Wo der Harz zur Ruhe kommt und der Wein Geschich­ten erzählt

Es gibt Orte, die man nicht besucht, um mög­lichst schnell etwas zu erle­di­gen. Man kommt, setzt sich, lässt den Tag hin­ter sich und merkt irgend­wann, dass aus einem Glas Wein zwei Stun­den gewor­den sind. Genau so einen Ort woll­te Ales­san­dro De Sog­he in Braun­la­ge schaf­fen. Mit der Wein­schu­le und Han­del HARZ und der Vino­thek Wine & More hat er mit­ten im Harz einen Treff­punkt auf­ge­baut, bei dem der Wein zwar die Haupt­rol­le spielt, der eigent­li­che Zau­ber aber zwi­schen den Glä­sern ent­steht. Es geht um Gesprä­che, um Begeg­nun­gen, um fach­kun­di­ge Emp­feh­lun­gen und vor allem um etwas, das im All­tag immer sel­te­ner zu wer­den scheint: Zeit. Wer hier ein­tritt, soll nicht das Gefühl haben, den Tisch mög­lichst schnell wie­der frei­ma­chen zu müs­sen. Statt­des­sen darf man ankom­men. “Für mich ist es wich­tig, dass die Leu­te ein­fach mal in Ruhe abschal­ten kön­nen, dabei ein Glas Wein genie­ßen”, sagt De Sog­he. Ein Satz, der ziem­lich genau beschreibt, war­um sich Wine & More inzwi­schen zu einem beson­de­ren Anlauf­punkt in Braun­la­ge ent­wi­ckelt hat.

Von der Lei­den­schaft zum Wein­aka­de­mi­ker

Dass Wein für Ales­san­dro De Sog­he weit mehr ist als ein Getränk, hat eine lan­ge Vor­ge­schich­te. Als Ita­lie­ner kam er früh mit Wein in Berüh­rung, doch irgend­wann reich­te es ihm nicht mehr, einen guten Trop­fen ledig­lich genie­ßen zu kön­nen. Er woll­te ver­ste­hen, was sich hin­ter Reb­sor­ten, Regio­nen, Jahr­gän­gen und Geschmacks­wel­ten ver­birgt. Um 2003 begann er des­halb mit einer Som­me­lier­Aus­bil­dung an der heu­ti­gen Euro­päi­schen Som­me­lier-Schu­le. Doch damit war sein Wis­sens­durst noch längst nicht gestillt. Es folg­ten Wei­ter­bil­dun­gen beim Wine & Spi­rit Edu­ca­ti­on Trust, kurz WSET, bevor er schließ­lich das anspruchs­vol­le Wein­aka­de­mi­ker-Diplom der Wein­aka­de­mie Öster­reich absol­vier­te. Für das mehr­jäh­ri­ge Stu­di­um pen­del­te er regel­mä­ßig von Braun­la­ge nach Gei­sen­heim im Rhein­gau. Ver­schie­de­ne Prü­fun­gen, inten­si­ve Lern­pha­sen und am Ende eine Diplom­ar­beit gehör­ten dazu. Nach all die­sen Jah­ren des Ler­nens stand irgend­wann eine ent­schei­den­de Fra­ge im Raum: Was macht man mit die­sem Wis­sen? Für De Sog­he lag die Ant­wort schließ­lich im Harz. 2019 grün­de­te er die Wein­schu­le HARZ. Kurz dar­auf stell­te die Coro­na-Zeit vie­les auf den Kopf und brems­te auch sei­ne Plä­ne. Doch statt das Pro­jekt auf­zu­ge­ben, ent­wi­ckel­te er es wei­ter. Die Räum­lich­kei­ten wech­sel­ten, die Idee wur­de grö­ßer und mit Wine & More kam schließ­lich eine Vino­thek hin­zu, die das Wis­sen der Wein­schu­le mit einem Ort des Genus­ses ver­bin­det. Auf der offi­zi­el­len Web­site beschreibt De Sog­he die Beschäf­ti­gung mit Wein inzwi­schen als Lei­den­schaft und Lebens­stil. Und genau die­ses Gefühl ist in sei­nem Kon­zept spür­bar.

Ein Ort, an dem nie­mand auf die Uhr schau­en muss

Als De Sog­he sei­ne Idee in Braun­la­ge umsetz­te, stieß er zunächst durch­aus auf Skep­sis. Vie­le hät­ten ihn mehr oder weni­ger für ver­rückt erklärt, erin­nert er sich. Braun­la­ge sei schließ­lich nicht unbe­dingt als klas­si­scher Wein­ort bekannt. Doch die Ent­wick­lung über­rasch­te selbst ihn. Heu­te kom­men nach sei­ner Ein­schät­zung rund 80 Pro­zent sei­ner Gäs­te aus der Regi­on. Gera­de die Ein­hei­mi­schen hät­ten die beson­de­re Ruhe des Ortes für sich ent­deckt. Das Kon­zept unter­schei­det sich bewusst von einem klas­si­schen Restau­rant. Klei­ne Spei­sen gibt es durch­aus, etwa Tapas oder Käse­plat­ten, doch sie sol­len den Wein beglei­ten und nicht die Haupt­rol­le über­neh­men. Im Mit­tel­punkt steht die Atmo­sphä­re. Gera­de in tou­ris­tisch star­ken Zei­ten kennt De Sog­he die Situa­ti­on in Braun­la­ge gut: Restau­rants sind voll, drau­ßen war­ten bereits die nächs­ten Gäs­te und aus einem gemüt­li­chen Abend kann schnell das Gefühl ent­ste­hen, den Platz wie­der frei­ma­chen zu
müs­sen. Bei Wine & More soll die­ser Druck drau­ßen blei­ben. Wer kommt, darf blei­ben. Nach De Sog­hes Erfah­rung sit­zen vie­le Gäs­te meh­re­re Stun­den zusam­men. Und dabei ent­ste­hen Begeg­nun­gen, die sich kaum pla­nen las­sen. Stamm­gäs­te tref­fen auf Besu­cher, Bekann­te kom­men mit­ein­an­der ins Gespräch und Men­schen, die allein viel­leicht gar nicht den Weg in
eine Wein­bar gefun­den hät­ten, wer­den Teil einer Run­de. Der Wein öff­net dabei gewis­ser­ma­ßen die Tür, doch das Mit­ein­an­der sorgt dafür, dass die Men­schen blei­ben. Es ist die­se Mischung aus Ruhe und Offen­heit, die Wine & More zu mehr als einem Geschäft oder einer Vino­thek macht.

Kei­ne Angst vor der Wein­kar­te

Wer schon ein­mal vor einem gro­ßen Wein­re­gal stand und sich gefragt hat, wor­in sich die zahl­rei­chen Fla­schen eigent­lich unter­schei­den, dürf­te eine wei­te­re Stär­ke des Kon­zepts schnell zu schät­zen wis­sen. Bei Wine & More muss nie­mand ein Wein­ken­ner sein. Nie­mand muss Fach­be­grif­fe beherr­schen oder schon beim Lesen des Eti­ketts wis­sen, was im Glas war­tet. Mehr als 20 offe­ne Wei­ne ste­hen nach De Sog­hes Anga­ben zur Aus­wahl. Doch erstaun­lich vie­le Gäs­te wür­den nicht ein­mal nach der Kar­te fra­gen. Statt­des­sen lau­tet die Fra­ge häu­fig schlicht: “Was
emp­fiehlst du mir?” Dann beginnt für den Wein­aka­de­mi­ker der Teil sei­ner Arbeit, bei dem Wis­sen und Erfah­rung unmit­tel­bar beim Gast ankom­men. Wer unge­fähr sagen kann, wel­che Geschmacks­rich­tung er mag, bekommt eine Emp­feh­lung. Und wenn die ers­te Idee nicht passt, gibt es, wie De Sog­he sagt, immer noch einen “Plan B”.
Gera­de für Men­schen, die erst begin­nen, Wein für sich zu ent­de­cken, nimmt das eine gro­ße Hür­de. Denn Wein kann fas­zi­nie­rend sein, aber sei­ne Viel­falt kann auch ein­schüch­tern. Tro­cken, halb­tro­cken, Reb­sor­te, Her­kunft, Aus­bau, Jahr­gang: Wer nicht tief in der Mate­rie steckt, ver­liert schnell den Über­blick. De Sog­hes Ansatz ist des­halb nicht, Wis­sen demons­tra­tiv vor den Gast zu stel­len, son­dern es für ihn nutz­bar zu machen. Bera­tung soll nicht beleh­ren, son­dern Ori­en­tie­rung geben. Am Ende zählt nicht, ob jemand die kom­ple­xes­te Beschrei­bung eines Wei­nes lie­fern kann. Ent­schei­dend ist, dass der Wein schmeckt und der Mensch sich wohl­fühlt.

Im Harz ver­wur­zelt und weit über Braun­la­ge hin­aus unter­wegs

Dass Ales­san­dro De Sog­he den Harz nicht nur als Stand­ort sei­nes Unter­neh­mens ver­steht, zeigt auch sein per­sön­li­cher Weg. Bereits 1987 kam er in die Regi­on. Über vie­le Jah­re enga­gier­te er sich auch kom­mu­nal­po­li­tisch und gehör­te nach eige­ner Aus­sa­ge 15 Jah­re dem Braun­la­ger Stadt­rat an. Als Unter­neh­mer unter­stützt er heu­te unter ande­rem den ört­li­chen Eis­ho­ckey­ver­ein und betei­ligt sich im Rah­men sei­ner Mög­lich­kei­ten an Ver­an­stal­tun­gen und Akti­vi­tä­ten in der Regi­on. Gleich­zei­tig trägt er das The­ma Wein längst über Braun­la­ge hin­aus. In Bad Harz­burg ver­bin­det die
Wein­schu­le bei­spiels­wei­se gemein­sam mit einer Yoga-Leh­re­rin zwei Wel­ten, die auf den ers­ten Blick kaum zusam­men­ge­hö­ren: Yoga und Wein. Gera­de sol­che Ver­an­stal­tun­gen haben Men­schen aus ande­ren Har­zer Orten auf Wine & More auf­merk­sam gemacht. De Sog­he erzählt von Gäs­ten aus Bad Harz­burg oder Gos­lar, die inzwi­schen mit dem Bus nach Braun­la­ge kom­men, ihren Abend bei ihm ver­brin­gen und spä­ter mit der letz­ten Ver­bin­dung wie­der nach Hau­se fah­ren. Aus einer per­sön­li­chen Lei­den­schaft ist damit Schritt für Schritt ein regio­na­ler Treff­punkt ent­stan­den.
Einer, des­sen Erfolg sich nicht allein an Fla­schen, Semi­na­ren oder Wein­kar­ten erklä­ren lässt. Viel­leicht liegt das Geheim­nis gera­de dar­in, dass hier nie­mand bewei­sen muss, wie viel er über Wein weiß. Man kann ent­de­cken, fra­gen, pro­bie­ren oder ein­fach sit­zen blei­ben. Ales­san­dro De Sog­he bringt die Ent­wick­lung selbst auf einen ein­fa­chen Satz: “Regio­nal wird es auch immer bekann­ter und das freut mich.”
Und viel­leicht ist das die schöns­te Beschrei­bung des­sen, was Wine & More heu­te in Braun­la­ge sein möch­te: ein Ort, an dem Wein Men­schen zusam­men­bringt, Wis­sen ganz selbst­ver­ständ­lich
wei­ter­ge­ge­ben wird und ein Abend nicht dann endet, wenn das Glas leer ist, son­dern erst dann, wenn das Gespräch vor­bei ist.

Web­site🌐: https:weinschule-harz.de

 

Rialto Braunlage 15 Rialto Braunlage 10 627a6d04 24b6 4884 bd53 dbe33c140d5f

 

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