Ein neuer Forschungsband widmet sich der Geschichte und Bedeutung des Harzer Eisenkunstgusses im 19. Jahrhundert. Die Herausgeber Christian Juranek und Hans-Heinrich Hillegeist stellten das Ergebnis ihrer zehnjährigen Arbeit in der Königshütte Bad Lauterberg vor.
Das 19. Jahrhundert gilt als das Eiserne Jahrhundert. Eisen prägte nicht nur große Bauwerke und technische Entwicklungen, sondern fand auch Eingang in nahezu alle Bereiche des Alltags. Aus dem Material entstanden unter anderem Briefbeschwerer, Teller, Schmuckstücke und Nachbildungen antiker Plastiken.
Der neue Band richtet den Blick auf den Harz, der sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem bedeutenden Zentrum des Eisenkunstgusses entwickelte. Rund 40 Prozent der deutschen Kunstgussproduktion sollen damals aus Harzer Hütten gekommen sein.
Königshütte als wichtiger Produktionsstandort
Zu den bedeutendsten Standorten gehörten die Königliche Eisengießerei auf der Königshütte bei Bad Lauterberg, die anhaltische Hütte Mägdesprung im Selketal und die Hütte in Ilsenburg. Weitere Produktionsstätten befanden sich unter anderem in Zorge, Harzgerode, Wernigerode, Bornum und Rübeland.
Die Königshütte zählt zu den wenigen erhaltenen Anlagen, die noch heute einen weitgehend authentischen Eindruck ihrer früheren Nutzung vermitteln. Mehrere Beiträge von Hans-Heinrich Hillegeist befassen sich mit Umfang und Qualität der dortigen Eisenkunstgussproduktion. Erstmals wird dabei auch ein vollständiger Verkaufskatalog veröffentlicht.
Gerhard Seib untersucht in einem weiteren Beitrag die Verwendung von Eisenguss auf Friedhöfen. Zeugnisse aus Harzer Hütten finden sich demnach im gesamten Harzgebiet und weit darüber hinaus.
Wissenstransfer und kopierte Vorlagen
Mehrere Aufsätze beschäftigen sich mit der Entwicklung einzelner Hütten und dem Austausch von Wissen und Gestaltungsideen. Karin Kettner stellt die Modelleure der Ilsenburger Hütte vor, während Matthias Reichmann die Geschichte der Mägdesprunger Manufaktur im 20. Jahrhundert untersucht.
Gabriele Oswald befasst sich mit der Herkunft und Weitergabe von Bildmotiven. Julia Witt zeigt, wie Fachwissen aus Berlin in die Harzgeröder Eisengussproduktion gelangte.
Die Harzer Hütten erreichten ihre Blüte vergleichsweise spät. Während der Eisenkunstguss in Berlin, Schlesien, der Niederlausitz und im Rheinland bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts besonders erfolgreich war, entwickelte sich die Produktion im Harz vor allem in der zweiten Jahrhunderthälfte.
Dabei wurden Vorlagen anderer Hersteller häufig übernommen. Produkte preußischer Gießereien wurden gekauft und anschließend in Harzer Betrieben nachgebildet. Die Herausgeber sehen darin ein Beispiel für die damalige Verbreitung technischer und gestalterischer Kenntnisse.
Zehn Jahre bis zur Veröffentlichung
Die Fertigstellung des Bandes dauerte rund zehn Jahre. Gründe waren unter anderem die Suche nach einer Finanzierung, neue Forschungsfragen und zusätzliche Beiträge. Auch persönliche Umstände bei Autoren und Herausgebern verzögerten die Veröffentlichung.
Das Buch umfasst 231 Seiten und zahlreiche Fachbeiträge zur Geschichte des Eisenkunstgusses, zu einzelnen Hütten, Motiven, Friedhofskultur und kunsthandwerklicher Ausbildung.
Der Band ist für 25 Euro im Südharzer Eisenhüttenmuseum auf der Königshütte, im Buchhandel und beim Lukas-Verlag erhältlich.
Foto: Harz-Verein für Geschichte und Altertumskunde































