Die Energieversorgung in Deutschland steht zu Beginn des Jahres 2026 unter erheblichem Druck. Historisch niedrige Füllstände der Gasspeicher schüren die Sorge vor einer akuten Gasmangellage – mit möglichen Folgen auch für die Harzregion. Sinkt der Speicherstand bundesweit unter die kritische Marke von 20 Prozent, würde die Notfallstufe des „Notfallplans Gas“ greifen.
Nach Daten des Verbands der europäischen Gasinfrastrukturbetreiber lagen die Speicherstände zu Jahresbeginn deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt, teils bei rund 30 Prozent oder darunter. Ursachen sind unter anderem der Wegfall russischer Gaslieferungen sowie eine unzureichende Befüllung der Speicher im Sommer 2025. Gleichzeitig stoßen erneuerbare Energien wie Wind- und Solarstrom in einem kalten Winter an ihre Grenzen, insbesondere bei der Wärmeversorgung.
Unsicherheit trotz Beschwichtigungen
Behörden wie die Bundesnetzagentur verweisen darauf, dass Deutschland über LNG-Terminals verfüge und Gas auf dem Weltmarkt beschaffen könne. Experten warnen jedoch vor zeitlichen Verzögerungen und Abhängigkeiten. LNG-Lieferungen aus den USA benötigen mehrere Wochen, zudem wird dort infolge einer Kältewelle derzeit mehr Gas im eigenen Land verbraucht.
Hinzu kommt, dass die Speicher im Vergleich zu den Jahren 2021 bis 2023 weniger gefüllt wurden. Damals hatten geringerer Verbrauch sowie Marktmechanismen zur Entspannung beigetragen. Unter dem damaligen Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck fehlten nach Einschätzung von Fachleuten ausreichende Anreize zur Einspeicherung.
Regionale Folgen für Harz und Eichsfeld
Auch wenn die regionalen Gasnetze zuletzt stabil liefen, ist die Harzregion Teil des überregional vernetzten Systems. Engpässe an großen Speicherstandorten wie Rehden könnten sich unmittelbar auf die Versorgung auswirken. Lokale Versorger wie die Harz Energie GmbH beobachten die Lage aufmerksam, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.
Im Falle einer Mangellage würden zunächst Industrieunternehmen zu Einsparungen verpflichtet. Dennoch wären langfristig auch private Haushalte betroffen. Viele Gebäude im Harz sind älteren Baujahrs, schlecht gedämmt und stark vom Gas als Heizenergie abhängig. Steigende Preise oder Rationierungen könnten vor allem einkommensschwache Haushalte und ältere Menschen stark belasten.
Wirtschaft und Tourismus besonders verwundbar
Die regionale Wirtschaft ist in vielen Bereichen auf Gas angewiesen – vom Handwerk über Lebensmittelbetriebe bis zur Metallverarbeitung. Produktionsdrosselungen oder Stillstände könnten Arbeitsplätze gefährden und die wirtschaftliche Lage weiter verschärfen. Auch der Tourismus, eine zentrale Einnahmequelle der Region, wäre betroffen: Hotels, Pensionen und Gastronomiebetriebe benötigen Gas für Heizung, Warmwasser und Küchenbetrieb. Einschränkungen könnten insbesondere in der Wintersaison zu Angebotsrückgängen führen.
Die aktuelle Situation ist auch eine Folge geopolitischer Entwicklungen. Mit dem Ausfall russischer Lieferungen und der Zerstörung der Nord Stream Pipeline hat sich die Versorgungslage nachhaltig verändert. Vor diesem Hintergrund wächst die Sorge, dass eine Gasmangellage nicht nur ein theoretisches Szenario bleibt.




























