Harz.News/ron Wer vom Trubel der Altstadt aufbricht und den Weg in das idyllische Christianental einschlägt, merkt schnell, wie sich die Welt verändert. Das Pflaster der Stadt weicht dem weichen Waldboden, die Geräusche werden leiser, und zwischen hohen Bäumen öffnet sich eine kleine Lichtung. Genau hier, mitten im Grünen und direkt am Wildpark, liegt das Waldgasthaus & Pension im Christianental. Ein Ort, an dem Wanderer einkehren, Familien durchatmen und Gäste entdecken, dass traditionelle Küche und echte Gastfreundschaft im Harz noch lebendig sind.
Seit einigen Jahren führt Daniel Ujvari das traditionsreiche Haus. Sein Weg dorthin verlief jedoch alles andere als klassisch für einen Gastronomen.
Vom Finanzexperten zum Gastgeber im Harz
Ursprünglich stammt Daniel Ujvari aus dem Raum Frankfurt am Main. Mit Gastronomie hatte sein beruflicher Werdegang zunächst wenig zu tun. Nach seinem Studium arbeitete er im Finanzbereich, unter anderem als Wirtschaftsprüfer im Bankenumfeld. Controlling, Rechnungswesen und strukturierte Konzernprozesse gehörten zu seinem Alltag.
Doch das Leben nahm eine andere Richtung.
Seine Frau stammt aus Wernigerode und studierte Tiermedizin. Als beide ihr Studium abgeschlossen hatten, stellte sich für das junge Paar eine entscheidende Frage: Wo sollte ihre gemeinsame Zukunft beginnen? In der Großstadt oder im Harz?
Die Entscheidung fiel schnell. Wernigerode, mit seiner Nähe zur Natur und seiner hohen Lebensqualität, überzeugte. Seit 2013 lebt die Familie hier. Während seine Frau eine Tierarztpraxis im Mühlental aufbaute, hielt Daniel Ujvari die Augen nach einer Möglichkeit offen, sich ebenfalls selbstständig zu machen.
Diese Gelegenheit kam, als das Waldgasthaus im Christianental einen Nachfolger suchte. Der vorherige Betreiber hatte das Haus über vier Jahrzehnte geführt und wollte den Betrieb übergeben. Ujvari bewarb sich mit einem Businessplan und erhielt schließlich den Zuschlag.
2021 übernahm er das Gasthaus mitsamt Team und begann ein neues Kapitel.
Zwischen Biergarten, Wildpark und echter Handarbeit
Heute beschäftigt das Waldgasthaus rund 20 Mitarbeitende, darunter zehn feste Angestellte sowie Schüler und Studenten als Aushilfen. Die Dimension des Betriebs überrascht viele Besucher: Rund 150 Plätze im Biergarten und weitere 130 im Innenbereich bieten reichlich Raum für Gäste. Dazu kommt ein Kiosk für Spaziergänger, die nur kurz einkehren möchten.
Auch eine Pension gehört zum Angebot. Mehrere Apartments, eine Ferienwohnung und ein Ferienhaus stehen Gästen direkt am Wildpark zur Verfügung. Morgens erwartet sie ein Frühstücksbuffet im Gasthaus, das übrigens auch externe Besucher buchen können.
Das Herzstück bleibt jedoch das Restaurant.
Hier setzt Ujvari bewusst auf traditionelle deutsche Küche und ehrliche Handarbeit. Fertigprodukte kommen in der Küche nicht auf den Teller. Kartoffeln werden frisch geschält, Komponenten selbst hergestellt.
Ein Gericht liegt dem Gastgeber besonders am Herzen: „Die Sülze. Ganz klare Aussage. Das ist mein persönliches Lieblingsgericht.“
Auch bei den Gästen kommt sie hervorragend an. Ebenso beliebt sind Klassiker wie Schweinshaxe oder traditionelle ostdeutsche Gerichte wie „Tote Oma“ oder „Gehacktesstippe“. Viele Wernigeröder Stammgäste schätzen gerade diese Küche, die für sie nach Kindheit und Familienessen schmeckt.
Arbeiten, wo andere Urlaub machen
Der Standort des Gasthauses könnte kaum idyllischer sein. Eingebettet in den Wald und direkt neben dem Wildpark gelegen, zieht das Christianental Besucher aus ganz Deutschland an. Gerade in Ferienzeiten sind bis zu 90 Prozent der Gäste Urlauber.
Doch auch die Wernigeröder selbst kommen regelmäßig. Viele weichen bewusst auf ruhigere Zeiten unter der Woche aus, um ihre Lieblingsgerichte zu genießen.
Für Ujvari ist dieser Ort ein Glücksfall. „Was gibt es für einen schöneren Ort zum Arbeiten? Arbeiten, wo andere Urlaub machen.“
Sein eigener Arbeitsweg beträgt gerade einmal einen Kilometer. Schon der Weg durch den Wald gehört für ihn zum Alltag.
Wenn Füchse durch den Biergarten streifen
Das Leben mitten im Wald bringt auch besondere Begegnungen mit sich. Nach Feierabend, wenn die Gäste gegangen sind und Ruhe einkehrt, zeigt sich manchmal die echte Tierwelt des Harzes.
Füchse schauen gelegentlich im Biergarten vorbei, und einmal beobachtete Ujvari sogar einen Luchs, der sich an das Hirschgehege heranpirschte.
Solche Momente erinnern daran, dass das Gasthaus Teil einer einzigartigen Naturkulisse ist.
Auch zum Wildpark selbst gibt es eine enge Verbindung. Ujvari engagiert sich im Förderverein des Wildparks, der mit Spenden und Projekten die städtische Einrichtung unterstützt. Über diesen Weg werden beispielsweise neue Anlagen oder Volieren finanziert.
Wenn der Biergarten aus allen Nähten platzt
Besonders lebendig wird es bei Veranstaltungen im Wildpark. Der Ostersonntag gilt als einer der intensivsten Tage im Jahr.
Dann veranstaltet der Förderverein die große Ostereiersuche auf der Wiese unter den Mammutbäumen. Hunderte Kinder stürmen gleichzeitig los, um Süßigkeiten einzusammeln. Danach strömen Familien in das Gasthaus — oft gleichzeitig.
Auch andere Veranstaltungen gehören inzwischen zur Tradition. Das Wildparkfest am Muttertag, Chorgesang zu Pfingsten oder die Halloween-Veranstaltung mit Fackeln, Feuerschalen und Stockbrot locken jedes Jahr zahlreiche Besucher an.
An solchen Tagen haben Daniel Ujvari und seine gesamtes Team jede Menge zu tun und da kommen schnell mal 30.000 Schritte zusammen.
Ein Gastgeber, der auch Marathon läuft
Wenn Daniel Ujvari einmal wirklich frei hat, zieht es ihn dennoch hinaus in die Natur. Sein größtes Hobby ist der Laufsport. Als Marathon- und Ultramarathonläufer verbringt er viele Stunden auf den Wegen des Harzes.
Das Laufen ist für ihn der perfekte Ausgleich zum Gastronomiealltag. Nach Feierabend startet er manchmal direkt vom Christianental aus in den Wald.
Und dennoch findet man ihn auch immer wieder im eigenen Biergarten — nicht als Chef, sondern als Gesprächspartner. Der Kontakt zu Stammgästen gehört für ihn genauso zum Betrieb wie Küche und Organisation.
Denn am Ende ist ein Gasthaus mehr als nur ein Ort zum Essen. Es ist ein Treffpunkt. Ein Platz zum Durchatmen.
Und im Christianental vielleicht sogar einer der schönsten im ganzen Harz.
Waldhaus & Pension Christianental
👤Daniel Ujvari
📍Christianental 43, 38855 Wernigerode
📞Tel.: 03943 25171
✉️Email: info@christianental-wernigerode.de
🌐Website: www.christianental-wernigerode.de


































