Der Harz ist längst nicht mehr nur für Hexensagen und unberührte Natur bekannt. In Clausthal-Zellerfeld schreibt eine Edelmanufaktur derzeit Technik- und Musikgeschichte. Marleaux BassGuitars wurde im März 2026 auf der Internationalen Handwerksmesse in München mit dem renommierten Bayerischen Staatspreis ausgezeichnet. Die Ehrung würdigt eine Weltneuheit, die in enger Zusammenarbeit mit der TU Clausthal entstanden ist: den „Spock“ Bass.
Revolution im Instrumentenbau: Der „Spock“ Bass
Was macht eine Bassgitarre aus dem Oberharz so besonders, dass sie in Bayern höchste Anerkennung erhält? Die Antwort liegt in der gelungenen Verbindung von traditionellem Handwerk und moderner Materialforschung.
Gemeinsam mit dem Institut für Polymerwerkstoffe und Kunststofftechnik der TU Clausthal entwickelte Gerald Marleaux ein Instrument, das nahezu vollständig ohne Tropenholz auskommt. Stattdessen setzt das Team auf innovative Naturfaser-Verbundwerkstoffe, die sowohl ökologisch als auch technisch überzeugen.
Der „Spock“ Bass steht für Nachhaltigkeit durch den Einsatz nachwachsender Rohstoffe wie Hanf- oder Flachsfasern. Gleichzeitig sorgt ein spezielles Vakuum-Infusionsverfahren, der sogenannte VARI-Prozess, für ein besonders leichtes Instrument, das dennoch stabil bleibt.
Auch gestalterisch eröffnet die neue Bauweise ungewöhnliche Möglichkeiten: Selbst recycelte Textilien wie alte T‑Shirts können in das Material integriert werden und machen jedes Instrument zu einem einzigartigen Unikat. Trotz dieser unkonventionellen Materialien bleibt die Klangqualität auf höchstem Niveau und liefert die resonante Tiefe und Brillanz, für die Marleaux weltweit geschätzt wird.
Technologietransfer: Wenn Wissenschaft auf Musik trifft
Der Gewinn des Bayerischen Staatspreises 2026 ist nicht der erste Erfolg für das Projekt. Bereits im Jahr 2025 wurde das Team mit dem IHK-Technologietransferpreis ausgezeichnet. Diese Erfolge unterstreichen die Bedeutung von Clausthal-Zellerfeld als Ort, an dem Innovationen entstehen.
Die enge Zusammenarbeit zwischen universitärer Forschung und handwerklicher Praxis spielt dabei eine entscheidende Rolle. Sie ermöglicht Lösungen, die in dieser Form allein kaum realisierbar wären. Für Gerald Marleaux, der seit über drei Jahrzehnten Instrumente auf höchstem Niveau fertigt, ist die Auszeichnung eine klare Bestätigung seiner Vision eines nachhaltigen Instrumentenbaus.
Bedeutung des Preises für den Harz
Der Bayerische Staatspreis gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen für technologische Innovationen im Handwerk. Dass er nach Niedersachsen und speziell in den Harz verliehen wird, hat eine besondere Signalwirkung.
Clausthal-Zellerfeld zeigt damit, dass der Standort weit über seine bergbauliche Vergangenheit hinaus Bedeutung besitzt. Gleichzeitig setzt der konsequente Verzicht auf gefährdete Edelhölzer neue Maßstäbe in der Branche und stärkt die ökologische Vorreiterrolle der Region. Die Auszeichnung lenkt zudem die Aufmerksamkeit internationaler Profimusiker auf die Innovationskraft „Made in Harz“.
Mit dem Gewinn des Bayerischen Staatspreises 2026 beweist Marleaux BassGuitars eindrucksvoll, dass Tradition und Hightech kein Widerspruch sind. Der „Spock“ Bass aus Clausthal-Zellerfeld steht exemplarisch dafür, wie aus regionaler Zusammenarbeit globale Innovationen entstehen können und wie nachhaltige Ansätze die Zukunft des Instrumentenbaus prägen.
Interaktiver Einblick in die Werkstatt für Interessierte
Ein begleitendes Video gewährt einen faszinierenden Blick hinter die Kulissen der Werkstatt in Clausthal-Zellerfeld und zeigt, wie Gerald Marleaux handwerkliches Können mit regionalen Ressourcen und modernen Technologien verbindet.






























