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Kita-Kin­der ent­de­cken die Geschich­te der Emers­le­be­ner Fürs­ten­grä­ber

Wie leb­ten die Men­schen vor rund 1.700 Jah­ren, und wel­che Gegen­stän­de beglei­te­ten sie auf ihrer letz­ten Rei­se? Mit die­sen Fra­gen beschäf­ti­gen sich die Kin­der der Kita Stor­chen­kin­der in Emers­le­ben. Gemein­sam mit der Archäo­lo­gi­schen Samm­lung des Städ­ti­schen Muse­ums Hal­ber­stadt erkun­den sie die Geschich­te der bedeu­ten­den Fürs­ten­grä­ber ihres Hei­mat­or­tes.

Das Pro­jekt soll bei den Drei- bis Sechs­jäh­ri­gen früh­zei­tig Inter­es­se an regio­na­ler Geschich­te wecken. Zugleich möch­te das Muse­um Kin­der und ihre Fami­li­en für die kul­tu­rel­len Schät­ze der Regi­on und die Muse­ums­ar­beit begeis­tern.

Beglei­tet wird das Pro­jekt von der Archäo­lo­gin Frau Kok­les, die die Archäo­lo­gi­sche Samm­lung des Städ­ti­schen Muse­ums Hal­ber­stadt betreut. Zu ihren Auf­ga­ben gehö­ren die Pfle­ge und wis­sen­schaft­li­che Bear­bei­tung der mehr als 300.000 Objek­te umfas­sen­den Samm­lung sowie die Bil­dungs- und Ver­mitt­lungs­ar­beit.

Unter­stützt wird sie von der Lei­te­rin der Kita, Frau Kric­kow, und den betei­lig­ten Erzie­he­rin­nen. Sie berei­ten die ein­zel­nen Pro­jekt­ta­ge alters­ge­recht vor und grei­fen die Fra­gen und Über­le­gun­gen der Kin­der auf.

Gold­schatz in der Sand­kis­te

Der ers­te Pro­jekt­tag fand im Juni statt. Zunächst näher­ten sich die zehn teil­neh­men­den Kin­der spie­le­risch dem The­ma Muse­um. Nur zwei von ihnen hat­ten zuvor bereits ein Muse­um besucht. Gemein­sam über­leg­ten sie, was dort aus­ge­stellt wird und wie archäo­lo­gi­sche Fun­de in eine Samm­lung gelan­gen.

Anschlie­ßend erklär­te Frau Kok­les, wie Archäo­lo­gin­nen und Archäo­lo­gen arbei­ten und war­um Gold­fun­de eine beson­de­re Bedeu­tung haben. Dabei erfuh­ren die Kin­der, dass 1941 in Emers­le­ben bedeu­ten­de Grä­ber aus der zwei­ten Hälf­te des 3. Jahr­hun­derts nach Chris­tus ent­deckt wur­den.

Danach konn­ten sie selbst aktiv wer­den. In einer Sand­kis­te such­ten die Kin­der nach vor­be­rei­te­ten Fund­tü­ten und bar­gen einen nach­ge­bil­de­ten Emers­le­be­ner Gold­schatz. Dabei lern­ten sie, dass bei Aus­gra­bun­gen häu­fig nur ein­zel­ne Frag­men­te gefun­den wer­den, die spä­ter zusam­men­ge­setzt und wis­sen­schaft­lich unter­sucht wer­den müs­sen.

Aus gol­de­nem Pfei­fen­draht fer­tig­ten die Kin­der anschlie­ßend eige­ne Spi­ral­arm­rin­ge nach dem Vor­bild eines his­to­ri­schen Fürs­ten­arm­rings an. Die Aus­gra­bung hin­ter­ließ Ein­druck: Ein Jun­ge kün­dig­te an, zu Hau­se als Ers­tes den gesam­ten Gar­ten umgra­ben zu wol­len.

Vor­stel­lun­gen von der letz­ten Rei­se

Beim zwei­ten Pro­jekt­tag ging es um die Men­schen hin­ter den Fun­den und ihre Vor­stel­lun­gen vom Leben nach dem Tod. Die Kin­der erfuh­ren, dass Ver­stor­be­ne nach dama­li­gem Glau­ben eine Rei­se in eine ande­re Welt antra­ten und dafür einen Fluss über­que­ren muss­ten. Mün­zen im Mund oder auf den Augen soll­ten die Über­fahrt mit einem Fähr­mann bezah­len.

Gemein­sam über­leg­ten die Kin­der, was sie selbst auf eine lan­ge Rei­se mit­neh­men wür­den. Genannt wur­den Essen, Geträn­ke und Spie­le. Auf die­se Wei­se wur­de ver­ständ­lich, war­um den Ver­stor­be­nen Gefä­ße, Lebens­mit­tel und per­sön­li­che Gegen­stän­de mit ins Grab gege­ben wur­den.

Zu den Bei­ga­ben der Emers­le­be­ner Fürs­ten gehör­ten auch Waf­fen sowie Gegen­stän­de aus Gold und Sil­ber. Die­se stan­den nicht nur für Reich­tum, son­dern auch für den hohen gesell­schaft­li­chen Rang der Ver­stor­be­nen.

Beson­de­res Inter­es­se weck­ten Käm­me, Pin­zet­ten und wei­te­re All­tags­ge­gen­stän­de. Ein Kind erklär­te, der Fürst habe die­se Din­ge gebraucht, damit er auf sei­ner Rei­se gut gepflegt aus­se­he.

Auch die Her­stel­lung von Stof­fen und Klei­dung wur­de the­ma­ti­siert. Anschlie­ßend gestal­te­ten die Kin­der ihre eige­ne Vor­stel­lung vom Emers­le­be­ner Fürs­ten. Mar­cel Stein­born schlüpf­te dafür in ein his­to­risch ange­lehn­tes Kos­tüm und dien­te als leben­di­ge Vor­la­ge.

Beim Betrach­ten von Dar­stel­lun­gen der Grä­ber ver­glich ein Kind die Grab­kam­mer mit einer Woh­nung. Ein ande­res stell­te fest, der Fürst sehe aus, als wür­de er schla­fen.

Kin­der­bil­der wer­den bei Fach­ta­gung gezeigt

Die ent­stan­de­nen Kunst­wer­ke sol­len bei einer wis­sen­schaft­li­chen Fach­ta­gung des Städ­ti­schen Muse­ums Hal­ber­stadt prä­sen­tiert wer­den. Anlass ist der 85. Jah­res­tag der Ent­de­ckung der Emers­le­be­ner Fürs­ten­grä­ber.

Unter dem Titel Reich und schön? Die Fürs­ten­grä­ber der jün­ge­ren Römi­schen Kai­ser­zeit aus Emers­le­ben kom­men am 28. und 29. August 2026 Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler in Hal­ber­stadt zusam­men. Sie wol­len die Fun­de neu bewer­ten und in den Zusam­men­hang euro­päi­scher Prunk­grä­ber der Römi­schen Kai­ser­zeit ein­ord­nen.

Außer­dem sol­len aktu­el­le For­schungs­er­geb­nis­se zu Gesell­schaft, Bestat­tungs­sit­ten, Mobi­li­tät und Han­del vor­ge­stellt wer­den. Die Kin­der der Kita Stor­chen­kin­der tra­gen mit ihren Bil­dern und ihrer Beschäf­ti­gung mit der Geschich­te des Ortes auf ihre eige­ne Wei­se dazu bei.

Foto: Stadt Hal­ber­stadt / Jean­nette Schroe­der

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