Gesundheit ist für viele Menschen ein abstraktes Ziel: Man weiß, was eigentlich gut wäre, doch im hektischen Alltag bleibt es oft bei guten Vorsätzen. Genau hier setzt die Arbeit von Jan Krause an. Als Gesundheitscoach der AOK Sachsen-Anhalt begleitet er Unternehmen im Harz beim Betrieblichen Gesundheitsmanagement und unterstützt Führungskräfte sowie Mitarbeitende dabei, gesündere Strukturen und Gewohnheiten zu entwickeln. Seine Seminare sind keine trockenen Vorträge, sondern lebendige Gespräche über Bewegung, Motivation und die Frage, wie Gesundheit im Arbeitsalltag tatsächlich funktionieren kann. Im Gespräch mit Harz-News berichtet er über seinen Weg in den Beruf, über typische Denkfehler rund um Gesundheit und darüber, warum manchmal sogar der innere Schweinehund einen festen Platz im Team haben darf.
Vom Umweg zur Berufung
Harz-News: Herr Krause, nehmen Sie uns einmal mit auf Ihre persönliche Reise: Wie wird man eigentlich Gesundheitscoach bei der AOK? War das ein geradliniger Weg oder eher ein Fitnessparcours mit einigen Hindernissen?
Jan Krause: Wenn ich ehrlich bin, war es eher ein Fitnessparcours. Ich hatte eine ziemlich lange Findungsphase und habe mich immer wieder gefragt, wo meine Interessen und Fähigkeiten wirklich zusammenpassen. Schon früh hat mich fasziniert, warum bestimmte Dinge im Körper funktionieren und andere nicht. Besonders spannend fand ich immer die Frage, warum Bewegungen effizient sind oder warum bestimmte Trainingsmethoden wirken.
Im Studium habe ich mich intensiv mit solchen Themen beschäftigt. Da ging es zum Beispiel um Biomechanik, Trainingswissenschaft oder die Frage, wie der menschliche Körper auf Belastung reagiert. Plötzlich versteht man Dinge, die man vorher nur intuitiv wahrgenommen hat. Warum fliegt ein Speer weiter, wenn der Abwurfwinkel stimmt? Warum reagiert der Körper auf bestimmte Trainingsreize besonders effektiv? Diese wissenschaftliche Perspektive hat mir eine völlig neue Sicht auf Bewegung und Gesundheit gegeben.
Gleichzeitig hatte ich großes Glück mit meinen Professoren. Einige von ihnen haben uns nicht nur Theorie vermittelt, sondern uns wirklich gezeigt, wie Wissenschaft funktioniert. Wir haben gelernt, Studien zu lesen, Ergebnisse kritisch zu hinterfragen und zu prüfen, ob eine Methode tatsächlich wirkt oder nur gut klingt. Diese Fähigkeit, Dinge zu analysieren und zu hinterfragen, hilft mir heute noch jeden Tag in meiner Arbeit.
Irgendwann bin ich dann auf eine Stellenausschreibung der AOK Sachsen-Anhalt gestoßen. Gesucht wurde ein Gesundheitscoach für die Region Harz. Als ich das gelesen habe, hatte ich sofort das Gefühl: Das passt. Hier konnte ich mein wissenschaftliches Wissen mit praktischer Arbeit verbinden und gleichzeitig mit Menschen arbeiten.
Heute betreue ich Unternehmen im gesamten Harz und unterstütze sie dabei, Gesundheitsstrukturen im Betrieb aufzubauen. Rückblickend kann ich sagen, dass ich diese Entscheidung nie bereut habe. Die Arbeit macht unglaublich viel Spaß, weil ich sehr viel gestalten kann und jeden Tag mit unterschiedlichen Menschen und Unternehmen zu tun habe.
Wenn plötzlich der Aha-Moment kommt
Harz-News: Sie unterstützen Unternehmen im Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Welche „Aha-Momente“ erleben Mitarbeitende oder Führungskräfte in Ihren Seminaren besonders häufig?
Jan Krause: Ein sehr typischer Moment entsteht, wenn Menschen erkennen, dass sie selbst Einfluss auf ihre Gesundheit haben. Viele kommen in ein Seminar mit der Erwartung, dass jemand von außen eine Lösung präsentiert und danach alles besser wird. Aber Gesundheit funktioniert nicht so.
Ich vergleiche meine Rolle deshalb gerne mit der eines Bergführers. Ich kenne das Gebirge, ich kenne mögliche Wege zum Gipfel und kann sagen, wo Schwierigkeiten auftreten könnten. Ich kann auch erzählen, wie andere Teams den Aufstieg geschafft haben. Aber den Rucksack tragen und den Berg hochgehen müssen die Menschen selbst.
Wenn dieser Gedanke im Seminar ankommt, entsteht oft ein spannender Moment. Teams beginnen dann plötzlich anders zu denken. Sie merken: Wir haben Ressourcen, wir können Dinge verändern, wir können gemeinsam neue Wege ausprobieren. Dann stehen sie sozusagen auf ihrem ersten kleinen Gipfel und sehen plötzlich das gesamte Gebirge vor sich.
Diese Entwicklung zu begleiten ist für mich immer wieder faszinierend. Man merkt förmlich, wie sich Perspektiven verändern.
Warum Wissen allein nicht reicht
Harz-News: Viele Menschen wissen eigentlich, was gesund wäre – sie tun es aber trotzdem nicht. Woran liegt das Ihrer Erfahrung nach?
Jan Krause: Ein ganz zentraler Punkt sind Gewohnheiten. Wir Menschen funktionieren zu einem großen Teil im Autopilot-Modus. Viele Verhaltensweisen entstehen über Jahre hinweg und sind tief in unserem Alltag verankert. Das betrifft Ernährung genauso wie Bewegung oder Stressverhalten.
Natürlich wissen wir alle, dass zu viel Zucker oder Alkohol nicht gut für uns ist. Aber Wissen allein verändert noch kein Verhalten. Verhaltensänderung ist tatsächlich so etwas wie die Champions League der Gesundheitsförderung.
Außerdem spielt das Umfeld eine enorme Rolle. Kann ich mich überhaupt gesund verhalten? Habe ich im Arbeitsalltag Zeit für Bewegung oder Pausen? Unterstützt mein Arbeitgeber gesundes Verhalten oder erschwert er es vielleicht sogar?
Gesundheit entsteht immer aus dem Zusammenspiel von Verhalten und Verhältnis. Das bedeutet: Der einzelne Mensch muss etwas verändern, aber auch das System um ihn herum muss gesundheitsförderlich gestaltet sein. Die einzelnen Faktoren, die für so eine positive Veränderung notwendig sind, kann man messbar machen. Erst dann fängt betriebliches Gesundheitsmanagement richtig an. Welchen Bedarf haben die Beschäftigten? Sind unsere Maßnahmen wirksam? Nur was ich messe, kann ich auch managen.
Mir ist es wichtig, dass es auch um die Messbarkeit von Erfolgen geht, um eine datengestützte Erfolgsüberprüfung. Alle Unternehmen sind an ihren Zahlen interessiert und nachweislich ist erfolgreiches BGM ein großer wirtschaftlicher Hebel um langfristig erfolgreich zu bleiben.
Die versteckten Gesundheitsfallen im Arbeitsalltag
Harz-News: Wenn Sie in Betriebe kommen – welche Gesundheitsfallen begegnen Ihnen besonders häufig?
Jan Krause: Ein Klassiker ist tatsächlich langes Sitzen. Viele Menschen unterschätzen, wie stark sich das auf den Körper auswirkt. Gleichzeitig geht es aber nicht nur um Bewegung, sondern auch um Unternehmenskultur.
Ein wichtiger Punkt ist zum Beispiel Kommunikation. Können Mitarbeitende offen sagen, wenn es ihnen gesundheitlich nicht gut geht? Oder wird über solche Themen eher geschwiegen?
Körperliche Beschwerden erkennt man relativ schnell. Wenn jemand Rückenschmerzen hat oder sich schlecht bewegen kann, fällt das auf. Mentale Belastungen dagegen sieht man deutlich weniger. Deshalb ist es wichtig, dass Führungskräfte sensibel für solche Themen sind und eine offene Gesprächskultur schaffen.
Der Gesundheits-Zauberstab für Unternehmen
Harz-News: Angenommen, Sie hätten einen Gesundheits-Zauberstab für Unternehmen – welche drei Dinge würden Sie sofort verändern?
Jan Krause: Das Erste wären gesundheitskompetente Führungskräfte. Studien zeigen ganz klar, dass Teams deutlich besser funktionieren, wenn Führungskräfte ein Bewusstsein für Gesundheit haben. Fehlzeiten sind geringer und die Mitarbeitenden fühlen sich stärker unterstützt.
Der zweite Punkt wäre die Gestaltung der Arbeitsbedingungen. Es reicht nicht zu sagen: „Bewegt euch mehr.“ Die Strukturen im Unternehmen müssen gesundes Verhalten auch ermöglichen.
Und der dritte Punkt wäre ein stärkeres Bewusstsein für Ressourcen. Jeder Mensch hat einen Akku, der sich im Laufe des Tages auflädt oder entlädt. Wenn Führungskräfte verstehen, was ihre Mitarbeitenden stärkt und was sie belastet, können sie Teams viel besser begleiten.
Zwischen Disziplin und innerem Schweinehund
Harz-News: Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Was tun Sie selbst, um gesund und ausgeglichen zu bleiben?
Jan Krause: Ich versuche, regelmäßig Sport zu machen. Zweimal pro Woche gehe ich ins Fitnessstudio und mache ein Ganzkörpertraining. Außerdem spiele ich einmal pro Woche Volleyball und versuche zusätzlich noch eine Cardioeinheit einzubauen. Insgesamt komme ich so auf etwa fünf bis sechs Stunden Bewegung pro Woche.
Auch beim Thema Ernährung achte ich darauf, möglichst oft selbst zu kochen. Gleichzeitig versuche ich, nicht zu dogmatisch zu sein. Für mich ist wichtig, auf den eigenen Körper zu hören. Dinge, die mir gut tun, mache ich häufiger. Dinge, die mir nicht gut tun, lasse ich konsequent weg.
Und natürlich gibt es auch Tage, an denen der innere Schweinehund gewinnt. Dann sitze ich vielleicht mit Freunden zusammen, spiele am Computer und esse eine Tafel Schokolade. Das gehört dazu. Der innere Schweinehund ist schließlich auch Teil unseres inneren Teams – und manchmal darf er eben auch seinen Tag haben.
Jan Krause
Berater Betriebliches Gesundheitsmanagement
AOK Sachsen-Anhalt – Die Gesundheitskasse.
Fachbereich Gesundheitsmanagement
📞Tel: 0391 287840706
📱Mobil: 01520 1641580
✉️Email: jan.krause@san.aok.de
🌐Website: deine-gesundheitswelt.de

































