Nach Wochen mit Dieselloks geht es seit dem 19. August 2026 wieder mit Dampf zum Brocken. Doch die Entwarnung bei der Waldbrandgefahr im Harz ist vorläufig – und schon Ende August steht die nächste Zwangspause an.
Wernigerode/Brocken. Das vertraute Schnaufen, Pfeifen und Stampfen ist zurück: Die Harzer Schmalspurbahnen (HSB) setzen auf der Brockenbahn wieder Dampflokomotiven ein. Nachdem die Waldbrandgefahr im Harz zuletzt deutlich zurückgegangen war, kehrten die historischen Loks am Mittwoch, 19. August 2026, auf die Strecke zwischen Drei Annen Hohne und dem Brocken zurück. Damit endet vorerst eine fast einmonatige Phase, in der die Züge wegen der hohen Waldbrandgefahr ausschließlich mit Diesellokomotiven unterwegs waren.
Ganz vorbei ist die Sorge vor Waldbränden allerdings nicht. Schon der Verlauf des Sommers 2026 zeigt, wie schnell sich die Situation verändern kann: Erst Ende Juni musste der Dampfbetrieb wegen Trockenheit vorübergehend eingestellt werden. Anfang Juli konnten die Dampfloks nach einer Entspannung der Lage zurückkehren – bevor die Waldbrandgefahr im weiteren Verlauf des Monats erneut deutlich anstieg. Ab dem 23. Juli galt im Landkreis Harz die Waldbrandgefahrenstufe 4, woraufhin die HSB wieder auf Dieselbetrieb umstellten.
Brockenbahn fährt wieder mit Dampflok
Für Eisenbahnfreunde und Urlauber ist die Rückkehr der Dampfloks eine gute Nachricht. Seit dem 19. August gilt auf der Brockenstrecke wieder weitgehend der reguläre Fahrplan. Vorgesehen sind täglich acht Fahrtenpaare zum Brocken und zurück. Allerdings gab es unmittelbar zum Neustart noch Ausnahmen: Am 19. und 20. August wurden einzelne Verbindungen weiterhin mit einer Diesellokomotive gefahren.
Die Entscheidung für den Dampfbetrieb ist vor allem eine Reaktion auf die inzwischen gesunkene Waldbrandgefahr. Sie bedeutet aber keine dauerhafte Entwarnung für den Harz. Vielmehr handelt es sich um eine betriebliche Entscheidung, die an die aktuelle Gefahrenlage angepasst werden kann.
Das ist bei der Brockenbahn besonders wichtig, weil die Strecke durch hochsensibles Waldgebiet führt und der historische Dampfbetrieb eine zusätzliche potenzielle Zündquelle darstellt. Dampflokomotiven arbeiten mit Kohlefeuerung. Aus dem Schornstein können unter bestimmten Bedingungen Funken und heiße Aschepartikel austreten. Bei trockener Vegetation kann dadurch grundsätzlich ein Brandrisiko entstehen.
Warum fährt die Brockenbahn bei Waldbrandgefahr mit Diesel?
Die Umstellung auf Diesellokomotiven ist keine Stilllegung der Brockenbahn, sondern eine Sicherheitsmaßnahme.
Als im Juli die Waldbrandgefahrenstufe 4 erreicht wurde, entschieden die Harzer Schmalspurbahnen, auf dem Abschnitt zwischen Drei Annen Hohne und dem Brocken vorerst auf Dampflokomotiven zu verzichten. Die Strecke blieb für Fahrgäste geöffnet. Lediglich die Traktion änderte sich. Es galt ein angepasster Fahrplan, mit dem der Brocken weiterhin mehrmals täglich erreichbar war.
Das ist ein wichtiger Punkt: Die Waldbrandgefahr bedeutete nicht automatisch, dass die Brockenbahn überhaupt nicht mehr fuhr. Der touristische Verkehr wurde möglichst aufrechterhalten. Statt der kohlebefeuerten Dampfloks kamen Diesellokomotiven zum Einsatz.
Auf der Harzquerbahn und der Selketalbahn konnten die Dampflokomotiven währenddessen weiterhin eingesetzt werden. Die besondere Vorsicht gilt vor allem für die Brockenstrecke, die durch den Nationalpark Harz führt und deren Umgebung in der Vergangenheit mehrfach von Waldbränden betroffen war.
Waldbrandgefahr im Harz: Warum die Lage so schnell wechseln kann
Die Waldbrandgefahr ist keine feste Größe. Sie hängt unter anderem von Temperaturen, Niederschlag, Bodenfeuchte, Luftfeuchtigkeit, Wind und dem Zustand der Vegetation ab. Gerade in einem Mittelgebirge wie dem Harz können sich die Bedingungen innerhalb weniger Tage verändern.
Das zeigt der Sommer 2026 besonders deutlich.
Ende Juni war die Situation bereits so angespannt, dass die HSB vorsorglich Diesellokomotiven auf der Brockenstrecke einsetzten. Nach Regenfällen sank die Waldbrandgefahrenstufe wieder, sodass die Dampfloks Anfang Juli zurückkehren konnten.
Doch diese Entspannung hielt nicht dauerhaft an. Ab dem 23. Juli wurde im Landkreis Harz erneut Waldbrandgefahrenstufe 4 erreicht. Die HSB reagierten unmittelbar und stellten den Betrieb zwischen Drei Annen Hohne und dem Brocken erneut auf Diesel um.
Erst im August entspannte sich die Lage wieder. Nach Angaben des Landeszentrums Wald lag die Gefahr Mitte August im Landkreis Harz zunächst nur noch im mittleren Bereich. Auf dieser Grundlage konnte die HSB den Dampfbetrieb ab dem 19. August wieder aufnehmen.
Von Entwarnung sollte deshalb nur eingeschränkt gesprochen werden
Die Überschrift „Waldbrandgefahr gebannt?“ trifft die Situation besser als eine vollständige Entwarnung.
Denn die Rückkehr der Dampfloks bedeutet nicht, dass im Harz kein Waldbrandrisiko mehr besteht. Sie zeigt vielmehr, dass die Gefahrenlage derzeit niedrig genug ist, um den Dampfbetrieb wieder verantworten zu können.
Sollten die Waldbrandgefahrenstufen erneut steigen, kann sich das Bild wieder ändern. Der Sommer 2026 hat bereits gezeigt, dass innerhalb weniger Wochen mehrfach zwischen Dampf- und Dieselbetrieb gewechselt werden kann.
Die Brockenbahn und die Erfahrungen mit Waldbränden
Die besondere Vorsicht der HSB kommt nicht von ungefähr. Der Brocken und seine Umgebung haben in den vergangenen Jahren wiederholt schwere Waldbrände erlebt. Besonders die großen Brände rund um den Brocken im Jahr 2022 haben den Zusammenhang zwischen extremer Trockenheit, Vegetationszustand und der Erreichbarkeit des Gipfels durch Einsatzkräfte eindrücklich vor Augen geführt.
Nach diesen Erfahrungen wurde der Umgang mit Dampflokomotiven bei hoher Waldbrandgefahr angepasst. Bei der Waldbrandwarnstufe 4 wird individuell entschieden, ob Dampflokomotiven eingesetzt werden können. Bei der höchsten Stufe 5 ist der Dampfbetrieb auf der Brockenstrecke grundsätzlich nicht vorgesehen; dann kommen Diesellokomotiven zum Einsatz.
Dabei ist eine wichtige Differenzierung notwendig: Dass die HSB den Dampfbetrieb wegen Waldbrandgefahr einstellt, bedeutet nicht, dass eine Dampflok als konkrete Brandursache nachgewiesen wurde. Bereits bei früheren Umstellungen erklärte die HSB, dass auf der Strecke bislang kein Waldbrand als eindeutig durch eine Dampflokomotive ausgelöst nachgewiesen worden sei. Die Maßnahme ist daher vor allem eine Vorsichtsmaßnahme zur Risikominimierung.
Ein historisches Erlebnis mit einem modernen Sicherheitsproblem
Genau hier liegt das Spannungsfeld der Brockenbahn: Der historische Dampfbetrieb ist einer der wichtigsten Gründe für die enorme touristische Bedeutung der Strecke. Gleichzeitig ist eine kohlebefeuerte Dampflok technisch nicht mit einer modernen Diesellokomotive vergleichbar, wenn es um potenzielle Zündquellen geht.
Die Brockenbahn verbindet Wernigerode beziehungsweise Drei Annen Hohne mit dem 1.141 Meter hohen Brocken. Die Strecke führt über Schierke weiter bergauf durch den Harz. Der touristische Reiz entsteht dabei nicht zuletzt durch die historischen Dampflokomotiven und die spektakuläre Fahrt durch die Berglandschaft.
Gerade deshalb ist die Entscheidung der HSB nachvollziehbar: Bei hoher Waldbrandgefahr soll das touristische Angebot möglichst erhalten bleiben, ohne eine zusätzliche vermeidbare Gefahrenquelle in den Wald zu bringen.
Der Dieselbetrieb ist dabei der Kompromiss. Die Besucher kommen weiterhin auf den Brocken, müssen aber zeitweise auf das typische Dampflok-Erlebnis verzichten.
Für Besucher wichtig: Die nächste Pause steht bereits bevor
Wer jetzt kurzfristig eine Fahrt mit der Dampflok zum Brocken plant, sollte allerdings nicht nur auf die Waldbrandlage achten.
Denn ab dem 31. August bis einschließlich 18. September 2026 wird die Brockenstrecke zwischen Schierke und dem Brocken wegen umfangreicher Gleisbauarbeiten gesperrt. Die Züge fahren in diesem Zeitraum nur bis Schierke. Einen Schienenersatzverkehr zwischen Schierke und dem Brocken bietet die HSB nicht an.
Die HSB will auf dem Abschnitt Schierke–Brocken Schienen und Schwellen vollständig austauschen. Die Arbeiten sollen bei günstiger Witterung durchgeführt werden. Nach Abschluss soll die Strecke wieder einen besseren Fahrkomfort bieten.
Damit ergibt sich für Dampflok-Fans im August ein relativ kleines Zeitfenster: Die Dampfloks sind seit dem 19. August wieder unterwegs, doch ab dem 31. August endet die Fahrt zum Gipfel für mehrere Wochen bereits in Schierke.
Die Rückkehr der Dampfloks ist somit tatsächlich nur „vorerst“ möglich – allerdings nicht allein wegen der Waldbrandgefahr.
Was passiert bei einer erneuten Verschärfung der Waldbrandlage?
Sollte die Waldbrandgefahr im Harz wieder deutlich steigen, ist eine erneute Umstellung auf Diesellokomotiven wahrscheinlich. Das Verfahren hat sich in diesem Sommer bereits mehrfach bewährt.
Das Grundprinzip ist einfach:
- Niedrige beziehungsweise ausreichend entspannte Waldbrandgefahr: Dampflokomotiven können auf der Brockenstrecke eingesetzt werden.
- Hohe Waldbrandgefahr: Die HSB kann vorsorglich auf Diesellokomotiven umstellen.
- Sehr hohe beziehungsweise höchste Gefahrenlage: Der Dampfbetrieb wird aus Sicherheitsgründen nicht durchgeführt.
Die Entscheidung richtet sich dabei nach der jeweils aktuellen Gefahrenlage und kann deshalb kurzfristig geändert werden. Für Reisende bedeutet das: Wer speziell wegen der Dampflok zum Brocken fährt, sollte den aktuellen Fahrplan und die Betriebshinweise der HSB prüfen.
Brockenbahn bleibt trotz Waldbrandrisiko ein wichtiger Besuchermagnet
Die Bedeutung der Brockenbahn reicht weit über den Eisenbahnverkehr hinaus. Für den Tourismus im Harz ist die historische Schmalspurbahn ein Markenzeichen. Die Fahrt auf den Brocken gehört zu den bekanntesten touristischen Bahnreisen Deutschlands.
Die HSB betreibt ein rund 140 Kilometer langes meterspuriges Netz mit Brockenbahn, Harzquerbahn und Selketalbahn. Die Brockenbahn ist dabei die bekannteste Strecke.
Gerade deshalb hat die Frage, ob Dampflokomotiven fahren dürfen, auch eine wirtschaftliche und touristische Dimension. Für viele Besucher ist die Fahrt mit der Dampflok nicht bloß ein Transportmittel, sondern das eigentliche Erlebnis.
Der zeitweise Dieselbetrieb zeigt allerdings, dass Sicherheit Vorrang hat. Die Alternative ist nicht „Dampflok oder keine Brockenbahn“, sondern häufig „Dampflok oder Diesel“. Dadurch kann der Zugang zum Brocken auch bei erhöhter Waldbrandgefahr zumindest eingeschränkt aufrechterhalten werden.
Die Situation: Dampfloks sind zurück – aber keine dauerhafte Entwarnung
Die Dampfloks der Brockenbahn sind zurück. Seit dem 19. August 2026 fahren die historischen Maschinen wieder auf der Strecke zwischen Drei Annen Hohne und dem Brocken. Grund ist die gesunkene Waldbrandgefahr im Harz. Nach Wochen mit Diesellokomotiven kehrt damit ein Stück Eisenbahnromantik zurück.
Von einer endgültigen Entwarnung sollte jedoch nicht gesprochen werden. Der Sommer 2026 hat gezeigt, wie schnell die Waldbrandgefahr im Harz schwanken kann. Bereits Ende Juni und erneut ab Ende Juli musste die HSB den Dampfbetrieb aus Sicherheitsgründen aussetzen.
Und selbst wenn das Wetter mitspielt, steht der Brockenbahn unmittelbar die nächste Einschränkung bevor: Vom 31. August bis zum 18. September 2026 bleibt die Strecke zwischen Schierke und dem Brocken wegen Gleisbauarbeiten gesperrt.
Für Dampflok-Fans lautet die aktuelle Nachricht deshalb: Die Dampfloks schnaufen wieder auf den Brocken – aber das Zeitfenster ist begrenzt. Die Waldbrandgefahr bleibt ein entscheidender Faktor für den Betrieb, und bei einer erneuten Verschärfung kann die HSB jederzeit wieder auf Dieselbetrieb wechseln.






























