Der Harz verzeichnet steigende Übernachtungszahlen und gilt als beliebte Urlaubsregion mit historischen Städten und naturnahen Angeboten. Doch hinter der touristischen Erfolgsgeschichte verschärft sich in vielen Teilen des Mittelgebirges die soziale Lage. Während Besucherrekorde gemeldet werden, wächst in mehreren Regionen das Armutsrisiko.
Vor allem in Randlagen und ehemaligen Industriestandorten liegt die Armutsgefährdungsquote teils deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Längst betrifft die Entwicklung nicht mehr nur Langzeitarbeitslose. Zunehmend geraten auch Rentnerinnen und Rentner sowie Familien mit geringem Einkommen unter Druck.
Niedriglöhne und demografischer Wandel
Ein zentraler Faktor ist die Struktur des Arbeitsmarktes. Viele Stellen im Tourismus und in der Gastronomie sind niedrig entlohnt, häufig befristet oder in Teilzeit organisiert. Die Folge sind unstete Erwerbsbiografien, die sich später in niedrigen Renten niederschlagen.
Hinzu kommt der demografische Wandel. Junge, gut ausgebildete Menschen verlassen die Region, während eine ältere Bevölkerung mit vergleichsweise geringen Alterseinkünften zurückbleibt. Parallel dazu werden in ländlichen Gebieten Arztpraxen, Schulen und Nahversorger geschlossen. Längere Wege erhöhen die Lebenshaltungskosten zusätzlich.
Monostruktur und Strukturbruch
Experten verweisen auf eine starke Abhängigkeit vom Tourismus. Die einseitige Wirtschaftsstruktur führe zu saisonalen Schwankungen und begrenzten Aufstiegschancen. Alternative, besser bezahlte Arbeitsplätze außerhalb des Dienstleistungssektors sind vielerorts rar.
Zudem wirkt der Niedergang von Bergbau und Hüttenindustrie bis heute nach. Der Verlust gut entlohnter Industriearbeitsplätze konnte durch den Dienstleistungssektor nicht vollständig kompensiert werden.
In touristisch gefragten Orten wie Braunlage oder Goslar steigen zugleich die Immobilienpreise. Investoren erwerben Wohnraum, um ihn als Ferienunterkünfte zu vermieten. Für Einheimische wird bezahlbares Wohnen dadurch zunehmend schwieriger, insbesondere in zentralen Lagen.
Besonders betroffene Gruppen
Die Armut zeigt sich oft abseits der touristischen Zentren. Betroffen sind vor allem Seniorinnen und Senioren mit geringen Renten, Alleinerziehende mit eingeschränkten Betreuungsmöglichkeiten sowie Jugendliche, die außerhalb des Gastgewerbes nur wenige attraktive Ausbildungsangebote finden.
Ansätze für eine nachhaltige Entwicklung
Fachleute sehen Handlungsbedarf auf mehreren Ebenen. Neben einer Diversifizierung der Wirtschaft gilt die Ansiedlung von Industrie- und Handwerksbetrieben als mögliche Perspektive. Gleichzeitig werden Instrumente zur Sicherung bezahlbaren Wohnraums diskutiert, insbesondere in stark frequentierten Tourismusorten.
Auch eine bessere Anbindung durch den öffentlichen Nahverkehr könnte dazu beitragen, den Zugang zu Arbeitsplätzen in zentralen Bereichen zu erleichtern.
Der Harz bleibt eine gefragte Urlaubsregion. Damit der wirtschaftliche Erfolg langfristig bei der Bevölkerung ankommt, sind jedoch strukturelle Veränderungen notwendig. Die soziale Entwicklung in der Region rückt damit stärker in den Fokus.





























