Die Bergwiesen des Oberharzes gehören zu den artenreichsten Lebensräumen der Region. Auf manchen Flächen wachsen mehr als 100 verschiedene Farn- und Blütenpflanzen, darunter zahlreiche geschützte und bedrohte Arten. Doch die charakteristische Landschaft ist keineswegs allein durch natürliche Prozesse entstanden. Sie ist das Ergebnis jahrhundertelanger landwirtschaftlicher Nutzung und eng mit der Geschichte des Harzer Bergbaus verbunden.
Zu den typischen Pflanzen der Bergwiesen gehören Wald-Storchschnabel, Bärwurz, Teufelskralle, Wiesen-Schaumkraut und Perücken-Flockenblume. Auch seltene Orchideen finden hier geeignete Lebensbedingungen. Die kräuterreichen Wiesen bieten zahlreichen Insekten, insbesondere Schmetterlingen, Nahrung und Lebensraum. Feuchtwiesen entlang der Bachtäler dienen zudem dem seltenen Schwarzstorch als Nahrungsgebiet.
Die besondere Artenvielfalt ist jedoch auf regelmäßige Pflege angewiesen. Ohne Mahd oder Beweidung würden sich auf den offenen Flächen zunehmend Gehölze ansiedeln. Langfristig würden die Wiesen wieder zu Wald werden und viele der dort vorkommenden Pflanzen- und Tierarten ihren Lebensraum verlieren.
Bergbau prägte die Entstehung der Bergwiesen
Die Geschichte der Harzer Bergwiesen reicht mehrere Jahrhunderte zurück. Ihre wesentliche Entwicklung begann während der Blütezeit des Bergbaus im 15. und 16. Jahrhundert.
Damals betrieben viele Bergleute neben ihrer Arbeit unter Tage eine kleine Landwirtschaft, um ihre Familien zu versorgen. Im Rahmen der sogenannten Bergfreiheiten erhielten sie das Recht, Heuwiesen anzulegen. Das dort gewonnene Heu diente als Winterfutter für Kühe und Ziegen, die einen wichtigen Beitrag zum Lebensunterhalt der Familien leisteten.
Die Bewirtschaftung erfolgte auf schonende Weise. Häufig wurden die Wiesen nur einmal jährlich gemäht und erst im Herbst als Weideflächen genutzt. Während der Sommermonate trieben die Bergleute ihre Kuhherden zur Beweidung in die umliegenden Wälder.
Durch diese extensive Nutzung entwickelten sich die artenreichen Bergwiesen, die bis heute das Landschaftsbild des Oberharzes prägen.
Harzer Rotes Höhenvieh als wichtiger Landschaftspfleger
Eine besondere Bedeutung für die Erhaltung der Bergwiesen hat das Harzer Rote Höhenvieh. Die traditionelle Rinderrasse zählt zu den ältesten und ursprünglichsten Nutztierrassen der Region.
Ihre Entwicklung geht auf Rinder zurück, die einst aus Frankreich und England eingeführt wurden. Durch gezielte Einkreuzungen im späten 19. Jahrhundert entstand der typische Charakter des Harzer Roten Höhenviehs.
Die Tiere sind anspruchslos und besonders gut an die klimatischen Bedingungen und kargen Böden des Mittelgebirges angepasst. Früher wurden sie sowohl zur Milch- und Fleischgewinnung als auch als Zugtiere eingesetzt. Damit waren sie für viele Bergmannsfamilien ein wichtiger Bestandteil der wirtschaftlichen Existenz.
Trotz dieser Eigenschaften stand die traditionelle Rinderrasse zeitweise kurz vor dem Aussterben.
Naturschutz und Tourismus sichern den Fortbestand
Dass das Harzer Rote Höhenvieh bis heute erhalten geblieben ist, hängt insbesondere mit seiner Bedeutung für den Naturschutz und den regionalen Tourismus zusammen.
Für die Pflege der Bergwiesen ist die Beweidung durch geeignete Nutztiere ein wichtiger Bestandteil. Das Harzer Höhenvieh trägt dazu bei, die Flächen offen zu halten und damit die Lebensbedingungen zahlreicher Pflanzen- und Tierarten zu bewahren.
Gleichzeitig hat die Rinderrasse als Bestandteil der regionalen Identität an Bedeutung gewonnen. Die Verbindung aus traditioneller Landwirtschaft, regionalen Produkten und charakteristischer Kulturlandschaft ist auch für den Tourismus im Harz von Interesse.
Damit ergänzen sich die Erhaltung einer alten Nutztierrasse und der Schutz einer artenreichen Landschaft. Die traditionelle Bewirtschaftung trägt entscheidend dazu bei, dass die Bergwiesen des Oberharzes auch künftig als Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere bestehen bleiben.





























