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Auto­in­dus­trie­ver­band VDA warnt: 225.000 Jobs im deut­schen Auto­mo­bil­bau bis 2030 weg

Der Strukturwandel in der Autoindustrie wird vor allem auch Zulieferer treffen
Der Strukturwandel in der Autoindustrie wird vor allem auch Zulieferer treffen

Deut­li­cher Stel­len­ab­bau in der Auto­in­dus­trie erwar­tet

Die deut­sche Auto­mo­bil­bran­che befin­det sich in einem tief­grei­fen­den Wan­del – und nach Ein­schät­zung des Bran­chen­ver­bands könn­ten deut­lich mehr Arbeits­plät­ze weg­fal­len als bis­lang erwar­tet.

Der Ver­band der Auto­mo­bil­in­dus­trie (VDA) pro­gnos­ti­ziert bis zum Jahr 2035 einen erheb­li­chen Beschäf­ti­gungs­ab­bau in Deutsch­land. Ver­bands­prä­si­den­tin Hil­de­gard Mül­ler erklär­te gegen­über dem Redak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land, dass bis zu 225.000 Stel­len ver­lo­ren gehen könn­ten. Damit läge die Zahl etwa 35.000 höher als frü­he­re Schät­zun­gen.

Wan­del zur E‑Mobilität: Zulie­fe­rer beson­ders betrof­fen

Vor allem Zulie­fer­un­ter­neh­men sei­en von die­ser Ent­wick­lung betrof­fen. Hin­ter­grund sei der grund­le­gen­de Wan­del vom klas­si­schen Ver­bren­nungs­mo­tor hin zur Elek­tro­mo­bi­li­tät. Beson­ders in der Zulie­fer­indus­trie wür­den dadurch zahl­rei­che tra­di­tio­nel­le Arbeits­plät­ze weg­fal­len.

Hohe Kos­ten und Büro­kra­tie belas­ten den Stand­ort

Als Haupt­ur­sa­che sieht der VDA eine lang­fris­ti­ge Stand­ort­schwä­che in Deutsch­land und Euro­pa. Hohe Steu­er­be­las­tun­gen, stei­gen­de Ener­gie­kos­ten, hohe Löh­ne sowie aus Sicht der Indus­trie zu umfang­rei­che büro­kra­ti­sche Vor­ga­ben wür­den die Situa­ti­on zusätz­lich ver­schär­fen.

Nach Anga­ben von Mül­ler ver­schlech­tern sich die wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen zuneh­mend. Vie­le Unter­neh­men sähen sich des­halb gezwun­gen, Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten ins Aus­land zu ver­la­gern oder Per­so­nal abzu­bau­en.

Ver­bren­ner-Aus der EU als Brand­be­schleu­ni­ger für den Stel­len­ab­bau

Auch das geplan­te Ver­bren­ner-Aus der EU ab 2035 stellt die deut­sche Auto­in­dus­trie vor einen tief­grei­fen­den Wan­del. Da Elek­tro­au­tos weni­ger kom­plex auf­ge­baut sind als Fahr­zeu­ge mit Ver­bren­nungs­mo­tor, wer­den in vie­len Berei­chen weni­ger Arbeits­kräf­te benö­tigt – etwa bei Moto­ren, Getrie­ben oder Aus­puff­sys­te­men. Beson­ders Zulie­fe­rer, die auf klas­si­sche Ver­bren­ner­tech­nik spe­zia­li­siert sind, gera­ten dadurch unter Druck.

Vie­le Unter­neh­men bau­en des­halb Stel­len ab oder ver­la­gern Arbeits­plät­ze in neue Berei­che wie Bat­te­rie­tech­nik und Soft­ware­ent­wick­lung. Kri­ti­ker sehen im Ver­bren­ner-Aus daher eine Gefahr für hun­dert­tau­sen­de Indus­trie­ar­beits­plät­ze in Deutsch­land.

Befür­wor­ter argu­men­tie­ren dage­gen, dass der Wan­del not­wen­dig sei, um kli­ma­freund­li­che Mobi­li­tät zu för­dern und lang­fris­tig wett­be­werbs­fä­hig zu blei­ben. Ent­schei­dend wird sein, wie gut Poli­tik und Wirt­schaft den Struk­tur­wan­del beglei­ten und neue Arbeits­plät­ze schaf­fen kön­nen.

Zugleich for­dert die Bran­che ein Umden­ken inner­halb der Euro­päi­schen Uni­on. Aus Sicht des VDA soll­te die EU stär­ker auf Fle­xi­bi­li­tät und Tech­no­lo­gie­of­fen­heit beim Über­gang zur Kli­ma­neu­tra­li­tät set­zen. Dadurch könn­ten nach Ein­schät­zung des Ver­bands rund 50.000 Arbeits­plät­ze in Deutsch­land gesi­chert wer­den.

Gro­ße Bedeu­tung für die deut­sche Wirt­schaft und die Harz­re­gi­on

Die Auto­mo­bil­in­dus­trie gehört zu den bedeu­tends­ten Wirt­schafts­zwei­gen Deutsch­lands und spielt ins­be­son­de­re in Bun­des­län­dern wie Baden-Würt­tem­berg, Bay­ern und Nie­der­sach­sen eine zen­tra­le Rol­le. Ein Stel­len­ab­bau in die­sem Aus­maß hät­te daher nicht nur wirt­schaft­li­che, son­dern auch erheb­li­che gesell­schaft­li­che Aus­wir­kun­gen.

Die Situa­ti­on wird zusätz­lich dadurch ver­schärft, dass wich­ti­ge Kun­den wie gro­ße Auto­mo­bil­her­stel­ler ihre Bestel­lun­gen redu­zie­ren oder auf ande­re Lie­fe­ran­ten aus­wei­chen. Dadurch gera­ten selbst tra­di­ti­ons­rei­che Indus­trie­un­ter­neh­men in finan­zi­el­le Schwie­rig­kei­ten. In der Regi­on wächst des­halb die Sor­ge vor einem dau­er­haf­ten Rück­gang indus­tri­el­ler Arbeits­plät­ze und einem struk­tu­rel­len Wan­del der Wirt­schafts­land­schaft im Harz.

Ins­ge­samt zeigt sich: Die Harz­re­gi­on ist stark von der Auto­mo­bil­in­dus­trie abhän­gig und spürt die aktu­el­len Kri­sen der Bran­che beson­ders deut­lich.

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