlägt, wartet direkt hinter dem Fahrrad ein trockener Rückzugsort. Genau dieses Zusammenspiel aus Einfachheit, Mobilität und Komfort macht die Idee für Braasch so spannend.
Und offenbar nicht nur für ihn.
Bestellungen reichen bereits weit in die Zukunft
Bislang fertigt Braasch seine Fahrradwohnwagen weitgehend handwerklich und in geringer Stückzahl. Rund sechs Fahrzeuge pro Jahr konnte er nach eigener Aussage zuletzt bauen. Doch die Nachfrage ist inzwischen größer als die vorhandenen Kapazitäten. Zum Zeitpunkt des Interviews war das folgende Jahr bereits vollständig verplant, Auslieferungen reichten teilweise bis 2028.
Deshalb soll sich die Fertigung verändern. Zum Jahresende plant Braasch den Wechsel in geeignetere Räumlichkeiten. Dort sollen künftig mehrere Wohnwagen gleichzeitig entstehen können. Statt eines einzelnen Fahrzeugs nach dem anderen ist eine Kleinserienproduktion mit etwa vier oder fünf Exemplaren parallel vorgesehen.
Das langfristige Ziel ist klar: Braasch möchte den bestehenden Bestellüberhang reduzieren und irgendwann an einen Punkt kommen, an dem fertige Modelle verfügbar sind. Kunden sollen dann nicht mehr über einen langen Zeitraum auf ihren Fahrradwohnwagen warten müssen, sondern im Idealfall aus bereits gebauten Fahrzeugen wählen können.
Trotz dieses Wachstums bleibt der Charakter einer Manufaktur erhalten. Hinter jedem Fahrzeug steht bislang viel Handarbeit und praktische Erfahrung. Genau diese Mischung aus Tüfteln, Ausprobieren und stetigem Verbessern prägt die Geschichte von maxmess design.
Wissen weitergeben, Ideen wachsen lassen
Für Braasch endet das Projekt nicht an der Werkstatttür. Auch die Zusammenarbeit mit jungen Menschen und Studierenden gehört inzwischen dazu. In Verbindung mit der Hochschule vor Ort entstanden bereits wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Fahrradwohnwagen. Ein Student beschäftigte sich im Rahmen seiner Bachelorarbeit damit, ein weiterer arbeitet an seiner Masterarbeit.
Seit September geht Braasch noch einen Schritt weiter. Sieben Praktikanten einer Berufsschule verbringen drei Tage pro Woche im Betrieb. Eine klassische Ausbildung bietet maxmess design nicht an. Stattdessen versteht sich das Unternehmen als Praktikumsbetrieb, in dem die Jugendlichen eigene Projekte übernehmen und praktische Erfahrungen sammeln können. Sie unterstützen beispielsweise bei organisatorischen Aufgaben, sozialen Medien und der Erstellung von Videos.
Für einen Unternehmer, der sonst weitgehend allein arbeitet, ist das eine neue Situation. „Ich bin ja sonst ein Alleinunternehmer und jetzt einmal vor sieben Jugendlichen“, beschreibt Braasch die Veränderung. Sein Anspruch sei dennoch eindeutig: „Wir möchten denen was beibringen.“
Vielleicht passt gerade dieser Gedanke besonders gut zu einer Idee, deren Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen scheint. Fahrradwohnwagen sind eine Nische, aber eine erstaunlich lebendige. Menschen bauen selbst, vergleichen Konstruktionen, reisen Tausende Kilometer, treffen sich und entwickeln neue Lösungen. Mitten in dieser noch jungen Welt steht in Wernigerode eine kleine Manufaktur, die aus einer ungewöhnlichen Idee ein wachsendes Geschäft gemacht hat.
Und vielleicht ist genau das die größte Stärke dieser Fahrzeuge: Man muss sie gesehen haben, um neugierig zu werden. Man muss sie ausprobieren, um sie wirklich zu verstehen. Was von außen wie eine kleine Box hinter einem Fahrrad aussieht, kann im Inneren etwas ganz anderes sein: ein eigenes Bett, ein geschützter Raum und für manche sogar ein Stück Freiheit auf Rädern.
📍Adresse: maxmess-software / maxmess design, Dornbergsweg 2, 38855 Wernigerode
📞 Telefon: +49 (0) 3943 / 632019
☎️ Fax: +49 (0) 3943 / 905425
📧 E‑Mail: uwe.braasch@maxmess.de oder Cinfo@maxmess.de
🌐 Website: https://www.fahrrad-wohn-wagen.de/






























