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Städ­ti­sches Muse­um betei­ligt sich am 80. Gedenk­tag der Zer­stö­rung Hal­ber­stadts mit zwei Ver­an­stal­tun­gen

Fischmarkt mit Büttner-Ruine, 1988

Zwei Ver­an­stal­tun­gen sol­len im Städ­ti­schen Muse­um am 8. April an die Zer­stö­rung der Stadt Hal­ber­stadt erin­nern und den Wie­der­auf­bau doku­men­tie­ren. Um 14:00 Uhr wer­den die Mit­ar­bei­ter des Muse­ums aus dem Buch „Dem Gleich fehlt die Trau­er“ Zeit­zeu­gen noch ein­mal zu Wort kom­men las­sen. Nach der Lesung mit einer Bild­prä­sen­ta­ti­on der zer­stör­ten Stadt zeigt das Muse­um um 15:30 Uhr bei Kaf­fee und Gebäck den Film „Hal­ber­stadt erwacht zu neu­em Leben. Zwi­schen Apo­ka­lyp­se und Eupho­rie“. Bei­de Ver­an­stal­tun­gen fin­den im Foy­er des Städ­ti­schen Muse­ums, Dom­platz 36 statt. Der Ein­tritt ist frei.

 

Von der Zer­stö­rung zu einer lebens­wer­ten Stadt im neu­en Jahr­tau­send

Vor dem Zwei­ten Welt­krieg zähl­te Hal­ber­stadt zu den schöns­ten Fach­werk­städ­ten Nord­deutsch­lands. Der 8. April 1945 änder­te alles. In nur 24 Minu­ten war­fen ang­lo-ame­ri­ka­ni­sche Bom­ber 504 Ton­nen Spreng­bom­ben, 50 Ton­nen Brand­bom­ben sowie eine Men­ge Phos­phor­ka­nis­ter auf die Stadt. Hal­ber­stadt ver­wan­del­te sich in einen Vor­hof der Höl­le.

Nach Kriegs­en­de hat­te die Stadt nahe­zu ein Fünf­tel ihrer Bevöl­ke­rung ver­lo­ren und war eine ein­zi­ge Trüm­mer­wüs­te.

Mit enor­mem Über­le­bens­wil­len kämpf­ten die Hal­ber­städ­ter bereits zu die­ser Zeit um ihre Stadt. So prä­sen­tier­ten sie 1948 die Aus­stel­lung „Hal­ber­stadt ruft“. Sie war eine Auf­for­de­rung zur Hil­fe an die gesam­te Regi­on, vor allem an die nicht zer­stör­ten Städ­te und Gemein­den. Die Prä­sen­ta­ti­on demons­trier­te den Lebens­wil­len Hal­ber­stadts und sei­ner Ein­woh­ner. Doch auch zu Beginn der 1950er Jah­re bot Hal­ber­stadt, beson­ders im Stadt­zen­trum, immer noch ein Bild der Zer­stö­rung.

Das Natio­na­le Auf­bau­werk der DDR, eine in den 1950er Jah­ren gestar­te­te „Mas­sen­in­itia­ti­ve“ zur frei­wil­li­gen, gemein­nüt­zi­gen und unent­gelt­li­chen Arbeit, soll­te die Bau­be­reit­schaft der Bevöl­ke­rung vor­an­brin­gen. So wur­den eini­ge bedeu­ten­de his­to­ri­sche Gebäu­de wie­der­errich­tet, u. a. die Dom­props­tei und das Jagd­schloss in den Spie­gels­ber­gen. Bis 1960 konn­ten unter der Lei­tung des Archi­tek­ten Wal­ter Bol­ze (1913 bis 2001) die schwer zer­stör­ten Kir­chen, so der Dom, die Lieb­frau­en­kir­che und die Mar­ti­ni­kir­che, geret­tet wer­den. Die bei­den fol­gen­den Jahr­zehn­ten waren geprägt von Neu­bau­ten ent­spre­chend der gefor­der­ten sozia­lis­ti­schen Ent­wick­lung von Städ­te­bau und Archi­tek­tur in der DDR. Es domi­nier­ten Neu­bau­ten in Groß­block­bau­wei­se.

Die Alt­stadt, vom Bom­ben­an­griff am 8. April 1945 wei­test­ge­hend ver­schont, erhielt schon in den 1960er Jah­ren von staat­li­cher Sei­te die Ein­stu­fung einer „his­to­risch nicht wert­vol­len Fach­werk­sub­stanz“. Im Gene­ral­be­bau­ungs­plan von 1989 war der gesam­te West­teil der Alt­stadt für umfang­rei­che Abbruch­maß­nah­men vor­ge­se­hen.

Der Krieg, Man­gel­wirt­schaft und feh­len­de Arbeits­kräf­te für den Wie­der­auf­bau hin­ter­lie­ßen in der Stadt­mit­te eine ca. 6 Hekt­ar gro­ße Frei­flä­che. Bis zur Wen­de blieb das Zen­trum unbe­baut. Die­se Situa­ti­on bil­de­te eine ein­ma­li­ge Chan­ce. Am 3. Sep­tem­ber 1998 erhielt Hal­ber­stadt schließ­lich ein neu­es Zen­trum.

Die Alt­stadt stell­te sich zum Zeit­punkt der Wie­der­ver­ei­ni­gung als ein­zi­ger Trüm­mer­hau­fen dar. Mit der Dekla­rie­rung Hal­ber­stadts zur Modell­stadt für Stadt­sa­nie­rung in Sach­sen-Anhalt eröff­ne­te sich die Mög­lich­keit zur Ret­tung. Den Auf­takt bil­de­te am 31. Janu­ar 1991 die Ein­wei­hung der wie­der­errich­te­ten Peters­trep­pe.

Auch die Grup­pe „Reko statt Abriss e.V.“ setz­te sich für die Rekon­struk­ti­on der Alt­stadt ein.

Heu­te erstrahlt die Stadt in neu­em Glanz. Dom­platz und Alt­stadt bie­ten ein wun­der­ba­res Ensem­ble his­to­ri­scher Bebau­ung, das Zen­trum lädt zum Bum­meln und Ver­wei­len ein und noch im kom­men­den Jahr wird auch der Brei­te Weg wie­der zu dem, was er einst war: einer beleb­ten Stra­ße, die in Ein­heit mit Holz- und Fisch­markt das Stadt­zen­trum bil­det.

Foto: Jo Lux

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