Aus­gra­bun­gen am Fre­vel­gra­ben legen mit­tel­al­ter­li­che Sied­lung frei

Bei Aus­gra­bun­gen im Indus­trie­ge­biet Ost in Hal­ber­stadt haben Archäo­lo­gen die Über­res­te einer mit­tel­al­ter­li­chen Sied­lung frei­ge­legt. Das Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge und Archäo­lo­gie Sach­sen-Anhalt unter­sucht das Are­al Am Fre­vel­gra­ben seit März 2026. Die Arbei­ten sol­len noch bis Mit­te Dezem­ber dau­ern.

Das Gebiet liegt öst­lich von Hal­ber­stadt in Höhe der Gess­ner­stra­ße. Bereits vor der wei­te­ren Erschlie­ßung des Indus­trie­ge­biets hat­ten geo­phy­si­ka­li­sche Mes­sun­gen süd­lich des Fre­vel­gra­bens Spu­ren einer mit­tel­al­ter­li­chen Sied­lung gezeigt. Erkenn­bar waren unter ande­rem Tei­le einer mehr­glied­ri­gen Gra­ben­an­la­ge und zahl­rei­che Struk­tu­ren inner­halb der Umfas­sung.

Gru­ben­häu­ser, Brun­nen und meh­re­re Sied­lungs­pha­sen

Die Unter­su­chun­gen bestä­ti­gen nach Anga­ben des Lan­des­amts, dass es sich um eine soge­nann­te Orts­wüs­tung han­delt – eine mit­tel­al­ter­li­che Sied­lung, die spä­ter auf­ge­ge­ben wur­de. Von beson­de­rem wis­sen­schaft­li­chen Inter­es­se ist die noch nach­voll­zieh­ba­re Auf­tei­lung der Grund­stü­cke.

Doku­men­tiert wur­den zahl­rei­che in Rei­hen ange­leg­te Gru­ben­häu­ser, Sied­lungs­gru­ben und zwei Brun­nen. Auch der Ufer­be­reich des Fre­vel­gra­bens wur­de offen­bar inten­siv genutzt. Dort fan­den die Fach­leu­te zwar kei­ne Haus­stand­or­te, dafür aber Gru­ben und Kul­tur­schich­ten.

Über­schnei­dun­gen der Befun­de und unmit­tel­bar neben­ein­an­der ange­leg­te Gru­ben­häu­ser zei­gen, dass die Sied­lung min­des­tens zwei Pha­sen durch­lief. Offen­bar ver­la­ger­te sich der Ort im Lau­fe der Zeit etwas. Auch die Gra­ben­struk­tu­ren wur­den mehr­fach ver­än­dert und erwei­tert.

Nur weni­ge Gegen­stän­de blie­ben zurück

Trotz der dich­ten und gut erhal­te­nen Befun­de fan­den die Archäo­lo­gen bis­lang ver­gleichs­wei­se weni­ge Gegen­stän­de. Dazu gehö­ren ein­zel­ne Kera­mik­scher­ben und Metall­ob­jek­te wie ein bron­ze­ner Zapf­hahn, Beschlä­ge und Gür­tel­schlie­ßen.

Nach Ein­schät­zung der Fach­leu­te spricht die gerin­ge Zahl an Fund­stü­cken dafür, dass die Bewoh­ner den Ort geord­net ver­las­sen und einen gro­ßen Teil ihres Besit­zes mit­ge­nom­men haben.

Han­delt es sich um Küh­lin­gen?

His­to­ri­sche Kar­ten lie­fern Hin­wei­se auf den mög­li­chen Namen der Sied­lung. Wüs­tungs­kar­ten aus der Zeit um 1900 ver­zeich­nen in der Umge­bung eine auf­ge­ge­be­ne Ort­schaft namens Küh­lin­gen. Auch auf his­to­ri­schen Mess­tisch­blät­tern der Jah­re 1872 bis 1943 erscheint die Bezeich­nung unmit­tel­bar nörd­lich der heu­ti­gen Gra­bungs­flä­che. Daher gehen die Fach­leu­te davon aus, dass die frei­ge­leg­ten Über­res­te zu die­ser mit­tel­al­ter­li­chen Ort­schaft gehö­ren könn­ten.

War­um die Sied­lung auf­ge­ge­ben wur­de, ist bis­lang unge­klärt. Hin­wei­se auf eine gewalt­sa­me Zer­stö­rung oder grö­ße­re Brän­de gibt es nicht. Radio­kar­bon-Ana­ly­sen aus­ge­wähl­ter Kno­chen von Tier­ske­let­ten sol­len nun dabei hel­fen, das Ende der Sied­lung genau­er zu datie­ren.

Die Aus­gra­bun­gen ste­hen im Zusam­men­hang mit der wei­te­ren Erschlie­ßung des Indus­trie­ge­biets Ost und erfol­gen in Abstim­mung mit der Stadt Hal­ber­stadt.

Foto: Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge und Archäo­lo­gie Sach­sen-Anhalt, Klaus Ben­te­le

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige