An der Rappbodetalsperre erinnert seit dem 28. September eine Gedenktafel an die Zwangsarbeit während der Zeit des Nationalsozialismus. Der Talsperrenbetrieb Sachsen-Anhalt hat damit den bestehenden Informationspunkt zur Bau- und Technikgeschichte um die Jahre von 1938 bis 1945 ergänzt. Umweltminister Armin Willingmann nahm an der Einweihung teil.
Der Bau des Talsperrensystems im Harz begann 1938. Die Arbeiten wurden 1942 aufgrund des Krieges weitgehend eingestellt und 1952 wieder aufgenommen. Während der ersten Bauphase mussten auch zwangsdeportierte Männer schwere körperliche Arbeit leisten, darunter viele Juden. Sie waren an verschiedenen Orten eingesetzt und in mehreren Lagern untergebracht. Das Lager Wendefurth II am sogenannten Kohlenberg war beispielsweise mit Stacheldraht gesichert.
Wie viele Menschen insgesamt zur Zwangsarbeit herangezogen wurden, lässt sich nach Angaben des Umweltministeriums heute nicht mehr verlässlich feststellen. Fest steht demnach, dass viele Menschen während ihres Einsatzes ums Leben kamen.
Verein arbeitet Geschichte auf
Grundlage für die neue Gedenktafel sind Recherchen des Vereins Spurensuche Harzregion. An der historischen Aufarbeitung beteiligte sich mit Stephan Gistrichovsky auch der Enkel eines ehemaligen Zwangsarbeiters.
Umweltminister Armin Willingmann betonte bei der Einweihung, dass neben der technischen Geschichte der Talsperre auch an die Menschen erinnert werden müsse, die an ihrer Entstehung beteiligt waren. Dazu gehörten die während des Nationalsozialismus entrechteten und verfolgten Zwangsarbeiter. Die Erinnerung an sie bezeichnete der Minister als menschliche und historische Verantwortung.
Deutschlands höchste Staumauer
Die Rappbodetalsperre wurde 1959 in Betrieb genommen. Ihre Staumauer ist 106 Meter hoch und 415 Meter lang und damit nach Angaben des Landes die höchste in Deutschland.
Die Talsperre kann 109 Millionen Kubikmeter Wasser speichern und gilt als größte Trinkwassertalsperre Deutschlands. Aus dem knapp vier Quadratkilometer großen Stausee werden jährlich rund 47 Millionen Kubikmeter Trinkwasser für etwa 1,2 Millionen Menschen im mitteldeutschen Raum gewonnen.
Neben der Trinkwasserversorgung erfüllt die Anlage wichtige Aufgaben beim Hochwasserschutz und bei der Stromerzeugung. Zugleich ist die Rappbodetalsperre mit ihren touristischen Angeboten ein beliebtes Ausflugsziel im Harz. Seit 1999 ist der Talsperrenbetrieb Sachsen-Anhalt für Betrieb und Unterhaltung der Anlage verantwortlich.





























