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Harz­ge­ro­de: Bohai Auto­mo­ti­ve und Schlo­te Grup­pe vor dem Aus – mehr als 1000 Jobs auf der Kip­pe

Die Bohai Automotive und die Schlote Gruppe in Harzgerode stehen vor der Abwicklung
Die Bohai Automotive und die Schlote Gruppe in Harzgerode stehen vor der Abwicklung

Die Kri­se der deut­schen Auto­mo­bil­zu­lie­fer­indus­trie erreicht einen neu­en Höhe­punkt: In Harz­ge­ro­de ste­hen mit Bohai Auto­mo­ti­ve und der Schlo­te Grup­pe gleich zwei zen­tra­le Arbeit­ge­ber vor dem mög­li­chen Aus. Zudem ist GAW in Wer­ni­ge­ro­de eben­falls von der Abwick­lungs­in­sol­venz bedroht.

Mehr als 1000 Jobs ste­hen akut auf der Kip­pe – tat­säch­lich könn­te die Zahl sogar deut­lich höher lie­gen. Der­weil bäu­men sich der Minis­ter­prä­si­dent und der Bür­ger­meis­ter von Harz­ge­ro­de Mar­cus Wei­se (CDU) ein letz­tes Mal auf, um die Ret­tung doch noch zu schaf­fen.

Wirt­schafts­kri­se im Harz: Drei­fa­cher Schlag für Harz­ge­ro­de

Die Regi­on Harz erlebt der­zeit eine der schwers­ten wirt­schaft­li­chen Belas­tun­gen der letz­ten Jah­re. Bei­de Unter­neh­men haben bereits Insol­venz ange­mel­det, und die Aus­sich­ten auf eine Ret­tung schwin­den zuneh­mend. Aktu­el­len Berich­ten zufol­ge droht bei bei­den Auto­zu­lie­fe­rern das end­gül­ti­ge Betriebs­en­de.

Ins­ge­samt sind über 1.000 direk­te Arbeits­plät­ze betrof­fen, allein in Harz­ge­ro­de und Umge­bung meh­re­re Hun­dert. Beson­ders kri­tisch ist dabei, dass neben den direk­ten Stel­len auch zahl­rei­che indi­rek­te Arbeits­plät­ze bei Zulie­fe­rern und Dienst­leis­tern auf dem Spiel ste­hen, was die wirt­schaft­li­chen Fol­gen erheb­lich ver­schär­fen könn­te.

Bohai Auto­mo­ti­ve: Feh­len­de Auf­trä­ge und Inves­to­ren brin­gen Werk ins Wan­ken

Beim Gie­ße­rei­spe­zia­lis­ten Bohai Auto­mo­ti­ve spitzt sich die Lage dra­ma­tisch zu. Trotz inten­si­ver Gesprä­che mit poten­zi­el­len Inves­to­ren konn­te bis­lang kei­ne Eini­gung erzielt wer­den. Ein ent­schei­den­der Fak­tor ist die Ent­schei­dung des wich­tigs­ten Auf­trag­ge­bers, zen­tra­le Pro­duk­tio­nen ab Herbst zu ver­la­gern.

Ohne die­se Auf­trä­ge gel­ten die Stand­or­te als wirt­schaft­lich kaum über­le­bens­fä­hig. Rund 700 Beschäf­tig­te arbei­ten der­zeit bei Bohai, zusätz­lich hän­gen etwa 650 wei­te­re Arbeits­plät­ze indi­rekt vom Unter­neh­men ab. Damit zählt das Unter­neh­men zu den wich­tigs­ten indus­tri­el­len Pfei­lern der Regi­on, des­sen Weg­fall mas­si­ve struk­tu­rel­le Fol­gen nach sich zie­hen wür­de.

Schlo­te Grup­pe: Kun­den sprin­gen ab – Pro­duk­ti­on vor dem Ende

Auch die Schlo­te Grup­pe steht vor einer äußerst unsi­che­ren Zukunft. Die Situa­ti­on ist hier beson­ders ange­spannt, da gro­ße Kun­den bereits ent­schie­den haben, Auf­trä­ge abzu­zie­hen. Infol­ge­des­sen wird die Pro­duk­ti­on teil­wei­se schon her­un­ter­ge­fah­ren, und eine Werks­schlie­ßung im Herbst gilt als wahr­schein­lich.

Betrof­fen sind rund 330 Mit­ar­bei­ter, unter ande­rem in Harz­ge­ro­de sowie in Wer­ni­ge­ro­de. Ohne neue Auf­trä­ge fehlt dem Unter­neh­men die wirt­schaft­li­che Grund­la­ge für eine Fort­füh­rung des Betriebs, was die Per­spek­ti­ven wei­ter ein­trübt.

Rund 1000 Jobs in Harz­ge­ro­de und Wer­ni­ge­ro­de kon­kret bedroht

Für Harz­ge­ro­de selbst bedeu­tet die­se Ent­wick­lung einen tief­grei­fen­den Ein­schnitt. Hun­der­te Arbeits­plät­ze direkt vor Ort ste­hen auf der Kip­pe, was nicht nur die betrof­fe­nen Beschäf­tig­ten, son­dern auch deren Fami­li­en trifft. Dar­über hin­aus gera­ten loka­le Betrie­be und Dienst­leis­ter zuneh­mend unter Druck, da sie wirt­schaft­lich eng mit den Indus­trie­un­ter­neh­men ver­floch­ten sind.

Die Kauf­kraft in der Regi­on könn­te spür­bar ein­bre­chen, was lang­fris­ti­ge struk­tu­rel­le Schä­den nach sich zie­hen wür­de. Die oft genann­te Zahl von über 300 bedroh­ten Jobs bil­det daher nur einen Teil der tat­säch­li­chen Aus­wir­kun­gen ab, da die gesam­te regio­na­le Wirt­schafts­ket­te gefähr­det ist.

Ursa­chen: Struk­tur­wan­del in der Auto­in­dus­trie

Die aktu­el­le Kri­se kommt nicht über­ra­schend, son­dern ist das Ergeb­nis meh­re­rer gleich­zei­tig wir­ken­der Fak­to­ren. Die Trans­for­ma­ti­on hin zur Elek­tro­mo­bi­li­tät ver­än­dert die Anfor­de­run­gen an Zulie­fe­rer grund­le­gend. Gleich­zei­tig führt die star­ke Abhän­gig­keit von weni­gen Groß­kun­den zu einer hohen Ver­wund­bar­keit.

Hin­zu kom­men zuneh­men­der glo­ba­ler Wett­be­werbs­druck sowie die Ver­la­ge­rung von Pro­duk­ti­ons­ket­ten ins Aus­land. Gera­de mit­tel­stän­di­sche Zulie­fe­rer wie Bohai Auto­mo­ti­ve und die Schlo­te Grup­pe gera­ten dadurch zuneh­mend unter Druck und ver­lie­ren an Sta­bi­li­tät.

Gibt es noch Hoff­nung für die Stand­or­te?

Noch sind die end­gül­ti­gen Ent­schei­dun­gen nicht gefal­len. In den kom­men­den Tagen müs­sen die Gläu­bi­ger­aus­schüs­se über die Zukunft der Unter­neh­men ent­schei­den.

Zwar hat es Gesprä­che mit Inves­to­ren gege­ben, eben­so wie Unter­stüt­zung durch das Land Sach­sen-Anhalt und finan­zi­el­le Hil­fen in Mil­lio­nen­hö­he, doch bis­lang konn­te kei­ne trag­fä­hi­ge Lösung gefun­den wer­den. Die Zeit für eine Ret­tung wird zuneh­mend knapp.

Harz­ge­ro­de steht vor einem wirt­schaft­li­chen Wen­de­punkt

Der dro­hen­de Weg­fall von Bohai Auto­mo­ti­ve und der Schlo­te Grup­pe könn­te Harz­ge­ro­de nach­hal­tig ver­än­dern. Die Regi­on steht vor einem mög­li­chen Ver­lust zwei­er indus­tri­el­ler Kern­un­ter­neh­men, was weit­rei­chen­de Fol­gen für den Arbeits­markt und die wirt­schaft­li­che Sta­bi­li­tät haben dürf­te.

Die kom­men­den Ent­schei­dun­gen wer­den daher nicht nur über die Zukunft der Unter­neh­men, son­dern auch über die Per­spek­ti­ven einer gan­zen Regi­on bestim­men.

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