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Zwi­schen Plan­wirt­schaft und Pro­test: Ex-VW-Chef Mül­ler warnt vor „DDR 2.0“ und for­dert Öff­nung zur AfD

Ex-VW-Chef Matthias Müller warnt vor der Entwicklung in Deutschland
DDR 2.0: Ex-VW-Chef Matthias Müller warnt vor der Entwicklung in Deutschland

Mat­thi­as Mül­ler, der ehe­ma­li­ge Vor­stands­vor­sit­zen­de von Volks­wa­gen, hat mit einer schar­fen Abrech­nung zur aktu­el­len Lage in Deutsch­land eine hit­zi­ge Debat­te ent­facht. Dar­über berich­tet unter ande­rem “WELT-online”.

Der Mana­ger, der den Wolfs­bur­ger Auto­gi­gan­ten durch die Tur­bu­len­zen nach dem Die­sel­skan­dal führ­te, zeich­net ein düs­te­res Bild der Bun­des­re­pu­blik. Sei­ne Kri­tik rich­tet sich dabei nicht nur gegen die wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen, son­dern rüt­telt auch an den Grund­fes­ten der aktu­el­len poli­ti­schen Brand­mau­er-Stra­te­gie gegen­über der AfD.

Die Dia­gno­se: Ein schlei­chen­der Weg in die Unfrei­heit

In einem viel­be­ach­te­ten Inter­view zieht Mül­ler einen dras­ti­schen Ver­gleich und behaup­tet, Deutsch­land befin­de sich auf dem Weg in eine „DDR 2.0“. Er begrün­det die­se har­te Wort­wahl mit einer zuneh­men­den staat­li­chen Bevor­mun­dung, die den unter­neh­me­ri­schen Frei­raum und die per­sön­li­che Eigen­ver­ant­wor­tung immer wei­ter ein­schnü­re.

Laut Mül­ler habe sich ein Kli­ma eta­bliert, in dem Ideo­lo­gie über öko­no­mi­sche Ver­nunft tri­um­phie­re. Er sieht die Wett­be­werbs­fä­hig­keit des Stand­orts Deutsch­land mas­siv gefähr­det, da regu­la­to­ri­sche Ein­grif­fe und büro­kra­ti­sche Hür­den den Inno­va­ti­ons­geist ersti­cken wür­den.

Der Ex-Mana­ger beklagt zudem eine Ver­en­gung des öffent­li­chen Dis­kur­ses. Er nimmt eine Atmo­sphä­re wahr, in der kri­ti­sche Stim­men schnell ins Abseits gedrängt wer­den, was er als bedenk­li­che Par­al­le­le zu ver­gan­gen geglaub­ten Sys­te­men emp­fin­det. Die­se Wahr­neh­mung einer „vor­ge­ge­be­nen Marsch­rich­tung“ in der Ener­gie- und Ver­kehrs­po­li­tik sei ein Warn­si­gnal, das die indus­tri­el­le Basis des Lan­des lang­fris­tig zer­stö­ren könn­te.

Tabu­bruch: Mül­ler for­dert Prag­ma­tis­mus statt Brand­mau­er

Über die rein wirt­schaft­li­che Kri­tik hin­aus wagt Mül­ler einen poli­tisch höchst bri­san­ten Vor­stoß. Er for­dert, die soge­nann­te Brand­mau­er zur AfD zumin­dest teil­wei­se zu öff­nen. Mül­ler argu­men­tiert, dass die bis­he­ri­ge Stra­te­gie der strik­ten Aus­gren­zung geschei­tert sei. Wenn eine Par­tei von signi­fi­kan­ten Tei­len der Bevöl­ke­rung gewählt wer­de, dür­fe man die­se Wäh­ler nicht igno­rie­ren oder stig­ma­ti­sie­ren. Statt­des­sen plä­diert er dafür, die Aus­ein­an­der­set­zung auf der Sach­ebe­ne zu suchen und die AfD durch par­la­men­ta­ri­sche Arbeit in die Pflicht zu neh­men.

Die­ser Vor­schlag zur „par­ti­el­len Öff­nung“ sorgt für erheb­li­chen Wir­bel. Wäh­rend Kri­ti­ker Mül­ler vor­wer­fen, den Rechts­po­pu­lis­mus damit salon­fä­hig zu machen, sehen Befür­wor­ter dar­in einen not­wen­di­gen Rea­lis­mus. Mül­ler selbst betont, dass es ihm nicht um eine inhalt­li­che Ver­brü­de­rung gehe, son­dern um die Rück­kehr zu einer Debat­ten­kul­tur, die auch unbe­que­me Mehr­hei­ten aus­hal­ten und argu­men­ta­tiv stel­len muss.

Ex-VW-Boss erzeugt gespal­te­nes Echo in Wirt­schaft und Gesell­schaft

Die Reak­tio­nen auf Mül­lers Vor­stoß zei­gen, wie tief die Ris­se im Land ver­lau­fen. In Tei­len des Mit­tel­stands stößt sei­ne Kri­tik an der Über­re­gu­lie­rung auf brei­te Zustim­mung. Vie­le Unter­neh­mer füh­len sich durch die aktu­el­le Poli­tik bevor­mun­det und tei­len die Sor­ge vor einer Deindus­tria­li­sie­rung. Auf der ande­ren Sei­te löst der DDR-Ver­gleich hef­ti­gen Wider­spruch aus, ins­be­son­de­re bei jenen, die dar­in eine Ver­harm­lo­sung der tat­säch­li­chen SED-Dik­ta­tur sehen.

Am Ende bleibt die Erkennt­nis, dass Mat­thi­as Mül­ler mit sei­nen pro­vo­kan­ten The­sen einen Nerv getrof­fen hat. Sei­ne War­nung vor einer „DDR 2.0“ und die For­de­rung nach einem neu­en Umgang mit der AfD zwin­gen die poli­ti­sche Mit­te dazu, ihre eige­nen Stra­te­gien zu hin­ter­fra­gen. Ob Mül­ler damit eine not­wen­di­ge Kurs­kor­rek­tur ein­lei­tet oder sich ledig­lich als mah­nen­de Stim­me ins Abseits manö­vriert, wird die poli­ti­sche Dyna­mik der kom­men­den Mona­te zei­gen.

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