Faschis­mus ver­liert: Vor­trä­ge und Exkur­si­on zur NS-Geschich­te im Harz

Mit Vor­trä­gen in Herz­berg und Qued­lin­burg sowie einer Exkur­si­on durch den Harz hat der His­to­ri­ker Bernd Lan­ger Anfang Okto­ber die Ent­wick­lung des Natio­nal­so­zia­lis­mus in der Regi­on und das Ende der NS-Herr­schaft im Früh­jahr 1945 the­ma­ti­siert. Ver­an­stal­ter waren Bunt statt Braun Oster­ode und die Anti­fa­schis­ti­sche Akti­on Ost­harz.

Mehr als 50 Men­schen besuch­ten am 1. Okto­ber den Vor­trag im Gast­hof Deut­scher Kai­ser in Herz­berg. Einen Tag spä­ter kamen mehr als 30 Inter­es­sier­te ins Kul­tur­zen­trum Qued­lin­burg. Rund 20 Per­so­nen nah­men am 3. Okto­ber an der abschlie­ßen­den Exkur­si­on teil.

Von der Wei­ma­rer Repu­blik zum Natio­nal­so­zia­lis­mus

Lan­ger zeich­ne­te zunächst die poli­ti­sche Ent­wick­lung nach dem Ende des Ers­ten Welt­krie­ges nach. Mit der Revo­lu­ti­on von 1918 und der par­la­men­ta­ri­schen Demo­kra­tie sei­en neue Rech­te und Frei­hei­ten ent­stan­den, dar­un­ter der Acht-Stun­den-Tag und das Frau­en­wahl­recht. Gleich­zei­tig hät­ten sich reak­tio­nä­re und rechts­ra­di­ka­le Orga­ni­sa­tio­nen for­miert.

Nach dem Ver­bot der NSDAP in Preu­ßen im Jahr 1922 ent­stand in Oster­ode unter dem Namen Mit­tel­deut­sche Arbei­ter­par­tei eine Ersatz­or­ga­ni­sa­ti­on. Eine wei­te­re Orts­grup­pe bil­de­te sich in Wer­ni­ge­ro­de. Dort soll­te im Sep­tem­ber 1923 ein soge­nann­ter Deut­scher Tag statt­fin­den. Der Auf­marsch wur­de ver­bo­ten und nach Anga­ben Lang­ers durch anti­fa­schis­ti­sche Gegen­wehr ver­hin­dert.

Nach dem geschei­ter­ten Hit­ler-Putsch vom Novem­ber 1923 wur­de die NSDAP reichs­weit ver­bo­ten. 1925 erfolg­te ihre Neu­grün­dung.

Harz­bur­ger Front und poli­ti­sche Gewalt

Ein wei­te­rer Schwer­punkt lag auf der soge­nann­ten Harz­bur­ger Front. Am 11. Okto­ber 1931 tra­ten in Bad Harz­burg Stahl­helm, NSDAP und wei­te­re rechts­na­tio­na­le Orga­ni­sa­tio­nen gemein­sam auf. Eine Woche spä­ter orga­ni­sier­te die NSDAP in Braun­schweig den soge­nann­ten Marsch der 100.000.

Lan­ger erin­ner­te auch an gewalt­sa­me Aus­ein­an­der­set­zun­gen der dama­li­gen Zeit. In Claus­thal wur­de bereits 1922 ein Jung­kom­mu­nist von einem Stu­den­ten erschos­sen. Auch in Oster­ode und Bad Lau­ter­berg kam es zu Zusam­men­stö­ßen zwi­schen Natio­nal­so­zia­lis­ten und ihren Geg­nern.

Kämp­fe im Harz im Früh­jahr 1945

Brei­ten Raum nahm das Ende der NS-Herr­schaft im Harz ein. Nach Lang­ers Dar­stel­lung hiel­ten sich in den letz­ten Kriegs­wo­chen rund 100.000 Sol­da­ten, Hit­ler­jun­gen und Ange­hö­ri­ge des Volks­sturms in der Regi­on auf, um den Vor­marsch der Alli­ier­ten auf­zu­hal­ten.

Im Süd­harz kam es zu schwe­ren Kämp­fen. Vor Oster­ode tra­fen Res­te der SS-Pan­zer­bri­ga­de West­fa­len auf US-Trup­pen. Auch bei Sie­ber, Lon­au, Bad Lau­ter­berg und St. Andre­as­berg wur­de gekämpft. Zahl­rei­che Kriegs­grä­ber­stät­ten erin­nern bis heu­te an die­se Ereig­nis­se.

Zwangs­ar­beit und KZ-Außen­la­ger

The­ma­ti­siert wur­de zudem die V2-Pro­duk­ti­on im Mit­tel­werk bei Nord­hau­sen. Nach der Ver­la­ge­rung der Rake­ten­pro­duk­ti­on in unter­ir­di­sche Anla­gen wur­den dort Tau­sen­de KZ-Häft­lin­ge unter kata­stro­pha­len Bedin­gun­gen zur Zwangs­ar­beit ein­ge­setzt.

Im Zusam­men­hang mit dem KZ-Kom­plex Mit­tel­bau-Dora kamen min­des­tens 20.000 Häft­lin­ge ums Leben. Im Harz bestan­den zahl­rei­che Lager des KZ-Sys­tems. Beson­ders schwe­re Bedin­gun­gen herrsch­ten im Lager Ell­rich-Juli­us­hüt­te, das vor dem Ein­tref­fen der US-Armee im April 1945 geräumt wur­de.

Auch der Bro­cken spiel­te in den letz­ten Kriegs­ta­gen eine Rol­le. Dort hat­ten sich nach Lang­ers Dar­stel­lung etwa 150 ver­spreng­te Sol­da­ten ver­schanzt, die schließ­lich von US-Ein­hei­ten über­wäl­tigt wur­den.

Exkur­si­on zu Erin­ne­rungs­or­ten

Am 3. Okto­ber führ­te Lan­ger eine Exkur­si­on zur Kriegs­grä­ber­stät­te Oder­brück, zur Absturz­stel­le des US-Pilo­ten Wil­liam F. Har­ker bei Trau­ten­stein und zum Gedenk­stein für Fritz Mül­ler in Has­sel­fel­de.

Har­ker kam am 11. April 1945 ums Leben, nach­dem sein Flug­zeug bei einem Tief­flug nahe Trau­ten­stein Bäu­me gestreift hat­te. An der Absturz­stel­le sind noch Über­res­te des Flug­zeugs vor­han­den.

In Has­sel­fel­de erin­ner­te die Grup­pe an Fritz Mül­ler. Das Mit­glied des SPD-nahen Reichs­ban­ners Schwarz-Rot-Gold wur­de nach einer SPD-Ver­samm­lung von SS-Ange­hö­ri­gen erschos­sen.

Wäh­rend der Exkur­si­on war nach Anga­ben der Ver­an­stal­ter ver­stärkt Poli­zei prä­sent. Hin­ter­grund war ein zeit­gleich ange­mel­de­ter Marsch der AfD-Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on Gene­ra­ti­on Deutsch­land zum Bro­cken. Die Poli­zei beglei­te­te bei­de Grup­pen, um ein Auf­ein­an­der­tref­fen zu ver­mei­den.

Bro­schü­re zum Kriegs­en­de im Harz

Beglei­tend zu den Ver­an­stal­tun­gen wur­de die 20-sei­ti­ge Bro­schü­re „Harz 1945 – Das Ende der Nazi­herr­schaft“ von Bernd Lan­ger ver­teilt. Rest­ex­em­pla­re kön­nen nach Anga­ben der Ver­an­stal­ter bei Bunt statt Braun Oster­ode ange­fragt wer­den.

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