Trotz Gewinn­ein­bruchs bei Daim­ler Truck: Bis­lang kei­ne Sor­gen um Stand­ort Hal­ber­stadt

Der Standort Halberstadt ist trotz des Gewinneinbruchs bei Daimler Truck offenbar noch nicht gefährdet
Der Standort Halberstadt ist trotz des Gewinneinbruchs bei Daimler Truck offenbar noch nicht gefährdet

Der Gewinn von Daim­ler Truck ist im zwei­ten Quar­tal 2026 nahe­zu hal­biert wor­den. Für das Glo­bal Parts Cen­ter in Hal­ber­stadt hat die schwie­ri­ge Lage des Nutz­fahr­zeug­her­stel­lers nach aktu­el­lem Stand jedoch kei­ne unmit­tel­ba­ren Fol­gen.

Das Unter­neh­men bestä­tigt, dass der Stand­ort im Harz bis­lang nicht von den wirt­schaft­li­chen Pro­ble­men betrof­fen ist. Auch die IG Metall bewer­tet die Per­spek­ti­ven des Ersatz­teil­lo­gis­tik­zen­trums ver­gleichs­wei­se posi­tiv.

Daim­ler Truck mit deut­li­chem Gewinn­ein­bruch

Die Zah­len des zwei­ten Quar­tals zei­gen, wie stark Daim­ler Truck der­zeit unter Druck steht. Das Kon­zern­er­geb­nis sank im Ver­gleich zum Vor­jah­res­zeit­raum um 48 Pro­zent auf 128 Mil­lio­nen Euro. Im zwei­ten Quar­tal 2025 hat­te Daim­ler Truck noch 245 Mil­lio­nen Euro ver­dient.

Dabei konn­te der Kon­zern sei­nen Umsatz sogar um fünf Pro­zent auf rund 12,3 Mil­li­ar­den Euro stei­gern. Auch beim Absatz ging es nach oben: Welt­weit ver­kauf­te Daim­ler Truck im zwei­ten Quar­tal 86.707 Last­wa­gen und Bus­se, acht Pro­zent mehr als im Vor­jah­res­quar­tal. Das ope­ra­ti­ve Ergeb­nis (EBIT) ging dage­gen um neun Pro­zent auf 360 Mil­lio­nen Euro zurück. Als wesent­li­che Belas­tung nennt der Kon­zern unter ande­rem die US-Zöl­le.

Beson­ders bemer­kens­wert ist die Ent­wick­lung bei Mer­ce­des-Benz Trucks: Die Spar­te stei­ger­te ihren Absatz im zwei­ten Quar­tal um zehn Pro­zent auf 38.970 Fahr­zeu­ge. Auch in Nord­ame­ri­ka wur­den mit 41.687 Nutz­fahr­zeu­gen acht Pro­zent mehr Fahr­zeu­ge ver­kauft.

War­um Hal­ber­stadt bis­lang nicht betrof­fen ist

Für das Daim­ler-Truck-Logis­tik­zen­trum in Hal­ber­stadt stellt sich die Situa­ti­on anders dar als für Tei­le des klas­si­schen Fahr­zeug­ge­schäfts. Das Glo­bal Parts Cen­ter ist auf die welt­wei­te Ersatz­teil­ver­sor­gung aus­ge­rich­tet. Von Hal­ber­stadt aus wer­den Ersatz­tei­le für Mer­ce­des-Benz Trucks an regio­na­le Logis­tik­zen­tren und Händ­ler in zahl­rei­chen Län­dern ver­schickt.

Nach Anga­ben von Daim­ler Truck ist das Geschäft in Hal­ber­stadt nicht unmit­tel­bar davon abhän­gig, wie vie­le neue Last­wa­gen ver­kauft wer­den. Genau dar­in liegt der­zeit ein wich­ti­ger Vor­teil des Stand­orts.

Denn selbst wenn Unter­neh­men weni­ger neue Nutz­fahr­zeu­ge kau­fen, müs­sen bereits vor­han­de­ne Lkw wei­ter­hin gewar­tet und repa­riert wer­den. Älte­re Fahr­zeu­ge kön­nen zudem län­ger im Ein­satz blei­ben – und benö­ti­gen ent­spre­chend Ersatz­tei­le.

IG Metall sieht Ersatz­teil­ge­schäft robust

Auch die IG Metall Hal­ber­stadt sieht des­halb aktu­ell kei­nen Grund zur Sor­ge. Nach Ein­schät­zung des Gewerk­schafts­ver­tre­ters Mat­thi­as Stickl könn­ten Schwie­rig­kei­ten im Neu­fahr­zeug­ge­schäft für die Ersatz­teil­lo­gis­tik sogar einen posi­ti­ven Neben­ef­fekt haben.

Blei­ben Fahr­zeu­ge län­ger auf der Stra­ße, steigt ten­den­zi­ell der Ver­schleiß. Damit wächst auch der Bedarf an Ersatz­tei­len. Nach Anga­ben der Gewerk­schaft läuft das Ersatz­teil­ge­schäft der­zeit gut.

Bereits im ver­gan­ge­nen Jahr hat­te die IG Metall nach eige­nen Anga­ben bei Daim­ler Truck nach­ge­fragt, ob der neue Stand­ort Hal­ber­stadt vom geplan­ten Per­so­nal­ab­bau betrof­fen sein könn­te. Damals sei mehr­fach ver­si­chert wor­den, dass Hal­ber­stadt nicht in das Per­so­nal­ab­bau­sze­na­rio ein­be­zo­gen wer­de.

500 Mil­lio­nen Euro für das Glo­bal Parts Cen­ter

Der Stand­ort ist für Daim­ler Truck zudem ein stra­te­gisch bedeu­ten­des Pro­jekt. Rund 500 Mil­lio­nen Euro inves­tier­te der Kon­zern in das Glo­bal Parts Cen­ter in Hal­ber­stadt.

Das Logis­tik­zen­trum ver­fügt in der ers­ten Aus­bau­stu­fe über rund 260.000 Qua­drat­me­ter Logis­tik­flä­che. Von hier sol­len bis zu 300.000 ver­schie­de­ne Ersatz­teil­ar­ti­kel bewegt wer­den. Das Zen­trum ver­sorgt mehr als 20 regio­na­le Logis­tik­zen­tren und knapp 3.000 Händ­ler in über 170 Län­dern.

Für den Stand­ort waren zunächst rund 650 Arbeits­plät­ze vor­ge­se­hen. Daim­ler Truck beschreibt Hal­ber­stadt als zen­tra­len Kno­ten­punkt für die welt­wei­te Ersatz­teil­ver­sor­gung von Mer­ce­des-Benz Trucks. Auch die Ver­sor­gung von Fuso in Euro­pa soll künf­tig über Hal­ber­stadt erfol­gen.

Spar­pro­gramm trifft Daim­ler Truck in Deutsch­land

Ganz ohne Risi­ken ist die Lage für die Beschäf­tig­ten des Kon­zerns aller­dings nicht. Daim­ler Truck arbei­tet mit dem Pro­gramm „Cost Down Euro­pe“ an einer deut­li­chen Sen­kung der Kos­ten. Bis spä­tes­tens 2030 sol­len die jähr­lich wie­der­keh­ren­den Kos­ten in Euro­pa um mehr als eine Mil­li­ar­de Euro redu­ziert wer­den.

In Deutsch­land ist dabei ein Abbau von rund 5.000 Stel­len vor­ge­se­hen. Beson­ders im Fokus steht die Mar­ke Mer­ce­des-Benz Trucks.

Für Hal­ber­stadt gibt es nach der­zei­ti­gem Stand jedoch kei­nen Hin­weis dar­auf, dass die­se Maß­nah­men auf das Glo­bal Parts Cen­ter aus­ge­wei­tet wer­den. Im Gegen­teil: Der Stand­ort befin­det sich erst in der Hoch­lauf­pha­se und wur­de als zen­tra­le Infra­struk­tur für das welt­wei­te After-Sales-Geschäft auf­ge­baut.

Daim­ler Truck bleibt trotz Gewinn­ein­bruch opti­mis­tisch

Trotz des Gewinn­ein­bruchs blickt Daim­ler Truck auf den wei­te­ren Jah­res­ver­lauf ver­gleichs­wei­se zuver­sicht­lich. Das Unter­neh­men hat sei­ne Pro­gno­se für 2026 ange­ho­ben. Erwar­tet wer­den unter ande­rem höhe­re Absatz­zah­len und eine gerin­ge­re Belas­tung durch Zöl­le im zwei­ten Halb­jahr.

Damit bleibt die Lage zwei­ge­teilt: Das Neu­fahr­zeug­ge­schäft steht unter erheb­li­chem Kos­ten- und Mar­gen­druck, wäh­rend das Ersatz­teil­ge­schäft von einem ande­ren Markt­me­cha­nis­mus pro­fi­tiert.

Für den Daim­ler-Truck-Stand­ort Hal­ber­stadt bedeu­tet das vor­erst: kei­ne Ent­war­nung für den gesam­ten Kon­zern, aber auch kei­nen kon­kre­ten Grund zur Sor­ge. Ent­schei­dend wird sein, wie sich die Nach­fra­ge nach Nutz­fahr­zeu­gen, die Zoll­be­las­tun­gen und das Ersatz­teil­ge­schäft in den kom­men­den Quar­ta­len ent­wi­ckeln.

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