Pan­zer­gra­na­te auf Feld im Kreis Nord­hau­sen gefun­den – Trans­port­fahr­zeug bleibt ste­cken: Welt­kriegs­mu­ni­ti­on bleibt Gefahr im Harz

Auf einem Feld im Kreis Nordhausen ist eine Panzergranate aus dem 2. Weltkrieg gefunden worden
Auf einem Feld im Kreis Nordhausen ist eine Panzergranate aus dem 2. Weltkrieg gefunden worden

Ein Muni­ti­ons­fund auf einem Feld im Land­kreis Nord­hau­sen hat am Mitt­woch, 19. August 2026, einen Ein­satz des Kampf­mit­tel­räum­diens­tes aus­ge­löst. Pas­san­ten hat­ten einen ver­däch­ti­gen metal­li­schen Gegen­stand ent­deckt. Nach ers­ten Ein­schät­zun­gen der Poli­zei han­del­te es sich um eine Gra­na­te. Rund um den Fund­ort wur­de ein Sperr­kreis von 300 Metern ein­ge­rich­tet.

Der aktu­el­le Fund zeigt ein­mal mehr, dass die Hin­ter­las­sen­schaf­ten des Zwei­ten Welt­kriegs in Nord­thü­rin­gen kei­nes­wegs nur ein his­to­ri­sches The­ma sind. Noch Jahr­zehn­te nach Kriegs­en­de kön­nen auf Fel­dern, in Wäl­dern, Fluss­bet­ten und bei Bau­ar­bei­ten gefähr­li­che Kampf­mit­tel zum Vor­schein kom­men.

Pan­zer­gra­na­te auf Feld ent­deckt

Der ver­däch­ti­ge Gegen­stand wur­de auf einem Feld im Land­kreis Nord­hau­sen ent­deckt und von Pas­san­ten gemel­det. Die Poli­zei zog dar­auf­hin einen Dela­bo­rie­rungs­dienst hin­zu. Dabei han­delt es sich um Spe­zi­al­kräf­te, die für die siche­re Ber­gung, Ent­schär­fung und Besei­ti­gung von Muni­ti­on zustän­dig sind.

Die Ein­satz­kräf­te rich­te­ten einen Sperr­kreis von 300 Metern um den Fund­ort ein. Nach Anga­ben der Poli­zei gab es kei­ne Aus­wir­kun­gen auf den Stra­ßen- oder Bahn­ver­kehr.

Meh­re­re Medi­en berich­te­ten über­ein­stim­mend über den Muni­ti­ons­fund. Die Lan­des­po­li­zei­in­spek­ti­on Nord­hau­sen führt den Ein­satz vom 19. August 2026 unter dem Stich­wort „Fund­mu­ni­ti­on auf Feld gefun­den – Ein­satz für den Dela­bo­rie­rungs­dienst“.

Trans­port­fahr­zeug bleibt im Gelän­de ste­cken

Bei der Ber­gung von Kampf­mit­teln kön­nen nicht nur die Muni­ti­on selbst, son­dern auch die schwie­ri­gen Bedin­gun­gen auf land­wirt­schaft­lich genutz­ten Flä­chen zum Pro­blem wer­den. Gera­de auf auf­ge­weich­ten oder unbe­fes­tig­ten Feld­we­gen ist die Zufahrt mit schwe­rem Spe­zi­al­ge­rät nicht immer pro­blem­los mög­lich.

Hin­weis zur Ein­ord­nung: Für die Mel­dung, dass das Trans­port­fahr­zeug bei die­sem kon­kre­ten Ein­satz ste­cken geblie­ben sei, liegt der­zeit kei­ne belast­ba­re Bestä­ti­gung der Poli­zei oder des Land­krei­ses in den öffent­lich zugäng­li­chen Quel­len vor. Der bestä­tig­te Sach­stand betrifft den Fund einer mut­maß­li­chen Gra­na­te, den ein­ge­rich­te­ten 300-Meter-Sperr­kreis und den Ein­satz des Dela­bo­rie­rungs­diens­tes.

Nord­hau­sen hat Erfah­rung mit Welt­kriegs­blind­gän­gern

Der aktu­el­le Fund kommt in einer Regi­on, die beson­ders stark von den Hin­ter­las­sen­schaf­ten des Zwei­ten Welt­kriegs geprägt ist. Die Stadt Nord­hau­sen weist selbst dar­auf hin, dass Blind­gän­ger aus dem Zwei­ten Welt­krieg auch Jahr­zehn­te nach Kriegs­en­de eine erheb­li­che Gefahr dar­stel­len. Vie­le Kampf­mit­tel lie­gen wei­ter­hin unent­deckt im Boden und wer­den erst bei Bau­ar­bei­ten, Son­die­run­gen oder zufäl­li­gen Fun­den ent­deckt.

Nord­hau­sen war wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs Ziel schwe­rer alli­ier­ter Luft­an­grif­fe. Dadurch gelang­ten gro­ße Men­gen an Bom­ben und ande­rer Muni­ti­on in den Boden der Regi­on. His­to­ri­sche Auf­stel­lun­gen doku­men­tie­ren zahl­rei­che spä­te­re Fun­de und Ent­schär­fun­gen im Stadt­ge­biet. Dazu gehör­ten unter ande­rem eine 500-Pfund-Bom­be im Jahr 2008, eine Fünf-Zent­ner-Bom­be im Jahr 2010 sowie eine rund eine Ton­ne schwe­re Bom­be, die 2016 kon­trol­liert gesprengt wer­den muss­te.

Beson­ders ein­drucks­voll war der Bom­ben­fund im Novem­ber 2019: Nach dem Fund einer Fünf-Zent­ner-Spreng­bom­be muss­ten damals rund 15.000 Men­schen im Nord­häu­ser Stadt­zen­trum ihre Woh­nun­gen ver­las­sen. Es war eine der größ­ten Eva­ku­ie­rungs­maß­nah­men der Stadt seit dem Ende des Zwei­ten Welt­kriegs.

Auch im Harz taucht Welt­kriegs­mu­ni­ti­on wie­der auf

Die Gefahr beschränkt sich nicht auf dicht bebau­te Stadt­ge­bie­te. Auch im Harz und im Harz­vor­land kön­nen Jahr­zehn­te alte Kampf­mit­tel durch natür­li­che Ver­än­de­run­gen des Bodens oder durch mensch­li­che Ein­grif­fe wie­der an die Ober­flä­che gelan­gen.

Ein aktu­el­les Bei­spiel aus Nord­hau­sen zeigt, wie stark dabei auch das Wet­ter eine Rol­le spie­len kann. Erst weni­ge Tage vor dem Fund auf dem Feld war im Fluss­bett der Zor­ge eine Mör­ser­gra­na­te aus dem Zwei­ten Welt­krieg ent­deckt wor­den. Wegen des tro­cke­nen Wet­ters und des dadurch abge­senk­ten Was­ser­stan­des war der Spreng­kör­per frei­ge­legt wor­den. Poli­zei, Feu­er­wehr und Kampf­mit­tel­räum­dienst sicher­ten den Bereich und bar­gen die Gra­na­te.

Die Poli­zei beton­te dabei aus­drück­lich, dass immer wie­der Kampf­mit­tel aus den Welt­krie­gen und auch aus spä­te­ren Zei­ten gefun­den wer­den. Bei ver­däch­ti­gen Gegen­stän­den sol­len Bür­ger die Behör­den infor­mie­ren und die Muni­ti­on kei­nes­falls bewe­gen.

Gera­de im Harz kön­nen sol­che Fun­de unter beson­de­ren Bedin­gun­gen auf­tre­ten: In Fluss- und Bach­bet­ten ver­än­dern Hoch­was­ser, Tro­cken­pe­ri­oden und Ero­si­on die Ober­flä­che. In Wäl­dern kön­nen Wur­zeln, Stür­me und Erd­be­we­gun­gen alte Gegen­stän­de frei­le­gen. Auf Fel­dern kom­men zusätz­lich Pflug­ar­bei­ten und ande­re land­wirt­schaft­li­che Tätig­kei­ten hin­zu.

War­um alte Muni­ti­on noch immer gefähr­lich ist

Das Alter eines Spreng­kör­pers bedeu­tet nicht auto­ma­tisch, dass er unge­fähr­lich gewor­den ist. Bei Blind­gän­gern kön­nen Zün­der und Spreng­stoff auch nach Jahr­zehn­ten noch eine erheb­li­che Gefahr dar­stel­len. Die Stadt Nord­hau­sen warnt des­halb aus­drück­lich davor, ver­meint­lich alte Bom­ben oder ande­re Kampf­mit­tel selbst anzu­fas­sen oder zu bewe­gen.

Auch bun­des­weit wer­den wei­ter­hin regel­mä­ßig Welt­kriegs­bom­ben und ande­re Kampf­mit­tel gefun­den. Erst im August 2026 muss­ten bei­spiels­wei­se bei Neu-Ulm fünf US-Flie­ger­bom­ben aus dem Zwei­ten Welt­krieg ent­schärft wer­den. Die Bom­ben waren bei geziel­ten Son­die­rungs­ar­bei­ten ent­deckt wor­den; für die Ent­schär­fung wur­den unter ande­rem eine Bun­des­stra­ße und eine Bahn­stre­cke zeit­wei­se gesperrt.

Die Zah­len zei­gen, dass es sich kei­nes­wegs um Ein­zel­fäl­le han­delt. In Bay­ern besei­tig­te der Kampf­mit­tel­räum­dienst allein im Jahr 2025 mehr als 100 Ton­nen Kriegs­mu­ni­ti­on.

Was tun bei einem Muni­ti­ons­fund?

Wer auf einem Feld, im Wald, an einem Gewäs­ser oder bei Bau­ar­bei­ten einen ver­däch­ti­gen Gegen­stand ent­deckt, soll­te eini­ge grund­le­gen­de Regeln beach­ten:

  • Nicht anfas­sen.
  • Nicht bewe­gen oder trans­por­tie­ren.
  • Abstand hal­ten und ande­re Per­so­nen fern­hal­ten.
  • Die Fund­stel­le mög­lichst nicht wei­ter betre­ten.
  • Poli­zei oder zustän­di­ge Behör­den infor­mie­ren.
  • Den Anwei­sun­gen der Ein­satz­kräf­te fol­gen.

Gera­de bei stark ver­ros­te­ten Gegen­stän­den ist für Lai­en nicht zuver­läs­sig erkenn­bar, ob es sich tat­säch­lich um harm­lo­se Alt­me­tall­tei­le oder um gefähr­li­che Muni­ti­on han­delt.

Muni­ti­ons­fun­de blei­ben im Harz ein The­ma

Der Fund im Land­kreis Nord­hau­sen ist damit mehr als eine kur­ze Blau­licht­mel­dung. Er erin­nert dar­an, dass der Zwei­te Welt­krieg auch mehr als 80 Jah­re nach sei­nem Ende Spu­ren im Boden hin­ter­las­sen hat.

Ob auf einem Feld, in einem Wald­stück oder – wie zuletzt an der Zor­ge – in einem durch Nied­rig­was­ser frei­ge­leg­ten Fluss­bett: Welt­kriegs­mu­ni­ti­on kann auch heu­te noch unver­mit­telt auf­tau­chen.

Für den Land­kreis Nord­hau­sen und die Harz­re­gi­on bedeu­tet das, dass Kampf­mit­tel­räu­mung und Vor­sor­ge wei­ter­hin not­wen­dig blei­ben. Beson­ders bei Bau­ar­bei­ten und grö­ße­ren Erd­be­we­gun­gen sind ent­spre­chen­de Unter­su­chun­gen wich­tig. Der aktu­el­le Fund zeigt zugleich, wie ent­schei­dend es ist, ver­däch­ti­ge Gegen­stän­de nicht selbst zu unter­su­chen oder zu ber­gen, son­dern Fach­leu­te ein­zu­schal­ten.

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