Wie das Café und die Bäckerei Silberbach in Wernigerode echtes Handwerk neu erlebbar machen
Wenn in Wernigerode die ersten Lichter angehen und die Stadt noch im Halbschlaf liegt, ist in einer Backstube längst Leben eingekehrt. Der Duft von Sauerteig liegt in der Luft, Mehl staubt über Holzflächen, und in einem gemauerten Ofen, der seit über 60 Jahren seinen Dienst verrichtet, entsteht das, was hier weit mehr ist als ein Grundnahrungsmittel. Brot ist bei Silberbach ein Versprechen. Ein Versprechen an Qualität, Zeit und echtes Handwerk.
Der Standort blickt auf eine über 100-jährige Geschichte zurück. Seit Oktober 2013 führen Rene Silberbach und seine Frau die Bäckerei in Wernigerode. Sie haben nicht einfach einen Betrieb übernommen, sondern eine Haltung weiterentwickelt. „Wir sind eine kleine Handwerksbäckerei, die wirklich Wert auf das echte Handwerk legt“, sagt Silberbach. In einer Branche, die vielerorts von Industrialisierung geprägt ist, wird hier noch selbst geknetet, selbst geformt und selbst gebacken. Ohne Fertigmischungen, ohne Abkürzungen, ohne Kompromisse.
Was gutes Brot wirklich braucht
Das Besondere liegt im bewussten Umgang mit Zeit. Während andernorts beschleunigt wird, dürfen die Teige in Wernigerode ruhen. Einige lagern bis zu 24 Stunden, Sauerteigbrote reifen mehrere Stunden, bevor sie in den Ofen kommen. „Die lange Garzeit hat den Vorteil, dass sich mehr Aromen bilden und das Brot bekömmlicher wird“, erklärt Silberbach. Diese Geduld sorgt für kräftige Krusten, saftige Krumen und einen Geschmack, der bleibt.
Verarbeitet werden regionale Mehle aus der Harzregion, unter anderem von der Mühle Schröder in Thale. Das Sortiment reicht von klassischen Weizenbroten über Dinkelvarianten bis hin zu charakterstarken Spezialitäten. Diese Konsequenz im Handwerk blieb nicht unbeachtet. Der Feinschmecker führte die Bäckerei unter den besten Deutschlands, vor zwei Jahren wurde sie sogar zur besten Bäckerei in Sachsen-Anhalt gekürt.
Vielfalt aus der Backstube und Genuss im kleinen Café
Die Auslage zeigt täglich, was handwerkliche Vielfalt bedeutet. Zahlreiche Brotsorten mit Kochstücken und Vorteigen, knusprige Brötchen, saisonale Spezialitäten und eine beeindruckende Kuchenauswahl füllen die Theke. „Alles komplett selber“, betont Silberbach. Von klassischem Blechkuchen über fruchtige Obstkuchen in der Erdbeerzeit bis hin zu gefüllten Klassikern wie Bienenstich oder feinen Sahneschnitten reicht die Palette.
Ein besonderer Publikumsliebling ist der französische Schokoladenkuchen. Saftig, intensiv und mit tiefer Kakaonote wird er im hauseigenen Café serviert. „Das ist ein ganz saftiger Schokoladenkuchen, der intensiv nach Schokolade schmeckt“, beschreibt Silberbach seinen Favoriten.
Das Café, 2019 eröffnet, bietet rund 20 Innenplätze und etwa 30 Plätze im Außenbereich. Es ist bewusst klein gehalten und strahlt eine gemütliche, fast familiäre Atmosphäre aus. Besonders beliebt ist das individuelle Frühstückskonzept. Statt fester Zusammenstellungen wählen die Gäste per Ankreuzsystem genau das, was sie essen möchten. Serviert wird nur, was tatsächlich gewünscht ist.
Nachhaltigkeit, Verantwortung und soziales Engagement
Lebensmittelverschwendung ist für Rene Silberbach kein Randthema, sondern gelebte Verantwortung. Gebacken wird über den Tag verteilt und an die tatsächliche Nachfrage angepasst. Übrig gebliebenes Brot wird geschnitten an Hotels weitergegeben, Brötchen gehen an die Tafel. „Im Müll landet bei uns eigentlich fast nichts“, sagt er.
Ein besonders kreatives Projekt ist das sogenannte Restebrot. Teigreste verschiedener Brotsorten werden gesammelt, neu verarbeitet und als eigenes Produkt angeboten. Jeder Kunde entscheidet selbst, welchen Preis er zahlen möchte. Der Erlös wird gesammelt und quartalsweise an Vereine in der Region ausgeschüttet, darunter die Kinderkrebshilfe oder die Jugendfeuerwehr.
Zur Weihnachtszeit sorgt eine weitere Aktion für Aufmerksamkeit. 40 handgefertigte Lebkuchenhäuser werden im Rahmen einer Verlosung angeboten. 4000 Lose stehen zum Verkauf und sind jedes Jahr vollständig vergriffen. Mehr als 4000 Euro kommen so regelmäßig für einen Verein für krebskranke Kinder zusammen.
Brotsommelier und Ausbilder mit Leidenschaft
Rene Silberbach ist ausgebildeter Brotsommelier. Seine Mission geht über das Backen hinaus. „Man bringt den Kunden die Wertigkeit des Brotes näher“, beschreibt er seinen Anspruch. Brot wird hier als Kulturgut verstanden, als Lebensmittel mit Geschichte und Charakter.
Gleichzeitig bildet die Bäckerei den Nachwuchs aus. Zwei Auszubildende lernen derzeit das Handwerk in der Konditorei. Insgesamt umfasst das Team inzwischen 31 Mitarbeitende. Gesucht wird aktuell eine Bäckerin oder ein Bäcker. „Den suche ich eigentlich schon immer“, sagt Silberbach mit einem Lächeln.
Die Bäckerei und das Café Silberbach stehen für eine klare Botschaft: Qualität braucht Zeit, Handwerk braucht Hingabe und Genuss entsteht dort, wo Menschen mit Überzeugung arbeiten. Wer hier einkauft oder Platz nimmt, spürt schnell, dass es um mehr geht als um Brot und Kuchen. Es geht um Werte, um Verantwortung und um die Freude an echtem Handwerk.
Bäckerei Silberbach
Marktstraße 37
38855 Wernigerode
Telefon: 0 39 43 / 69 58 096
E‑Mail: baeckerei-silberbach@gmx.de
Webseite: Bäckerei-Silberbach.de

































