Der Ausschuss für Kinder, Jugend, Bildung, Ordnung und Tourismus der Stadt Osterode am Harz hat sich intensiv mit dem Thema Kinderarmut befasst. Im Mittelpunkt der Sitzung im Januar stand das Projekt „Chancenreich“, das gemeinsam von der Stadt, dem Landkreis Göttingen und dem DRK-Familienzentrum umgesetzt wird. Ziel ist es, bestehende Unterstützungsangebote besser zu vernetzen und Familien gezielter zu erreichen.
Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Jens Augat stellten Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten Institutionen die Entstehung des Projekts, seine Zielsetzung sowie erste Erfolge vor. Kinderarmut, so der Tenor, beschränke sich nicht allein auf finanzielle Engpässe, sondern wirke sich auf Bildung, Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe aus.
Entstehung und Aufbau des Netzwerks
Ausgangspunkt des Projekts war ein Austausch im Frühjahr 2024 zwischen Stadt und Landkreis, nachdem eine hohe Zahl armutsgefährdeter Kinder in Osterode festgestellt worden war. In der Folge entstand ein Netzwerk, das sich seit Anfang 2025 regelmäßig trifft und themenbezogen erweitert wird. Ziel ist es, Bedarfe frühzeitig zu erkennen, Angebote aufeinander abzustimmen und Doppelstrukturen zu vermeiden.
Kinderarmut in Zahlen und Lebensrealitäten
Die Kinderarmutsquote lag 2023 bei 15,4 Prozent und ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Besonders betroffen sind Familien mit kleinen Kindern in einzelnen Stadtbereichen wie der Kernstadt-Mitte und Dreilinden. Kinderarmut zeigt sich dabei in unterschiedlichen Formen – von materiellen Einschränkungen über soziale Isolation bis hin zu erschwertem Zugang zu kulturellen und gesundheitlichen Angeboten.
Ideen aus Politik und Praxis
Im Ausschuss wurden neben bestehenden Maßnahmen auch neue Ansätze diskutiert. Genannt wurden unter anderem ehrenamtliche Lotsinnen und Lotsen, Lesepatenschaften, eine stärkere Einbindung von Haus- und Kinderärzten sowie weiterführende soziale Analysen. Auch eine Zertifizierung als kinderfreundliche Kommune oder eine Teilnahme an Präventionsprogrammen wurden als mögliche nächste Schritte angesprochen.
Erste Maßnahmen und Förderungen
Bereits umgesetzt sind unter anderem der flächendeckende Zugang zu Kita- und Krippenplätzen, die kostenfreie Nutzung der Stadtbibliothek für Kinder sowie schulische Förderprogramme an zwei Schulen. Zudem erhält das Netzwerk eine Förderung in Höhe von 12.400 Euro für den Ausbau der Zusammenarbeit, Veranstaltungen und eine mehrsprachige Informationsbroschüre für Familien. Aktionen wie ein Kinderfest zum Weltkindertag und eine Nikolausaktion in Kindertagesstätten ergänzen die Arbeit vor Ort.
Mit dem Projekt „Chancenreich“ ist eine tragfähige Struktur entstanden, um Kinderarmut in Osterode langfristig entgegenzuwirken. Politik, Verwaltung und soziale Träger setzen dabei auf enge Zusammenarbeit und gemeinsame Verantwortung, um die Lebens- und Entwicklungschancen betroffener Kinder nachhaltig zu verbessern.
Foto: © Stadt Osterode am Harz




























