Wegen AfD-Wahl­sieg: Kom­men jetzt Hotel­stor­nie­run­gen im Harz?

Hoteliers im Harz befürchten wegen des AfD-Wahlsiegs einen Rückgang von Hotelbuchungen
Hoteliers im Harz befürchten wegen des AfD-Wahlsiegs einen Rückgang von Hotelbuchungen

Der AfD-Wahl­sieg in Sach­sen-Anhalt sorgt nicht nur in der Poli­tik für Dis­kus­sio­nen. Auch die Tou­ris­mus­bran­che blickt mit Sor­ge auf die Reak­tio­nen poten­zi­el­ler Gäs­te. Könn­ten Urlau­ber ihre Rei­sen in den Harz absa­gen, weil die AfD in Sach­sen-Anhalt stärks­te Kraft gewor­den ist? Ers­te Hin­wei­se auf Stor­nie­run­gen gibt es – von einer flä­chen­de­cken­den Absa­ge­wel­le kann der­zeit aber kei­ne Rede sein.

Der Harz lebt vom Tou­ris­mus. Fach­werk­städ­te wie Wer­ni­ge­ro­de und Qued­lin­burg, der Bro­cken, Wan­der­we­ge, Win­ter­sport und zahl­rei­che Well­ness- und Fami­li­en­an­ge­bo­te machen die Regi­on zu einem der wich­tigs­ten Rei­se­zie­le in Mit­tel­deutsch­land. Ent­spre­chend sen­si­bel reagiert die Bran­che auf poli­ti­sche Ent­wick­lun­gen, die das Image einer Rei­se­re­gi­on beein­flus­sen könn­ten.

Nach dem jüngs­ten Wahl­er­folg der AfD stellt sich des­halb eine unbe­que­me Fra­ge: Blei­ben Urlau­ber künf­tig lie­ber zu Hau­se oder suchen sie sich ein ande­res Rei­se­ziel?

Ers­te Stor­nie­run­gen sor­gen für Unru­he

Dass die Sor­ge nicht völ­lig aus der Luft gegrif­fen ist, zeigt die aktu­el­le Ent­wick­lung in Sach­sen-Anhalt. Nach dem Wahl­er­folg der AfD berich­ten Medi­en von ers­ten Gäs­ten, die Rei­sen mit Hin­weis auf das Wahl­er­geb­nis abge­sagt haben. Gleich­zei­tig wird deut­lich, dass die Bran­che bis­lang vor allem mit Ver­un­si­che­rung und ein­zel­nen Fäl­len kon­fron­tiert ist – nicht mit einem beleg­ten flä­chen­de­cken­den Ein­bruch.

Das ist ein wich­ti­ger Unter­schied.

Eine ein­zel­ne Hotel­stor­nie­rung ist eine kon­kre­te wirt­schaft­li­che Belas­tung für den Gast­ge­ber. Sie ist aber noch kein Beweis dafür, dass der gesam­te Harz vor einer poli­ti­schen Stor­nie­rungs­wel­le steht.

Genau hier beginnt die schwie­ri­ge Auf­ga­be für Hote­liers und Tou­ris­mus­ver­bän­de: Sie müs­sen die Sor­gen ihrer Gäs­te ernst neh­men, dür­fen aus ein­zel­nen Fäl­len aber auch kei­ne grö­ße­re Kri­se machen, als tat­säch­lich vor­han­den ist.

War­um gera­de der Harz betrof­fen sein könn­te

Der Harz ist poli­tisch nicht mit einem ein­zel­nen Bun­des­land gleich­zu­set­zen. Das Mit­tel­ge­bir­ge erstreckt sich über Sach­sen-Anhalt, Nie­der­sach­sen und Thü­rin­gen. Wer ein Hotel in Wer­ni­ge­ro­de, Braun­la­ge oder Gos­lar bucht, ent­schei­det sich zunächst für Natur, Erho­lung und Kul­tur – nicht für eine Lan­des­re­gie­rung.

Den­noch kann poli­ti­sche Wahr­neh­mung das Image einer gesam­ten Regi­on beein­flus­sen.

Das ist aus frü­he­ren Debat­ten bekannt. Bereits nach frü­he­ren Wahl­er­fol­gen der AfD in Sach­sen-Anhalt gab es Sor­gen in der Tou­ris­mus­wirt­schaft. Damals berich­te­ten ein­zel­ne Gast­ge­ber von besorg­ten Anru­fen und Gäs­ten, die über eine Absa­ge nach­dach­ten. Gleich­zei­tig wur­de dar­auf hin­ge­wie­sen, dass vie­le Besu­cher den Harz als eigen­stän­di­ge Rei­se­re­gi­on wahr­neh­men.

Die aktu­el­le Dis­kus­si­on ist des­halb kei­nes­wegs völ­lig neu.

Die ent­schei­den­de Fra­ge lau­tet: Wie vie­le Gäs­te stor­nie­ren tat­säch­lich?

Für Hote­liers ist weni­ger ent­schei­dend, was in sozia­len Netz­wer­ken dis­ku­tiert wird. Ent­schei­dend ist, was am Ende im Buchungs­sys­tem pas­siert.

Wie vie­le Gäs­te stor­nie­ren tat­säch­lich? Wie vie­le buchen nicht mehr? Und wie vie­le fra­gen ledig­lich nach der poli­ti­schen Situa­ti­on vor Ort?

Die­se Zah­len müs­sen aus­ein­an­der­ge­hal­ten wer­den.

Denn ein Gast, der nach dem Wahl­er­geb­nis beim Hotel anruft und fragt, ob er sich im Urlaub sicher füh­len kann, hat noch lan­ge nicht stor­niert. Umge­kehrt kann ein Gast sei­ne Buchung auch ohne Anga­be eines poli­ti­schen Grun­des absa­gen.

Eine seriö­se Bewer­tung der Lage braucht des­halb belast­ba­re Zah­len aus Hotels und Feri­en­un­ter­künf­ten – und zwar über einen län­ge­ren Zeit­raum.

Der Har­zer Tou­ris­mus­ver­band weist wei­ter­hin auf die gro­ße Band­brei­te an Unter­künf­ten in der Regi­on hin: vom Well­ness­ho­tel über Fami­li­en­un­ter­künf­te bis zu Feri­en­woh­nun­gen und Ange­bo­ten für Wan­de­rer.

Das Image­pro­blem ist real – auch ohne Stor­nie­rungs­wel­le

Trotz­dem wäre es falsch, die Dis­kus­si­on als rei­ne Panik­ma­che abzu­tun.

Tou­ris­mus ist auch eine Fra­ge des Images. Wer meh­re­re hun­dert Euro für ein Wochen­en­de aus­gibt, möch­te sich will­kom­men und wohl­füh­len. Das gilt ins­be­son­de­re für Fami­li­en, inter­na­tio­na­le Gäs­te und Men­schen, die Wert auf ein welt­of­fe­nes Umfeld legen.

Wenn in über­re­gio­na­len Medi­en der Ein­druck ent­steht, ein Urlaubs­ort ste­he für eine bestimm­te poli­ti­sche Hal­tung, kann das die Ent­schei­dung poten­zi­el­ler Gäs­te beein­flus­sen – selbst wenn die Rea­li­tät vor Ort wesent­lich dif­fe­ren­zier­ter ist.

Das ist die eigent­li­che Gefahr für den Harz: Nicht unbe­dingt die sofor­ti­ge Stor­nie­rungs­wel­le, son­dern ein schlei­chen­der Image­ver­lust.

Umge­kehrt wäre auch eine poli­ti­sche Über­re­ak­ti­on gefähr­lich

Doch auch die ande­re Sei­te muss sich Kri­tik gefal­len las­sen.

Wer aus einem Wahl­er­geb­nis auto­ma­tisch ablei­tet, dass ein Urlaub in der gesam­ten Regi­on unan­ge­nehm oder gefähr­lich sei, macht es sich zu ein­fach. Die poli­ti­sche Ein­stel­lung der Bevöl­ke­rung ist nicht iden­tisch mit dem Ver­hal­ten jedes ein­zel­nen Ein­woh­ners.

Der Harz ist eine tou­ris­ti­sche Regi­on mit tau­sen­den Gast­ge­bern, Beschäf­tig­ten und Dienst­leis­tern. Sie alle pau­schal mit dem Wahl­er­geb­nis gleich­zu­set­zen, wäre eben­so falsch, wie aus ein­zel­nen Stor­nie­run­gen eine kom­plet­te Kri­se des Tou­ris­mus abzu­lei­ten.

Poli­ti­sche Kri­tik an der AfD und die Bewer­tung eines Urlaubs­or­tes sind zwei unter­schied­li­che Fra­gen.

Für Hotels geht es um mehr als Poli­tik

Für die Hotel­le­rie ist die Debat­te des­halb beson­ders hei­kel.

Ein Hote­lier kann das Wahl­er­geb­nis nicht ändern. Er kann aber zei­gen, wofür sein Haus steht: Gast­freund­schaft, Respekt und ein pro­fes­sio­nel­ler Umgang mit allen Besu­chern.

Das ist mög­li­cher­wei­se die bes­te Ant­wort auf poli­ti­sche Ver­un­si­che­rung.

Statt sich in par­tei­po­li­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen hin­ein­zie­hen zu las­sen, könn­ten Gast­ge­ber stär­ker kom­mu­ni­zie­ren, was Gäs­te tat­säch­lich erwar­tet: eine Wan­de­rung im Natio­nal­park, ein Besuch auf dem Bro­cken, Fach­werk in Wer­ni­ge­ro­de, Well­ness, Gas­tro­no­mie und Erho­lung.

Denn genau dafür buchen die meis­ten Men­schen ihren Urlaub.

Kom­men jetzt Hotel­stor­nie­run­gen im Harz?

Ja, ein­zel­ne Stor­nie­run­gen aus poli­ti­schen Grün­den sind durch­aus mög­lich – und aktu­el­le Berich­te zei­gen, dass es bereits ent­spre­chen­de Fäl­le in Sach­sen-Anhalt gibt. Eine gro­ße Stor­nie­rungs­wel­le im Harz lässt sich dar­aus aber noch nicht ablei­ten.

Die Erfah­run­gen aus ande­ren ost­deut­schen Feri­en­re­gio­nen spre­chen eben­falls eher für ein dif­fe­ren­zier­tes Bild. Nach der Bun­des­tags­wahl 2025 wur­den zwar ein­zel­ne poli­tisch begrün­de­te Stor­nie­run­gen bekannt, gleich­zei­tig berich­te­ten Unter­kunfts­ver­mitt­ler von ins­ge­samt sta­bi­len Buchun­gen und einer nur sehr klei­nen Zahl sol­cher Fäl­le.

Damit dürf­te sich auch im Harz zunächst die Fra­ge stel­len, ob aus poli­ti­scher Ver­un­si­che­rung tat­säch­lich ein mess­ba­rer Rück­gang der Nach­fra­ge wird.

Noch kei­ne Kri­se – aber ein The­ma, das die Bran­che ernst neh­men muss

Der AfD-Wahl­sieg stellt den Har­zer Tou­ris­mus vor eine kom­mu­ni­ka­ti­ve Her­aus­for­de­rung.

Eine Stor­nie­rungs­wel­le ist bis­lang nicht belegt. Ein­zel­ne Absa­gen und kri­ti­sche Nach­fra­gen sind dage­gen real. Wer dar­aus bereits den Unter­gang des Harz-Tou­ris­mus ablei­tet, über­treibt. Wer das mög­li­che Image­pro­blem kom­plett igno­riert, han­delt aller­dings eben­so fahr­läs­sig.

Für die Hotels dürf­te des­halb vor allem eines zäh­len: beob­ach­ten, Zah­len statt Schlag­zei­len bewer­ten und Gäs­ten glaub­wür­dig ver­mit­teln, dass sie im Harz will­kom­men sind.

Denn am Ende ent­schei­det nicht allein ein Wahl­er­geb­nis dar­über, ob ein Hotel­zim­mer leer bleibt.

Es ent­schei­det auch die Fra­ge, wel­ches Bild der Harz von sich selbst ver­mit­telt.

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