Mehr als 70 Fachleute und Interessierte aus Landwirtschaft, Naturschutz, Wissenschaft, Politik und Tourismus kamen am 24. September 2024 zum 16. Südharzsymposium im Kurhaus Bad Sachsa zusammen. Unter dem Motto „Faszination Gipskarst: Vielfalt erleben, Natur schützen, Landwirtschaft gestalten“ diskutierten die Teilnehmer über den Erhalt der einzigartigen Gipskarstlandschaft, nachhaltige Landnutzung und die Entwicklungsmöglichkeiten der Region.
Veranstaltet wurde das Symposium vom Landschaftspflegeverband Landkreis Göttingen (LPV), der seit November 2023 das Hotspot-Projekt „Naturschatz Gipskarstlandschaft Südharz – Weidelandverbund und Biodiversität erleben“ umsetzt. Gemeinsam mit regionalen Partnern verfolgt der Verband das Ziel, ökologisch wertvolle Grünland- und Offenlandflächen zu erhalten und weiterzuentwickeln. Gleichzeitig soll das Bewusstsein für die Bedeutung einer nachhaltigen landwirtschaftlichen Nutzung gestärkt werden.
Die Südharzer Gipskarstlandschaft gehört zu den besonderen Naturräumen Mitteleuropas. Als Teil des Hotspots der biologischen Vielfalt „Südharzer Zechsteingürtel, Kyffhäuser und Hainleite“ zählt die Region zu den 30 artenreichsten Gebieten Deutschlands.
Traditionsreiche Veranstaltungsreihe seit 1997
Das Südharzsymposium wurde 1997 vom Verein Deutsches Gipsmuseum und Karstwanderweg ins Leben gerufen. Ursprünglich standen geowissenschaftliche und ökologische Forschungsfragen im Mittelpunkt. Im Laufe der Jahre kamen Themen wie nachhaltige Landwirtschaft, regionale Identität und naturverträglicher Tourismus hinzu.
Auch die 16. Auflage verband unterschiedliche Perspektiven auf die Entwicklung des Südharzes. Zum Auftakt begrüßten die Erste Kreisrätin Doreen Fragel, Bad Sachsas Bürgermeister Daniel Quade und der Geologe Firouz Vladi vom Verein Deutsches Gipsmuseum und Karstwanderweg die Teilnehmer.
Doreen Fragel betonte die gemeinsame Verantwortung der regionalen Akteure für den Schutz und die nachhaltige Entwicklung der Gipskarstlandschaft.
Fachvorträge beleuchten Artenvielfalt und Weidelandschaften
Im Mittelpunkt des Symposiums standen wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Ansätze zum Erhalt der besonderen Kulturlandschaft.
Bärbel Vogel, Vorsitzende des Deutschen Verbandes für Höhlen- und Karstforschung, und der Geologe Dr. Friedhart Knolle erläuterten die internationale Bedeutung der Südharzer Gipskarstlandschaft. Ihre Beiträge verdeutlichten den besonderen Wert der Region und lieferten Anregungen für künftige Schutz- und Entwicklungsmaßnahmen.
Der Biologe Dr. Florian Goedecke von der Georg-August-Universität Göttingen widmete sich unter dem Titel „Überraschender Zechstein“ den geologischen und ökologischen Besonderheiten, die den Gipskarst zu einem wertvollen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten machen.
Edgar Reisinger von Taurus Consult und Taurus Naturentwicklung aus Jena beschäftigte sich mit der Frage, welche Chancen eine Wiederbelebung großflächiger Weidelandschaften für Landwirtschaft und Naturschutz bieten könnte. Sein Beitrag zur möglichen „Renaissance der Wilden Weiden“ regte eine kontroverse Diskussion an.
Nachhaltige Landwirtschaft und Naturtourismus im Mittelpunkt
Im zweiten Veranstaltungsteil vertieften die Teilnehmer die Themen in zwei parallelen Arbeitsbereichen.
Ein Schwerpunkt lag auf der Verbindung von Artenvielfalt, Naturtourismus und Umweltbildung. Diskutiert wurde, wie sich die Besonderheiten der Gipskarstlandschaft für Besucher erlebbar machen lassen, ohne die empfindlichen Lebensräume zu beeinträchtigen.
Der zweite Themenbereich befasste sich mit Weidetierhaltung, extensiver Grünlandbewirtschaftung und dem Biotopverbund. Dabei standen sowohl ökologische Anforderungen als auch wirtschaftliche Herausforderungen landwirtschaftlicher Betriebe im Mittelpunkt.
Die Diskussionen zeigten, dass Naturschutz, Landwirtschaft und Tourismus bei der zukünftigen Entwicklung der Region eng miteinander verbunden sind.
Großes Interesse an gemeinsamer Entwicklung des Südharzes
André Kuklik vom Landschaftspflegeverband Landkreis Göttingen zog angesichts der Beteiligung von mehr als 70 Menschen aus unterschiedlichen Fachbereichen eine positive Bilanz.
Der intensive Austausch habe das große Interesse an der Gipskarstlandschaft und das Engagement für ihren Erhalt deutlich gemacht. Das Hotspot-Projekt solle dazu beitragen, den besonderen Naturraum langfristig zu schützen und zugleich Perspektiven für eine nachhaltige Nutzung zu entwickeln.
Der Landschaftspflegeverband möchte die Zusammenarbeit mit regionalen Akteuren fortsetzen, wertvolle Offenlandlebensräume weiterentwickeln und die Bedeutung der Gipskarstlandschaft einer breiten Öffentlichkeit vermitteln.
Die Vorträge des 16. Südharzsymposiums sind auf der Internetseite des Hotspot-Projekts abrufbar.
Förderung durch Bund und Land
Das Projekt „Naturschatz Gipskarst“ wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert.
Weitere Unterstützung leisten das Niedersächsische Umweltministerium, der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, der Landkreis Göttingen sowie die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung.





























