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Gei­gen­bau­meis­ter Mat­thi­as Vor­brodt aus Wer­ni­ge­ro­de – Hand­werk mit Tra­di­ti­on und moder­ner Aus­rich­tung

Harz.News/ron Gei­gen­bau­er gehö­ren zu den sel­te­nen Hand­werks­be­ru­fen. In ganz Deutsch­land gibt es schät­zungs­wei­se nur rund 300 selbst­stän­di­ge Gei­gen­bau­er. Einer von ihnen arbei­tet in Wer­ni­ge­ro­de: Gei­gen­bau­meis­ter Mat­thi­as Vor­brodt. Seit 1995 führt er dort sei­ne eige­ne Werk­statt und hat sich vor allem auf Repa­ra­tu­ren, Ser­vice und die Ver­mie­tung von Streich­in­stru­men­ten spe­zia­li­siert.

Der Weg in die­sen Beruf begann für ihn eher zufäl­lig. Eigent­lich woll­te er als Kind Flö­te ler­nen. „Man hat dort gesagt: Nee, du lernst Gei­ge“, erin­nert er sich. Schnell zeig­te sich, dass ihm das Instru­ment lag. Wäh­rend sei­ner Schul­zeit kam schließ­lich die Idee auf, den Beruf des Gei­gen­bau­ers zu erler­nen. In der DDR gab es in der Regi­on nur weni­ge Fach­leu­te für Repa­ra­tu­ren, vie­le Instru­men­te muss­ten bis nach Wei­mar gebracht wer­den. Der Bedarf war also vor­han­den.

Aus­bil­dung im Zen­trum des deut­schen Instru­men­ten­baus

Sei­ne Aus­bil­dung begann Vor­brodt 1985 im vogt­län­di­schen Mark­neu­kir­chen, einem tra­di­ti­ons­rei­chen Zen­trum des Musik­in­stru­men­ten­baus. Dort absol­vier­te er zunächst eine zwei­jäh­ri­ge Aus­bil­dung in einem gro­ßen DDR-Betrieb für Streich­in­stru­men­te. Anschlie­ßend arbei­te­te er dort noch ein wei­te­res Jahr.

Kurz vor der Wen­de eröff­ne­te sich eine neue Mög­lich­keit: In Mark­neu­kir­chen wur­de eine Fach­schu­le für Instru­men­ten­bau gegrün­det, die Gei­gen- und Gitar­ren­bau­er in einem vier­jäh­ri­gen Stu­di­um wei­ter­qua­li­fi­zier­te. Vor­brodt nutz­te die­se Chan­ce und absol­vier­te dort sei­ne Aus­bil­dung zum Hand­werks­meis­ter. Par­al­lel leg­te er sei­nen Abschluss bei der Hand­werks­kam­mer Chem­nitz ab.

Nach dem Stu­di­um arbei­te­te er noch zwei­ein­halb Jah­re bei einem Gei­gen­bau­meis­ter in Mark­neu­kir­chen. „Das war für mich eine sehr wich­ti­ge Zeit. Dort habe ich viel über Qua­li­tät und sau­be­re hand­werk­li­che Arbeit gelernt.“ 1995 kehr­te er schließ­lich in den Harz zurück und eröff­ne­te in Wer­ni­ge­ro­de sei­ne eige­ne Werk­statt.

Repa­ra­tu­ren, Ser­vice und Instru­men­ten­ver­mie­tung

Wäh­rend in den Anfangs­jah­ren auch neue Gei­gen gebaut wur­den, liegt der Schwer­punkt der Werk­statt heu­te vor allem auf Repa­ra­tu­ren und War­tung von Streich­in­stru­men­ten. Dazu gehö­ren Gei­ge, Brat­sche, Cel­lo und gele­gent­lich auch Kon­tra­bass.

Ein wei­te­rer wich­ti­ger Bestand­teil der Arbeit ist das Neu­be­span­nen von Bögen. Dabei wird das Pfer­de­haar, das beim Spie­len mit der Zeit ver­schleißt, kom­plett erneu­ert. Gera­de für Musi­ker ist das ein regel­mä­ßi­ger Ser­vice. „Ein Pro­fi lässt sein Bogen­haar in der Regel ein­mal im Jahr wech­seln.“

Eine beson­de­re Rol­le spielt in der Werk­statt außer­dem die Ver­mie­tung von Instru­men­ten. Vor allem Eltern von Kin­dern, die ein Streich­in­stru­ment ler­nen möch­ten, grei­fen dar­auf zurück. Der Grund ist ein­fach: Kin­der wach­sen schnell und benö­ti­gen regel­mä­ßig grö­ße­re Instru­men­te.

„Die kleins­ten Gei­gen begin­nen bei der Grö­ße 1/16, danach kom­men Achtel‑, Viertel‑, hal­be und Drei­vier­tel-Gei­gen, bevor schließ­lich das gan­ze Instru­ment gespielt wird.“ In der Werk­statt von Vor­brodt sind inzwi­schen rund 350 Miet­in­stru­men­te im Umlauf. Je nach Grö­ße kos­tet die Mie­te etwa 14 bis 16 Euro pro Monat.

Die Instru­men­te wer­den über­wie­gend aus Fern­ost bezo­gen und anschlie­ßend in der Werk­statt spiel­be­reit ein­ge­rich­tet. Laut Vor­brodt hat sich die Qua­li­tät in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten deut­lich ver­bes­sert. „Die Qua­li­tät ist ent­schei­dend. Mitt­ler­wei­le sind vie­le Instru­men­te hand­werk­lich gut gefer­tigt.“

Wie eine Gei­ge ent­steht

Auch wenn heu­te weni­ger neue Instru­men­te gebaut wer­den, kennt Vor­brodt den Her­stel­lungs­pro­zess genau. Eine Gei­ge besteht aus ver­schie­de­nen Holz­ar­ten mit unter­schied­li­chen Eigen­schaf­ten. Die Decke wird aus Fich­te gefer­tigt, meist aus lang­sam gewach­se­nem Holz aus den Alpen oder dem Baye­ri­schen Wald. Boden, Zar­gen und Hals bestehen aus Berg­ahorn.

Aus mas­si­ven Holz­stü­cken wer­den die gewölb­ten For­men her­aus­ge­ar­bei­tet. Die Wöl­bung wird nicht gebo­gen, son­dern aus dem Holz her­aus­ge­schnitzt und geho­belt. Im Inne­ren blei­ben Mate­ri­al­stär­ken von weni­gen Mil­li­me­tern übrig. Die­se Bau­wei­se beein­flusst spä­ter den Klang des Instru­ments.

Kun­den aus meh­re­ren Bun­des­län­dern

Die Kun­den kom­men vor allem aus Sach­sen-Anhalt und Nie­der­sach­sen. Vie­le Musi­ker blei­ben ihrer Werk­statt über Jah­re treu. „Beim Gei­gen­bau­er ist es ein biss­chen wie beim Arzt. Da muss ein Ver­trau­ens­ver­hält­nis ent­ste­hen.“

Zum All­tag gehört auch, dass Men­schen alte Instru­men­te aus Fami­li­en­be­sitz über­prü­fen las­sen. Häu­fig wer­den die­se auf Dach­bö­den gefun­den und ent­hal­ten Zet­tel mit bekann­ten Namen wie Stra­di­va­ri. In den meis­ten Fäl­len han­delt es sich jedoch nicht um wert­vol­le Ein­zel­stü­cke.

„Es gibt sicher sel­te­ne Fun­de, aber das ist eher die Aus­nah­me.“

Fami­li­en­hand­werk mit nächs­ter Gene­ra­ti­on

Auch in der Fami­lie spielt Musik eine wich­ti­ge Rol­le. Alle drei Kin­der haben Instru­men­te gelernt. Der jüngs­te Sohn hat sich eben­falls für den Gei­gen­bau ent­schie­den. Er hat sei­ne Aus­bil­dung im Vogt­land begon­nen und stu­diert inzwi­schen Musik­in­stru­men­ten­bau in Mark­neu­kir­chen. Dort kann er sein Stu­di­um mit dem Hand­werks­meis­ter abschlie­ßen.

Wenn die Fami­lie zusam­men­kommt, wird auch gemein­sam musi­ziert. Der ältes­te Sohn spielt Cel­lo, die Toch­ter Gei­ge und der jüngs­te Sohn Brat­sche. Zusam­men mit ihrem Vater konn­ten sie so zeit­wei­se sogar als Streich­quar­tett auf­tre­ten.

Tipps für Inter­es­sier­te am Gei­gen­bau

Wer selbst Gei­gen­bau­er wer­den möch­te, soll­te sich laut Vor­brodt gut infor­mie­ren. Die Aus­bil­dungs­mög­lich­kei­ten sind begrenzt. Neben Mark­neu­kir­chen gibt es bei­spiels­wei­se eine bekann­te Gei­gen­bau­schu­le in Mit­ten­wald in Bay­ern.

Die Nach­fra­ge nach Aus­bil­dungs­plät­zen ist hoch. Pro Jahr wer­den dort nur weni­ge Bewer­ber auf­ge­nom­men. „Man muss den Beruf wirk­lich wol­len“, sagt Vor­brodt. Zudem müs­se man sich dar­über im Kla­ren sein, dass es nur weni­ge Stel­len gebe und vie­le Gei­gen­bau­er spä­ter selbst­stän­dig arbei­ten.

 

Gei­gen­bau­meis­ter Mat­thi­as Vor­brodt

📍Eisen­berg 8, 38855 Wer­ni­ge­ro­de.
📞Tel.: 03943 602288
✉️Email: info@geigenbauer.net
🌐Web­site: www.geigenbauer.net

 

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