Frauen spielen eine zentrale Rolle für den Arbeitsmarkt im Landkreis Harz. Dennoch übernehmen sie deutlich seltener Führungsaufgaben als Männer. Obwohl Frauen fast die Hälfte aller Beschäftigten stellen, ist nur etwa jede dritte Führungskraft weiblich. Darauf weist die Agentur für Arbeit Sachsen-Anhalt West in einer aktuellen Analyse hin.
Traditionelle Rollenbilder prägen nach wie vor den Arbeitsalltag vieler Frauen. Häufig tragen sie die Hauptverantwortung für Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen und Haushalt. Teilzeitbeschäftigung ist deshalb für viele Frauen eine notwendige Voraussetzung, um Beruf und Familie miteinander vereinbaren zu können.
Adrienne Schach, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Sachsen-Anhalt West, spricht von einer „zweiten, unbezahlten Schicht“, die viele Frauen nach ihrem Arbeitstag leisten. Wer wolle, dass Frauen ihre Arbeitszeit erhöhen, müsse zugleich Männern mehr Möglichkeiten geben, sich stärker am Familienleben zu beteiligen.
Frauen arbeiten häufig in stabileren Branchen
Im Landkreis Harz waren zuletzt 69.614 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt – rund 2.300 weniger als noch vor zehn Jahren. Frauen stellten dabei mit 48,4 Prozent nahezu die Hälfte der Beschäftigten.
Während Männer häufiger in Bereichen wie Fahrzeugführung, Maschinenbau oder Lagerwirtschaft tätig sind, arbeiten Frauen überwiegend in konjunkturunabhängigeren Berufsfeldern. Besonders häufig sind sie in der Erziehung und Sozialarbeit, im Bürobereich oder im Gesundheitswesen beschäftigt.
Führungspositionen weiterhin überwiegend männlich
Trotz eines hohen Frauenanteils in vielen Branchen bleiben Leitungspositionen häufig in männlicher Hand. Besonders deutlich zeigt sich das im Bereich freiberuflicher, wissenschaftlicher und technischer Dienstleistungen, etwa in Architektur- oder Ingenieurbüros.
Obwohl dort mehr als die Hälfte der Beschäftigten weiblich ist, liegt der Anteil von Frauen in Führungspositionen lediglich bei 28,9 Prozent. In Bereichen wie Erziehung oder im Gesundheits- und Sozialwesen sind dagegen sowohl Beschäftigte als auch Führungskräfte überwiegend weiblich.
Teilzeit auch in Führungspositionen
Insgesamt ist jede dritte Führungskraft im Landkreis Harz eine Frau. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl weiblicher Führungskräfte jedoch um knapp 200 gesunken.
Gleichzeitig wächst die Bedeutung familienfreundlicher Arbeitszeitmodelle. Rund drei von zehn weiblichen Führungskräften arbeiten inzwischen in Teilzeit. Diese Entwicklung gilt als wichtiger Baustein, um mehr Frauen den Zugang zu Leitungsaufgaben zu ermöglichen.
Mehr Männer arbeiten in Teilzeit
Parallel dazu steigt auch der Anteil der Männer in Teilzeitbeschäftigung. Insgesamt ist die Zahl der Teilzeitbeschäftigten im Landkreis Harz innerhalb von zehn Jahren auf 23.362 gestiegen.
Der Männeranteil wuchs dabei von 16 Prozent auf 21,5 Prozent. Dieser Trend könnte langfristig dazu beitragen, Sorgearbeit gleichmäßiger zwischen Männern und Frauen zu verteilen.
Gender Pay Gap sinkt im Landkreis
Auch beim Einkommen gibt es Unterschiede. In Sachsen-Anhalt verdienen Frauen in Vollzeit im Median zwar etwas mehr als Männer. Bei Führungskräften kehrt sich dieses Verhältnis jedoch um: Weibliche Führungskräfte verdienen durchschnittlich 470 Euro weniger als ihre männlichen Kollegen.
Positiv entwickelt hat sich dagegen die Entgeltlücke insgesamt. Der sogenannte Gender Pay Gap ist im Landkreis Harz von 7,4 Prozent im Jahr 2019 auf 5,1 Prozent im Jahr 2024 gesunken und liegt damit deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt.




























