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Städ­te- und Gemein­de­bund schlägt Alarm: Deut­sche Kom­mu­nen „flä­chen­de­ckend am Abgrund“

Zu Beginn des Jah­res 2026 schla­gen die kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­de in Deutsch­land Alarm: Vie­le Städ­te, Gemein­den und Land­krei­se sehen sich in einer tie­fen Finanz- und Leis­tungs-Kri­se, die das Funk­tio­nie­ren der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung mas­siv gefähr­det. Beson­ders deut­lich äußert sich die­ser Alarm­ruf beim Deut­schen Städ­te- und Gemein­de­bund (DStGB) – dem Ver­band, der die Inter­es­sen der rund 11 000 Städ­te und Gemein­den ver­tritt.

Finan­zi­el­le Mise­re: Defi­zi­te und Auf­ga­ben­über­las­tung

Ver­bands­vor­sit­zen­der Ralph Spieg­ler bezeich­net die Lage der Kom­mu­nen als „desas­trös“ und warnt davor, dass vie­le ört­li­che Haus­hal­te bereits „am Abgrund“ ste­hen. Ursa­chen hier­für sind vor allem stark stei­gen­de Aus­ga­ben – ins­be­son­de­re für sozia­le Leis­tun­gen – und gleich­zei­tig sta­gnie­ren­de oder sin­ken­de Ein­nah­men. Über die letz­ten Jah­re hat sich das Defi­zit der kom­mu­na­len Haus­hal­te dra­ma­tisch erhöht: Von rund 7,5 Mil­li­ar­den Euro im Jahr 2023 auf mehr als 30 Mil­li­ar­den Euro im Jahr 2025.

Ein zen­tra­les Pro­blem ist dabei die wach­sen­de Auf­ga­ben­last der Kom­mu­nen, die weit über ihre finan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten hin­aus­geht. Vie­le Leis­tun­gen, etwa aus dem Sozi­al- und Bil­dungs­be­reich oder Infra­struk­tur­pro­jek­ten, sind gesetz­lich vor­ge­schrie­ben, wer­den aber nicht in vol­lem Umfang finan­zi­ell aus­ge­gli­chen – nach dem Prin­zip „Wer bestellt, bezahlt“. Der DStGB for­dert des­halb einen wirk­sa­men Über­for­de­rungs­schutz, um die kom­mu­na­le Finanz­ho­heit und Leis­tungs­fä­hig­keit zu sichern.

Explo­die­ren­de Sozi­al­aus­ga­ben und Inves­ti­ti­ons­stau läh­men Gemein­de und Kom­mu­nen

Ein wesent­li­cher Kos­ten­trei­ber sind die Aus­ga­ben für sozia­le Leis­tun­gen. Die­se sind über die letz­ten Jahr­zehn­te stark gestie­gen und belas­ten die kom­mu­na­len Haus­hal­te über­pro­por­tio­nal – zumal sie in der Regel nur zum Teil durch kom­mu­na­le Ein­nah­men gedeckt wer­den.

Par­al­lel dazu wach­sen die Inves­ti­ti­ons­rück­stän­de dra­ma­tisch. Laut dem aktu­el­len KfW-Kom­mu­nal­pa­nel hat der Inves­ti­ti­ons­stau in deut­schen Kom­mu­nen inzwi­schen einen Rekord­stand von über 215 Mil­li­ar­den Euro erreicht. Beson­ders betrof­fen sind Schu­len, Stra­ßen und öffent­li­che Ein­rich­tun­gen, die drin­gend saniert oder erwei­tert wer­den müss­ten. Vie­le Vor­ha­ben müs­sen ver­scho­ben oder gestri­chen wer­den, weil die not­wen­di­gen Mit­tel nicht zur Ver­fü­gung ste­hen oder büro­kra­ti­sche Hür­den den Zugang zu För­der­gel­dern erschwe­ren.

Fol­gen für die kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung und Demo­kra­tie dra­ma­tisch

Die Finanz­kri­se hat unmit­tel­ba­re Aus­wir­kun­gen auf die Leis­tungs­fä­hig­keit der kom­mu­na­len Ver­wal­tung und die Lebens­qua­li­tät vor Ort. Haus­hal­te, die dau­er­haft defi­zi­tär sind, kön­nen nur noch das leis­ten, was gesetz­lich zwin­gend vor­ge­schrie­ben ist. Für dar­über hin­aus­ge­hen­de Leis­tun­gen feh­len die Mit­tel – etwa bei der Kul­tur- und Sport­för­de­rung, im öffent­li­chen Nah­ver­kehr oder in der Pfle­ge städ­ti­scher Infra­struk­tur.

Der DStGB und ande­re kom­mu­na­le Ver­bän­de war­nen, dass die­se Ent­wick­lung auch demo­kra­ti­sche Struk­tu­ren gefähr­det: Wenn Städ­te und Gemein­den ihre Auf­ga­ben nicht mehr erfül­len kön­nen, lei­det das Ver­trau­en der Bevöl­ke­rung in den Staat und sei­ne Insti­tu­tio­nen. Die Selbst­ver­wal­tung vor Ort, ein Grund­pfei­ler der deut­schen Demo­kra­tie, gerät somit zuneh­mend unter Druck.

For­de­run­gen und poli­ti­sche Reak­tio­nen so viel­fäl­tig wie die Pro­ble­me

Ange­sichts die­ser Lage hat der DStGB kon­kre­te For­de­run­gen an Bund und Län­der for­mu­liert:

· Finan­zi­el­le Kom­pen­sa­ti­on aller gesetz­li­chen Belas­tun­gen, die Bund und Län­der den Kom­mu­nen über­tra­gen (Über­for­de­rungs­schutz).

· Bes­se­re Ein­bin­dung der Kom­mu­nen in die Gesetz­ge­bung, wenn Rege­lun­gen finan­zi­el­le Aus­wir­kun­gen auf die ört­li­che Ebe­ne haben.

· Schnel­le und unbü­ro­kra­ti­sche Ver­tei­lung zusätz­li­cher Mit­tel, etwa aus dem Son­der­ver­mö­gen für Infra­struk­tur, damit Inves­ti­tio­nen vor Ort rea­li­siert wer­den kön­nen.

· Stär­ke­re Betei­li­gung an Steu­er- und Finanz­ver­tei­lungs­me­cha­nis­men, um lang­fris­tig sta­bi­le Ein­nah­men zu sichern. Bei poli­ti­schen Akteu­ren wächst das Bewusst­sein für die Pro­ble­ma­tik, doch kon­kre­te Beschlüs­se oder breit wirk­sa­me Maß­nah­men ste­hen noch aus. Anstel­le einer direk­ten finan­zi­el­len Sofort­hil­fe ver­weist die Bun­des­re­gie­rung laut Berich­ten teil­wei­se an die Bun­des­län­der, was in der kom­mu­na­len Pra­xis als unzu­rei­chend kri­ti­siert wird.

Der Alarm­ruf des Deut­schen Städ­te- und Gemein­de­bun­des ist Aus­druck einer struk­tu­rel­len Kri­se der kom­mu­na­len Finan­zen in Deutsch­land. Die Kom­bi­na­ti­on aus stei­gen­den Pflicht­auf­ga­ben, feh­len­der finan­zi­el­ler Kom­pen­sa­ti­on und gewal­ti­gen Inves­ti­ti­ons­staus führt dazu, dass vie­le Kom­mu­nen „am Abgrund“ ste­hen. Ohne poli­ti­sche Kor­rek­tu­ren droht eine Ver­schlech­te­rung der kom­mu­na­len Daseins­vor­sor­ge, die über ein­zel­ne Städ­te hin­aus Aus­wir­kun­gen auf das sozia­le und demo­kra­ti­sche Gefü­ge in Deutsch­land haben könn­te.

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