Vom Neuanfang mit Klappbett zur Gastgeberin aus Leidenschaft
Es gibt Geschichten, die beginnen unscheinbar und wachsen über Jahrzehnte zu etwas, das weit über ein bloßes Geschäftsmodell hinausgeht. Die Geschichte des Hotel am Kurpark in Bad Lauterberg im Harz ist genau so eine. Sie ist eng verbunden mit dem Namen Kathrin Henkel-Schrecke, die 1991 mit einem kleinen Köfferchen, einem Klappbett im nahezu leeren Zimmer und einer gehörigen Portion Mut in ein neues Leben startete.
Eigentlich war es ein Zufall. Ein Gespräch, eine spontane Zusage, der Gedanke: Besser als zu Hause zu sitzen. Was als Job begann, wurde zur Berufung. Kathrin Henkel-Schrecke arbeitete sich vom Mädchen für Alles zur ausgebildeten Betriebswirtin für Hotel- und Gaststättengewerbe hoch. Sie putzte, organisierte, lernte, führte Gespräche mit Gästen und entwickelte ein Gespür dafür, was Menschen wirklich suchen, wenn sie in den Harz reisen: kein steriles Zimmer, sondern ein Gefühl von Ankommen.
1996 pachtete sie das Haus, 1999 kaufte sie es. Heute blickt sie auf drei Jahrzehnte Selbstständigkeit zurück. Dreißig Jahre voller Höhen und Tiefen, wirtschaftlicher Krisen, persönlicher Herausforderungen und unzähliger Begegnungen. Und doch klingt in jedem Satz vor allem eines mit: Dankbarkeit.
Ein Hotel, das sich immer wieder neu erfindet
Wer heute das Hotel am Kurpark betritt, spürt sofort, dass hier nichts dem Zufall überlassen wird. Das Haus liegt zentral, nur wenige Schritte von der Einkaufsstraße entfernt, mit Blick auf den Hausberg. Doch die wahre Besonderheit verbirgt sich im Inneren.
Kein Zimmer gleicht dem anderen. Hinter jedem Raum steckt ein eigenes Farb- und Materialkonzept. Statt beliebiger Standardausstattung erwartet die Gäste Individualität. Alte Stilelemente aus den siebziger und achtziger Jahren wurden konsequent ersetzt. Wenn renoviert wird, dann richtig. Modern, stimmig, mit einem klaren gestalterischen Anspruch.
Ein besonderes Highlight entstand in der ehemaligen Weinstube. Während der Corona-Zeit nutzten Kathrin und ihr Mann Mathias die Gelegenheit, umzubauen. Aus einem Teil wurde ein stilvolles Apartment, ausgestattet mit echtem Altholz aus historischen Dielen eines Stadtschlosses von 1748. Die Geschichte dieses Holzes ist älter als das Ursprungsgebäude des Hotels von 1846 und verleiht dem Raum eine Atmosphäre, die man nicht inszenieren kann.
Der andere Teil wurde zum sogenannten Hühnerstall. Was zunächst schmunzeln lässt, entpuppt sich als durchdachtes Konzept. Ein gemütlicher Mehrzweckraum, der beim Frühstück zusätzliche Plätze bietet und tagsüber als Treffpunkt dient. Der Name ist augenzwinkernd gemeint, denn hier wird gelacht, geschnattert, erzählt. Gerade diese Lockerheit ist es, die viele Gäste schätzen.
Konzentration auf das Wesentliche: Ein Frühstück, das begeistert
Die Zeiten haben sich verändert. Wo früher Gäste eine oder zwei Wochen blieben, sind es heute oft nur noch zwei Nächte. Darauf hat das Hotel am Kurpark reagiert. Seit 2019 wird das Haus als Hotel garni geführt. Das Mittags- und Abendgeschäft wurde bewusst eingestellt, der Fokus liegt auf einem herausragenden Frühstück.
Und genau dieses Frühstück ist es, das immer wieder für Begeisterung sorgt. Für 18,50 Euro genießen Gäste ein umfangreiches Buffet inklusive Kaffeespezialitäten, Säften und Kuchen. Hotelgäste ebenso wie externe Besucher, die sich am Wochenende oder in den Sommermonaten nach Anmeldung verwöhnen lassen möchten. Wenn beim Abschied der Satz fällt: Das war ein tolles Frühstück, wir kommen wieder, dann wissen Kathrin und Mathias, dass sie alles richtig gemacht haben.
Viele kommen tatsächlich wieder. Motorradfahrer, Wanderer, Radfahrer, Freundesgruppen. Kleine Gruppen, maximal acht Maschinen, die den Hof mit sattem Motorensound verlassen. Stammgäste, die seit Jahrzehnten treu sind. Menschen, die das Unkomplizierte, das Persönliche, das Echte suchen.
Engagement vor Ort und ein Blick in die Zukunft
Trotz aller Arbeit bleibt der Blick auf die Gemeinschaft gerichtet. Das Ehepaar unterstützt lokale Initiativen, den sozialen Weihnachtsmarkt oder den Kinderschutzbund, häufig mit Frühstücksgutscheinen oder Spenden. Für Kathrin Henkel-Schrecke ist klar: Wenn man gibt, dann vor Ort. Dort, wo man sieht, dass Hilfe ankommt.
Privat ergänzen sich Kathrin und Mathias perfekt. Seit 2014 führen sie das Hotel gemeinsam. Was viele skeptisch betrachten, funktioniert hier harmonisch. Jeder weiß, was der andere kann. Jeder fängt auf, wenn es nötig ist. Die gemeinsame Tochter geht ihren eigenen Weg in der Medizin. Das Hotel wird sie nicht übernehmen.
Und so richtet sich der Blick langsam nach vorn. In den kommenden Jahren möchten Kathrin und Mathias das Haus in neue Hände geben. Nicht aus Überdruss, sondern aus dem Wunsch heraus, Platz für einen neuen Lebensabschnitt zu schaffen. Gesucht wird jemand mit Herz, Mut und vielleicht einer kleinen gesunden Verrücktheit für die Hotellerie. Jemand, der die besondere Lage in Bad Lauterberg, die gewachsene Stammkundschaft und das liebevoll entwickelte Konzept weiterführt und mit eigenen Ideen bereichert.
Das Hotel am Kurpark ist mehr als ein Gebäude. Es ist das Lebenswerk zweier Menschen, die mit wenig begonnen und viel geschaffen haben. Wer durch die Tür tritt, spürt es sofort: Hier steckt Geschichte in den Wänden und Zukunft in jedem Detail.
Hotel am Kurpark
Kathrin Henkel-Schrecke und Mathias Schrecke
Telefon : 0552492450
E‑Mail : hotelamkurpark@harz.de
























































