Anzeige

“Ertrags­la­ge unzu­rei­chend”: VW will Spar­kurs dras­tisch ver­schär­fen — auch Salz­git­ter und Braun­schweig auf der Lis­te

Volkswagen will seinen ohnehin bereits straffen Sparkurs drastisch verschärfen
Volkswagen will seinen ohnehin bereits straffen Sparkurs drastisch verschärfen

Der Volks­wa­gen-Kon­zern plant offen­bar, sei­ne Ein­spar­maß­nah­men wei­ter zu inten­si­vie­ren. Das geht aus einer inter­nen Manage­ment-Infor­ma­ti­on her­vor, die der Deut­schen Pres­se-Agen­tur (dpa) vor­liegt. Dem­nach rei­chen die bis­he­ri­gen Maß­nah­men nicht aus, da die Ertrags­la­ge des Unter­neh­mens wei­ter­hin unzu­rei­chend ist.

Des­halb soll der Spar­kurs aus­ge­wei­tet wer­den. Eine zen­tra­le Rol­le spielt dabei die geplan­te Stra­te­gie „2030“, die unter ande­rem ein redu­zier­tes Pro­dukt­an­ge­bot sowie den Abbau von Über­ka­pa­zi­tä­ten vor­sieht.

Finanz­vor­stand Arno Ant­litz betont laut Mit­tei­lung, dass ein grund­le­gen­der Wan­del des Geschäfts­mo­dells not­wen­dig sei. Ziel sei es, struk­tu­rel­le und nach­hal­ti­ge Ver­bes­se­run­gen zu errei­chen.

Zwar habe Volks­wa­gen bereits Mil­li­ar­den ein­ge­spart – etwa durch Effi­zi­enz­pro­gram­me in den ein­zel­nen Mar­ken –, doch die bis­he­ri­gen Ein­spa­run­gen genüg­ten nicht. Ins­be­son­de­re geo­po­li­ti­sche Unsi­cher­hei­ten hät­ten den Druck erhöht, die Kos­ten wei­ter zu sen­ken und das Unter­neh­men wider­stands­fä­hi­ger zu machen.

Mit­ar­bei­ter sind ver­un­si­chert — Noch kei­ne kon­kre­ten Schrit­te benannt

Kon­kre­te Maß­nah­men wur­den bis­lang nicht ver­öf­fent­licht. Medi­en­be­rich­ten zufol­ge hat sich der Auf­sichts­rat kürz­lich mit dem Stand des Sanie­rungs­pro­gramms befasst, jedoch ohne ver­bind­li­che Beschlüs­se zu fas­sen. Statt­des­sen han­del­te es sich offen­bar um eine rei­ne Infor­ma­ti­ons­run­de, in der auch eine neue Ana­ly­se der Unter­neh­mens­be­ra­tung Bos­ton Con­sul­ting vor­ge­stellt wur­de.

Bereits im ver­gan­ge­nen Monat hat­te Kon­zern­chef Oli­ver Blu­me im Rah­men der Bilanz­vor­la­ge ein neu­es stra­te­gi­sches Ziel­bild für das Jahr 2030 ange­kün­digt. Das bis­he­ri­ge Geschäfts­mo­dell, das über Jahr­zehn­te erfolg­reich gewe­sen sei, funk­tio­nie­re nicht mehr wie zuvor. Die kom­men­den Jah­re sei­en von einem umfas­sen­den Wan­del geprägt, der auch unpo­pu­lä­re Ent­schei­dun­gen wie Kapa­zi­täts­ab­bau und wei­te­re Kos­ten­sen­kun­gen erfor­der­lich mache.

Fokus auf weni­ger Model­le und Platt­for­men

Blu­me unter­strich, dass der Kon­zern grund­sätz­lich gut auf­ge­stellt sei, jedoch aktu­ell nicht aus­rei­chend Gewin­ne erwirt­schaf­te, um zukünf­ti­ge Inves­ti­tio­nen nach­hal­tig zu sichern. Daher sol­le das Pro­dukt­port­fo­lio ver­ein­facht und gestrafft wer­den.

Zudem wol­le man sich auf weni­ger Platt­for­men und Tech­no­lo­gien kon­zen­trie­ren sowie die Zustän­dig­kei­ten zwi­schen Kon­zern, Mar­ken und Regio­nen kla­rer regeln. Res­sour­cen sol­len gezielt dort ein­ge­setzt wer­den, wo sie den größ­ten Nut­zen brin­gen.

Wäh­rend Por­sche-Chef Micha­el Lei­ters die aktu­el­len Her­aus­for­de­run­gen als Chan­ce sieht, um gestärkt aus der Situa­ti­on her­vor­zu­ge­hen, äußer­te sich Audi-Chef Ger­not Döll­ner deut­lich alar­mie­ren­der. Ihm zufol­ge gehe es nicht mehr nur um ein­zel­ne Model­le oder Markt­an­tei­le, son­dern um die Zukunft der gesam­ten deut­schen Auto­mo­bil­in­dus­trie.

Ver­än­der­te Markt­si­tua­ti­on: Kapa­zi­tä­ten sol­len welt­weit sin­ken

Auch der Abbau von Über­ka­pa­zi­tä­ten ist ein zen­tra­les The­ma. Blu­me hat­te kürz­lich ange­kün­digt, die glo­ba­le Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tät um rund eine Mil­li­on Fahr­zeu­ge zu redu­zie­ren. Das geplan­te Pro­duk­ti­ons­ziel von neun Mil­lio­nen Autos ent­spricht in etwa dem aktu­el­len Absatz­ni­veau: Im Jahr 2025 wur­den welt­weit knapp 8,98 Mil­lio­nen Fahr­zeu­ge aus­ge­lie­fert.

Über­ka­pa­zi­tä­ten sei­en lang­fris­tig nicht trag­bar, so Blu­me. Frü­he­re Pla­nun­gen sei­en ange­sichts der heu­ti­gen Markt­be­din­gun­gen und des inten­si­ven Wett­be­werbs nicht mehr rea­lis­tisch. Ob Werks­schlie­ßun­gen Teil der Stra­te­gie sind, ließ er offen, deu­te­te jedoch an, dass es auch alter­na­ti­ve Lösun­gen gebe.

Poli­tik äußert sich kri­tisch: Werk­schlie­ßun­gen sol­len ver­hin­dert wer­den

Der nie­der­säch­si­sche Minis­ter­prä­si­dent Olaf Lies sprach sich zuletzt gegen mög­li­che Werks­schlie­ßun­gen aus, beton­te jedoch zugleich die Not­wen­dig­keit, auf ver­än­der­te Markt­be­din­gun­gen zu reagie­ren. Nie­der­sach­sen hält rund 20 Pro­zent der Stimm­rech­te am Kon­zern und ver­fügt über ein Veto­recht bei wich­ti­gen Ent­schei­dun­gen. Lies hat­te zudem vor­ge­schla­gen, die Pro­duk­ti­on chi­ne­si­scher Fahr­zeu­ge in deut­schen VW-Wer­ken zu prü­fen.

Im Zuge der bis­he­ri­gen Spar­maß­nah­men baut Volks­wa­gen bereits umfang­reich Stel­len ab. Ins­ge­samt sol­len in Deutsch­land rund 50.000 Arbeits­plät­ze bei der Kern­mar­ke sowie bei Audi und Por­sche weg­fal­len. Allein bei Volks­wa­gen selbst sind etwa 35.000 Stel­len betrof­fen. Betriebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen sind laut einer Ver­ein­ba­rung mit der IG Metall bis 2030 aus­ge­schlos­sen. Der Stel­len­ab­bau erfolgt daher vor allem über Alters­teil­zeit und Abfin­dungs­pro­gram­me.

Ein­spar­plä­ne tref­fen auch Wer­ke in Braun­schweig und Salz­git­ter

Betrof­fen von den Spar­plä­nen sind ins­be­son­de­re die Stand­or­te in Braun­schweig und Salz­git­ter, die bis­lang weni­ger im Fokus der Ein­spar­pro­gram­me stan­den.

Hin­ter­grund der neu­en Maß­nah­men ist die ange­spann­te wirt­schaft­li­che Lage des Kon­zerns. Nach Anga­ben aus inter­nen Krei­sen ver­dient Volks­wa­gen der­zeit nicht aus­rei­chend an sei­nen Fahr­zeu­gen, wes­halb die bis­he­ri­gen Spar­be­mü­hun­gen nicht mehr aus­rei­chen.

Neu an der Ent­wick­lung ist, dass der Spar­kurs nun nicht mehr nur die Fahr­zeug­pro­duk­ti­on betrifft, son­dern auch die wich­ti­gen Kom­po­nen­ten­wer­ke ein­be­zieht. Die­se lie­fern zen­tra­le Bau­tei­le wie Antriebs­ele­men­te oder Bat­te­rie­tech­nik und gel­ten als Rück­grat der indus­tri­el­len Wert­schöp­fung. Dass sie nun in den Fokus gera­ten, zeigt die wach­sen­de Dring­lich­keit der Kos­ten­sen­kun­gen.

 Intern wird bereits von einer neu­en Eska­la­ti­ons­stu­fe gespro­chen. Die Dis­kus­sio­nen rei­chen offen­bar bis hin zu grund­le­gen­den Fra­gen über die Zukunfts­fä­hig­keit der deut­schen Auto­mo­bil­in­dus­trie ins­ge­samt.

Gleich­zei­tig ste­hen die betrof­fe­nen Stand­or­te mit­ten im Wan­del zur Elek­tro­mo­bi­li­tät. So ent­wi­ckelt sich Salz­git­ter zuneh­mend zu einem Bat­te­rie­zen­trum des Kon­zerns, wäh­rend Braun­schweig wich­ti­ge Kom­po­nen­ten für Fahr­wer­ke und Ener­gie­sys­te­me lie­fert.

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige