Vom Unort zum Bür­ger­park: Wie Wer­ni­ge­ro­de aus einer ver­müll­ten Bra­che eine grü­ne Oase mach­te

Der Bürgerpark gehört heute zu den Wahrzeichen von Wernigerode
Der Bürgerpark gehört heute zu den Wahrzeichen von Wernigerode

Vor 26 Jah­ren nahm in Wer­ni­ge­ro­de eine Idee Gestalt an, die das Gesicht der Stadt nach­hal­tig ver­än­dern soll­te: Aus einem städ­te­bau­li­chen Pro­blem­ge­biet mit Alt­las­ten, Indus­trie­bra­chen, leer­ste­hen­den Bara­cken und schwer zugäng­li­chen Tei­chen soll­te eine grü­ne, öffent­lich zugäng­li­che Park­land­schaft wer­den. Der Weg führ­te über die Lan­des­gar­ten­schau Wer­ni­ge­ro­de 2006 – und mün­de­te in den heu­ti­gen Bür­ger­park.

Was damals wie ein gewag­tes Expe­ri­ment wirk­te, ist heu­te ein fes­ter Bestand­teil des städ­ti­schen Lebens. Der Bür­ger­park Wer­ni­ge­ro­de ver­bin­det Natur, Erho­lung, Gar­ten­kunst, Umwelt­bil­dung, Frei­zeit und Tou­ris­mus. Aus einem Gelän­de, das vie­len Ein­woh­nern kaum bekannt und teil­wei­se von Sta­chel­draht und Alt­las­ten geprägt war, wur­de ein rund 15 Hekt­ar gro­ßer Land­schafts­park mit The­men­gär­ten, Tei­chen, Bio­to­pen, Spiel­an­ge­bo­ten und Aus­sichts­punk­ten.

Dabei ist die Geschich­te des Bür­ger­parks weit mehr als die Geschich­te einer gelun­ge­nen Gar­ten­schau. Sie ist ein Bei­spiel dafür, wie eine Stadt durch lang­fris­ti­ge Pla­nung aus einer belas­te­ten Flä­che einen neu­en öffent­li­chen Raum schaf­fen kann.

Ein Pro­blem­ge­biet am Rand der Stadt

Wer heu­te durch den Bür­ger­park spa­ziert, kann sich nur schwer vor­stel­len, wie das Are­al vor der Lan­des­gar­ten­schau aus­sah.

Das Gelän­de am nörd­li­chen Rand Wer­ni­ge­ro­des war über Jahr­zehn­te sehr unter­schied­lich genutzt wor­den. Bereits seit dem Mit­tel­al­ter gab es dort Fisch­tei­che. Spä­ter kamen Klein­gär­ten, Wohn­ge­bie­te, Indus­trie- und Gewer­be­flä­chen hin­zu. Ein Teil des Are­als wur­de schließ­lich als Bau­schutt­de­po­nie genutzt. Dadurch ent­stand ein stark zer­split­ter­ter Raum mit ganz unter­schied­li­chen Nut­zun­gen und erheb­li­chen städ­te­bau­li­chen und öko­lo­gi­schen Pro­ble­men.

Die Stadt Wer­ni­ge­ro­de beschrieb die Aus­gangs­si­tua­ti­on spä­ter als städ­te­bau­li­chen Miss­stand: Zwi­schen dem Wohn­ge­biet Harz­blick und dem Stadt­zen­trum fehl­ten attrak­ti­ve fuß­läu­fi­ge Ver­bin­dun­gen. Hin­zu kamen Alt­las­ten, Indus­trie­bra­chen, leer­ste­hen­de Bara­cken und ein teil­wei­se abge­sperr­tes Gelän­de. Selbst die sie­ben vor­han­de­nen Tei­che waren vie­len Wer­ni­ge­röde­rin­nen und Wer­ni­ge­rödern kaum bekannt.

Gera­de die­ser Gegen­satz macht die spä­te­re Ent­wick­lung so bemer­kens­wert. Dort, wo heu­te Fami­li­en spa­zie­ren, Kin­der spie­len, Besu­cher durch The­men­gär­ten schlen­dern und Men­schen auf Bän­ken den Blick auf die Har­zer Land­schaft genie­ßen, lag einst eine Flä­che, die eher als Pro­blem denn als Erho­lungs­raum wahr­ge­nom­men wur­de.

1999 begann die ent­schei­den­de Idee

Die ent­schei­den­de Wen­de kam nicht erst mit den Bau­ar­bei­ten für die Lan­des­gar­ten­schau. Sie begann mit einer poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Visi­on.

Nach Anga­ben der Stadt Wer­ni­ge­ro­de wur­de die Idee einer Lan­des­gar­ten­schau bereits 1999 zu einem Stadt­rats­be­schluss. Im Jahr 2001 bewarb sich Wer­ni­ge­ro­de um die Lan­des­gar­ten­schau 2006. Nach dem Zuschlag wur­den noch im sel­ben Jahr der För­der­ver­ein „Lan­des­gar­ten­schau Wer­ni­ge­ro­de 2006 e. V.“ und 2002 die Durch­füh­rungs­ge­sell­schaft gegrün­det.

Damit lässt sich die Aus­sa­ge „vor 26 Jah­ren“ his­to­risch genau­er ein­ord­nen: Im Jahr 2000 war der Bür­ger­park noch längst kein fer­ti­ger Park. Doch in die­ser Zeit nahm die Idee, das Pro­blem­ge­biet grund­sätz­lich neu zu den­ken, bereits kon­kre­te For­men an. Die eigent­li­che Lan­des­gar­ten­schau fand spä­ter vom 15. April bis zum 8. Okto­ber 2006 statt.

Die Gar­ten­schau war des­halb von Anfang an mehr als eine Blu­men­aus­stel­lung. Sie soll­te eine städ­te­bau­li­che Auf­ga­be lösen: ein abge­schnit­te­nes, belas­te­tes und wenig attrak­ti­ves Gebiet wie­der mit der Stadt ver­bin­den.

Vom Müll- und Bau­schutt­ge­län­de zur Park­land­schaft

Ein zen­tra­ler Bestand­teil des Pro­jekts war die Sanie­rung der belas­te­ten Flä­chen.

Beson­ders wich­tig war die ehe­ma­li­ge Bau­schutt­de­po­nie auf der soge­nann­ten Zaun­wie­se. Die Flä­che wur­de saniert und abge­dich­tet. Der dama­li­ge Land­schafts­ar­chi­tek­tur-Ent­wurf ver­band den not­wen­di­gen Boden­schutz mit einer gestal­te­ri­schen Idee: Die Geschich­te des Ortes soll­te nicht ein­fach ver­schwin­den, son­dern teil­wei­se sicht­bar und erleb­bar blei­ben.

So ent­stand unter ande­rem die Mine­ra­li­en­schlucht. Sie macht den geo­lo­gi­schen Auf­bau des Har­zes auf unge­wöhn­li­che Wei­se sicht­bar. Ent­lang von Gabio­nen­wän­den wird ein geo­lo­gi­scher Schnitt insze­niert; die bis zu sie­ben Meter hohen und rund 50 Meter brei­ten Flä­chen gehö­ren zu den mar­kan­ten Ele­men­ten des Parks.

Auch beim Umgang mit den vor­han­de­nen Mate­ria­li­en wur­de eine neue Per­spek­ti­ve ein­ge­nom­men. In den soge­nann­ten Recy­cling­gär­ten wur­den Fund­stü­cke und Mate­ria­li­en der ehe­ma­li­gen Bau­schutt­de­po­nie mit moder­nen Ele­men­ten der Gar­ten­ge­stal­tung kom­bi­niert. Dadurch wur­de aus dem Pro­blem der Ver­gan­gen­heit ein Bestand­teil der Gestal­tung.

Das ist ein bemer­kens­wer­ter Gedan­ke: Der Park ver­drängt sei­ne Ver­gan­gen­heit nicht voll­stän­dig, son­dern erzählt sie.

Sie­ben Tei­che wur­den zum Rück­grat des neu­en Parks

Eine zwei­te Beson­der­heit des Gelän­des war das Was­ser.

Die his­to­ri­schen Fisch­tei­che waren schon vor der Lan­des­gar­ten­schau vor­han­den. Die Pla­ner mach­ten sie zum zen­tra­len Rück­grat der neu­en Land­schaft. Der Sie­ger­ent­wurf des land­schafts­ar­chi­tek­to­ni­schen Wett­be­werbs von 2003 sah vor, die sie­ben Tei­che durch eine zusam­men­hän­gen­de Weg- und Steg­an­la­ge mit­ein­an­der zu ver­bin­den.

Dar­aus ent­wi­ckel­te sich der soge­nann­te Fish Walk.

Die mehr als einen Kilo­me­ter lan­ge Steg­an­la­ge führt Besu­che­rin­nen und Besu­cher ent­lang bezie­hungs­wei­se über die Tei­che. Was­ser­sta­tio­nen, Brü­cken und beson­de­re archi­tek­to­ni­sche Ele­men­te mach­ten die Fisch­tei­che wäh­rend der Lan­des­gar­ten­schau zu einem Erleb­nis­raum.

Gleich­zei­tig hat­te die Umge­stal­tung eine öko­lo­gi­sche Dimen­si­on. So wur­de bei­spiels­wei­se der Schrei­ber­teich, der durch Grund­was­ser­zu­flüs­se aus dem angren­zen­den Depo­nie­be­reich belas­tet war, öko­lo­gisch auf­ge­wer­tet. Ein bepflanz­ter Boden­fil­ter mit Schilf und Seg­gen soll­te dazu bei­tra­gen, das anströ­men­de Was­ser zu rei­ni­gen.

Damit ent­stand aus einer belas­te­ten Flä­che nicht nur ein schö­ner, son­dern auch ein öko­lo­gisch durch­dach­ter Land­schafts­raum.

„Harz­bli­cke erle­ben“ – die Lan­des­gar­ten­schau 2006

Am 15. April 2006 öff­ne­te die zwei­te Lan­des­gar­ten­schau Sach­sen-Anhalts in Wer­ni­ge­ro­de ihre Tore. Ihr Mot­to lau­te­te „Harz­bli­cke erle­ben“.

Rund 100 The­men­gär­ten und the­ma­ti­sche Flä­chen gehör­ten zum Aus­stel­lungs­kon­zept. Sie soll­ten nicht nur reprä­sen­ta­ti­ve Gar­ten­ge­stal­tung zei­gen, son­dern den Besu­chern Anre­gun­gen für den eige­nen Gar­ten ver­mit­teln. Dazu gehör­ten unter ande­rem asia­ti­sche Gar­ten­wel­ten, Bau­ern­gär­ten, Rosen­gär­ten und unter­schied­lich insze­nier­te Erleb­nis­be­rei­che.

Die Lan­des­gar­ten­schau wur­de zu einem Publi­kums­er­folg. Je nach Quel­le wer­den mehr als 600.000 Besu­cher genannt; die Stadt Wer­ni­ge­ro­de spricht rück­bli­ckend von rund 640.000 Gäs­ten.

Auch wirt­schaft­lich und regio­nal­po­li­tisch war das Pro­jekt bedeu­tend. Ins­ge­samt wur­den – je nach zugrun­de geleg­ter Abgren­zung – rund 13,6 bis 14,5 Mil­lio­nen Euro in das Gelän­de und sein Umfeld inves­tiert. Der dama­li­ge Minis­ter­prä­si­dent Wolf­gang Böh­mer beton­te bei der Eröff­nung zudem, dass etwa 95 Pro­zent der betei­lig­ten Fir­men aus der Regi­on Wer­ni­ge­ro­de stamm­ten.

Doch die wich­tigs­te Fra­ge lau­te­te schon damals: Was bleibt nach der Gar­ten­schau?

Der ent­schei­den­de Schritt: Aus der Gar­ten­schau wird ein Bür­ger­park

Die Ant­wort war die dau­er­haf­te Nach­nut­zung als Bür­ger­park.

Bereits wäh­rend der Pla­nun­gen wur­de Wert dar­auf gelegt, dass die neu geschaf­fe­nen Struk­tu­ren nach dem Ende der Aus­stel­lung bestehen blei­ben konn­ten. Nach dem Ende der Lan­des­gar­ten­schau am 8. Okto­ber 2006 wur­de das Gelän­de nicht wie­der sei­nem frü­he­ren Zustand über­las­sen. Statt­des­sen ent­stand dar­aus der heu­ti­ge Bür­ger­park.

Am 1. April 2007 öff­ne­te der Wer­ni­ge­röder Bür­ger­park offi­zi­ell sei­ne Tore. Die Stadt stell­te dabei aus­drück­lich die Wie­der­her­stel­lung wich­ti­ger Wege­be­zie­hun­gen und die bes­se­re Zugäng­lich­keit für die Anwoh­ner in den Mit­tel­punkt.

Damit wur­de aus einem zeit­lich begrenz­ten Groß­ereig­nis ein dau­er­haf­ter Bestand­teil der Stadt.

Heu­te: 15 Hekt­ar grü­ne Lebens­qua­li­tät

Heu­te umfasst der Bür­ger­park rund 15 Hekt­ar. Mehr als 60 The­men­gär­ten und Gar­ten­be­rei­che bil­den ein brei­tes Band durch das Gelän­de. Hin­zu kom­men Tei­che, Bio­to­pe, Spiel­be­rei­che, Aus­sichts­mög­lich­kei­ten und zahl­rei­che Mög­lich­kei­ten zum Auf­ent­halt.

Zu den auf­fäl­li­gen Attrak­tio­nen gehört die 22 Meter hohe Aus­sichts­platt­form, von der sich der Park und die Har­zer Land­schaft über­bli­cken las­sen. Die Mine­ra­li­en­schlucht, die Tei­che und die unter­schied­li­chen Bio­to­pe machen den Bür­ger­park gleich­zei­tig zu einem Ort, an dem Natur nicht nur deko­ra­tiv, son­dern auch erklä­rend und erleb­bar prä­sen­tiert wird.

Beson­ders ein­drucks­voll ist die jah­res­zeit­li­che Ver­än­de­rung. Nach Anga­ben des Bür­ger­parks sor­gen bereits zu Sai­son­be­ginn mehr als 180.000 Früh­blü­her für einen auf­fäl­li­gen Blü­ten­auf­takt. Der Pfingst­ro­sen­gar­ten und die wech­seln­den Blu­men­pflan­zun­gen gehö­ren zu den beson­de­ren gärt­ne­ri­schen Höhe­punk­ten.

Der Park ist damit nicht bloß eine Erin­ne­rung an die Lan­des­gar­ten­schau. Er hat eine eige­ne Iden­ti­tät ent­wi­ckelt.

Ein Park für Fami­li­en, Spa­zier­gän­ger und Erho­lungs­su­chen­de

Die heu­ti­ge Bedeu­tung des Bür­ger­parks liegt vor allem in sei­ner Viel­sei­tig­keit.

Für Fami­li­en ist er ein Frei­zeit­ort mit Spiel­mög­lich­kei­ten und groß­zü­gi­gen Bewe­gungs­flä­chen. Für Spa­zier­gän­ger bie­tet er Rund­we­ge, Was­ser­flä­chen und The­men­gär­ten. Gar­ten­freun­de kön­nen unter­schied­li­che Pflanz- und Gestal­tungs­ideen ent­de­cken. Wer Ruhe sucht, fin­det Sitz- und Lie­ge­be­rei­che am Was­ser.

Auch die tou­ris­ti­sche Ver­mark­tung Wer­ni­ge­ro­des bin­det den Bür­ger­park inzwi­schen selbst­ver­ständ­lich in das Ange­bot der Stadt ein. Die Tou­ris­mus­or­ga­ni­sa­ti­on beschreibt ihn als weit­läu­fi­ges Gelän­de mit The­men­gär­ten, Aus­sichts­platt­form, Spiel­plät­zen, Park­re­stau­rant und Tei­chen.

Beson­ders inter­es­sant ist dabei die Kom­bi­na­ti­on mit dem benach­bar­ten Minia­tu­ren­park „Klei­ner Harz“. So ent­steht ein Frei­zeit­be­reich, der Natur­er­leb­nis, Gar­ten­kunst, Fami­li­en­aus­flug und tou­ris­ti­sche Attrak­ti­on mit­ein­an­der ver­bin­det.

Bür­ger- und Minia­tu­ren­park Wer­ni­ge­ro­de

Ein wich­ti­ger Bau­stein für die Stadt­ent­wick­lung

Die viel­leicht wich­tigs­te Bedeu­tung des Bür­ger­parks wird jedoch erst sicht­bar, wenn man nicht auf Blu­men und Gar­ten­an­la­gen, son­dern auf Stadt­ent­wick­lung schaut.

Die Stadt Wer­ni­ge­ro­de bezeich­ne­te zehn Jah­re nach der Lan­des­gar­ten­schau gera­de die städ­te­bau­li­chen Zie­le als wich­tigs­ten nach­hal­ti­gen Gewinn. Das Wohn­ge­biet Harz­blick erhielt ein attrak­ti­ve­res Umfeld und eine bes­se­re Ver­bin­dung zum Stadt­zen­trum. Aus einem abge­sperr­ten und pro­ble­ma­ti­schen Are­al wur­de ein öffent­li­cher Raum, der unter­schied­li­che Stadt­be­rei­che mit­ein­an­der ver­knüpft.

Das ist ein ent­schei­den­der Punkt: Der Bür­ger­park ist nicht ein­fach irgend­wo in Wer­ni­ge­ro­de ent­stan­den. Er liegt genau dort, wo zuvor eine Bar­rie­re und ein städ­te­bau­li­cher Miss­stand bestan­den.

Der Park hat damit eine ver­bin­den­de Funk­ti­on. Er bringt Men­schen aus angren­zen­den Wohn­ge­bie­ten in einen gemein­sa­men öffent­li­chen Raum und schafft Wege, Auf­ent­halts­mög­lich­kei­ten und Sicht­be­zie­hun­gen.

Aus einem „Dazwi­schen“ wur­de ein „Dazu­ge­hö­rig“.

Der Bür­ger­park als Lern­ort

Eine wei­te­re Rol­le spielt die Umwelt- und Natur­bil­dung.

Bereits zur Lan­des­gar­ten­schau wur­den Natur, Was­ser, Fisch­zucht, Geo­lo­gie und Gar­ten­kul­tur mit­ein­an­der ver­bun­den. Die­se The­men sind auch heu­te noch im Park ables­bar.

Seit vie­len Jah­ren gehört bei­spiels­wei­se das Grü­ne Klas­sen­zim­mer zum Bür­ger­park. Die Stadt bezeich­ne­te den Park bereits zum zehn­jäh­ri­gen Jubi­lä­um als Lern­ort. Ver­an­stal­tun­gen des Harz­mu­se­ums und wei­te­re Bil­dungs­an­ge­bo­te nutz­ten das Gelän­de, um Kin­dern und Erwach­se­nen Natur und Umwelt näher­zu­brin­gen.

Damit erfüllt der Park eine Auf­ga­be, die für Städ­te zuneh­mend wich­ti­ger wird: Er bringt Natur­bil­dung direkt in den urba­nen All­tag.

Kin­der müs­sen nicht erst weit in den Harz fah­ren, um öko­lo­gi­sche Zusam­men­hän­ge zu ent­de­cken. Was­ser, Pflan­zen, Tie­re, Böden und geo­lo­gi­sche Beson­der­hei­ten lie­gen hier auf engem Raum neben­ein­an­der.

Ein Bei­spiel für nach­hal­ti­ge Flä­chen­nut­zung

Der Bür­ger­park Wer­ni­ge­ro­de zeigt außer­dem, wie sich die Per­spek­ti­ve auf soge­nann­te Pro­blem­flä­chen ver­än­dern kann.

Eine ehe­ma­li­ge Depo­nie muss nicht zwangs­läu­fig dau­er­haft eine Belas­tung blei­ben. Eine Indus­trie­bra­che muss nicht zwin­gend ver­sie­gelt oder bebaut wer­den. Ein unzu­gäng­li­cher Bereich kann durch gute Pla­nung zu einem öffent­li­chen Raum wer­den.

In Wer­ni­ge­ro­de wur­de die­ser Wan­del mit einer Kom­bi­na­ti­on aus Sanie­rung, Land­schafts­ar­chi­tek­tur und lang­fris­ti­ger Nut­zung erreicht. Die Alt­las­ten wur­den gesi­chert, Wege geschaf­fen, Was­ser­flä­chen öko­lo­gisch auf­ge­wer­tet und die vor­han­de­nen Beson­der­hei­ten in ein neu­es Gesamt­kon­zept inte­griert.

Gera­de ange­sichts des Kli­ma­wan­dels und der zuneh­men­den Bedeu­tung inner­städ­ti­scher Grün­flä­chen ist die­ses Modell inter­es­sant. Parks bie­ten nicht nur Frei­zeit­mög­lich­kei­ten. Sie schaf­fen Auf­ent­halts­qua­li­tät, struk­tu­rie­ren Stadt­räu­me und kön­nen öko­lo­gi­sche Funk­tio­nen über­neh­men.

Ein Stück Wer­ni­ge­röder Iden­ti­tät

Heu­te ist der Bür­ger­park fest mit dem Bild Wer­ni­ge­ro­des ver­bun­den.

Die Stadt ist inter­na­tio­nal vor allem wegen ihrer his­to­ri­schen Fach­werk­ar­chi­tek­tur, des Schlos­ses und ihrer Lage am Harz bekannt. Der Bür­ger­park ergänzt die­ses tou­ris­ti­sche Bild um eine moder­ne Facet­te: Er steht für eine Stadt, die nicht nur his­to­ri­sche Sub­stanz bewahrt, son­dern auch neue Land­schafts­räu­me geschaf­fen hat.

Die ursprüng­li­che Idee der Lan­des­gar­ten­schau hat sich damit wei­ter­ent­wi­ckelt. Was 2006 als zeit­lich begrenz­te Prä­sen­ta­ti­on von Gar­ten­kunst und Land­schafts­ar­chi­tek­tur begann, ist zu einem dau­er­haf­ten Stück Stadt gewor­den.

Dass der Park auch 20 Jah­re nach der Lan­des­gar­ten­schau noch als Berei­che­rung wahr­ge­nom­men wird, zeigt sei­ne nach­hal­ti­ge Wir­kung. Zum Jubi­lä­ums­jahr 2026 wird aus­drück­lich dar­an erin­nert, dass die Lan­des­gar­ten­schau der Ursprung des Bür­ger­parks war. Der heu­ti­ge Park ver­bin­det nach wie vor Erho­lung, Natur­er­leb­nis und Frei­zeit­ge­stal­tung.

26 Jah­re Ent­wick­lung: Was aus einer Idee gewor­den ist

Blickt man auf die Ent­wick­lung seit den ers­ten poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen um die Jahr­tau­send­wen­de zurück, wird die Dimen­si­on des Pro­jekts deut­lich.

Aus einer Flä­che mit Alt­las­ten, Bau­schutt, Gewer­be­res­ten, leer­ste­hen­den Gebäu­den und schwer zugäng­li­chen Tei­chen wur­de zunächst ein Lan­des­gar­ten­schau­ge­län­de. Aus die­sem Aus­stel­lungs­ge­län­de ent­stand anschlie­ßend ein dau­er­haf­ter Land­schafts­park.

Dabei wur­den nicht ein­fach neue Blu­men­bee­te ange­legt. Es wur­den Alt­las­ten saniert, Wege­be­zie­hun­gen ver­bes­sert, Wohn­ge­bie­te ange­bun­den, Was­ser­flä­chen auf­ge­wer­tet und neue öffent­li­che Räu­me geschaf­fen.

Und genau dar­in liegt die eigent­li­che Erfolgs­ge­schich­te des Bür­ger­parks Wer­ni­ge­ro­de.

Die Lan­des­gar­ten­schau war das Ereig­nis – der Bür­ger­park ist das nach­hal­ti­ge Ergeb­nis.

Vom Pro­blem­ge­biet zur grü­nen Visi­ten­kar­te

Der Bür­ger­park Wer­ni­ge­ro­de ist heu­te weit mehr als das ehe­ma­li­ge Gelän­de einer Lan­des­gar­ten­schau.

Er ist Erho­lungs­raum, Gar­ten­land­schaft, Lern­ort, Fami­li­en­ziel, tou­ris­ti­sche Attrak­ti­on, öko­lo­gi­scher Aus­gleichs­raum und ver­bin­den­des Ele­ment der Stadt­ent­wick­lung. Sei­ne Geschich­te zeigt, wel­che Wir­kung eine muti­ge städ­te­bau­li­che Idee ent­fal­ten kann, wenn sie nicht mit dem Ende einer Ver­an­stal­tung abge­schlos­sen wird.

Vor gut einem Vier­tel­jahr­hun­dert stand an die­ser Stel­le vor allem die Fra­ge im Raum, wie mit einer schwie­ri­gen, teil­wei­se ver­müll­ten und belas­te­ten Flä­che umge­gan­gen wer­den soll­te. Heu­te ste­hen dort The­men­gär­ten, blü­hen­de Bee­te, Tei­che, Bio­to­pe, Spiel­be­rei­che und Aus­sichts­punk­te.

Die Geschich­te des Bür­ger­parks ist des­halb auch eine Geschich­te über einen Per­spek­tiv­wech­sel: Aus dem Unort wur­de ein Auf­ent­halts­ort. Aus der Bra­che wur­de Land­schaft. Aus einem zeit­lich begrenz­ten Gar­ten­schau­pro­jekt wur­de dau­er­haf­te Lebens­qua­li­tät für Wer­ni­ge­ro­de.

Und viel­leicht ist genau das die größ­te Leis­tung der Lan­des­gar­ten­schau 2006: Ihre wich­tigs­te Hin­ter­las­sen­schaft ist nicht die Erin­ne­rung an sechs Mona­te Gar­ten­schau, son­dern ein Park, den die Men­schen auch zwei Jahr­zehn­te spä­ter noch täg­lich nut­zen kön­nen.

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