Anzeige

Pro­jek­te und Bau­ge­schich­te rund um Schloss Herz­berg

Beim För­der­ver­ein Schloss Herz­berg stan­den auf der Mit­glie­der­ver­samm­lung neben dem jähr­li­chen Geschäfts- und Kas­sen­be­richt auch ergän­zen­de Wah­len zum Vor­stand auf der Tages­ord­nung. Der Ver­ein konn­te Bür­ger­meis­ter Wag­ner herz­lich zur Ver­samm­lung begrü­ßen. In sei­nem Gruß­wort lob­te Wag­ner die guten Bezie­hun­gen zwi­schen Stadt und För­der­ver­ein. Es sei von gro­ßem Vor­teil, einen För­der­ver­ein für das Schloss zu haben, der bei­spiels­wei­se mit För­der­an­trä­gen Mit­tel beschaf­fen kann, zu denen die Stadt kei­nen Zugang hat.

Die Posi­ti­on des/der zwei­ten Vor­sit­zen­den war bei der letz­ten Vor­stands­wahl unbe­setzt geblie­ben, zudem war ein Bei­sit­zer aus gesund­heit­li­chen Grün­den aus­ge­schie­den. Ein neu­er Bei­sit­zer bzw. eine neue Bei­sit­ze­rin konn­te nicht gefun­den wer­den. Als zwei­ter Vor­sit­zen­der wur­de Bernd Schrö­der aus Herz­berg ein­stim­mig von der Ver­samm­lung gewählt. Außer­dem wur­de Rai­ner Holz­ap­fel als Kas­sen­prü­fer wie­der­ge­wählt.

In sei­nem Geschäfts­be­richt konn­te Vor­sit­zen­der Man­fred Kirch­ner zahl­rei­che Akti­vi­tä­ten des Ver­eins vor­stel­len. Ein Schwer­punkt war ein LEA­DER-Antrag des Ver­eins. Das Pro­jekt „Auf Augen­hö­he“ wur­de als LEA­DER-Pro­jekt geneh­migt und wird mit EU-Mit­teln sowie einer Co-Finan­zie­rung durch die Spar­kas­sen­stif­tung geför­dert. In die­sem Rah­men erhält der Ver­ein die Mög­lich­keit, eine Aus­stel­lung zur Bau­ar­chi­tek­tur des Schlos­ses und des Schloss­turms im Muse­um zu gestal­ten sowie die Bau­ge­schich­te anhand eines Schloss­mo­dells dar­zu­stel­len.

Ein wei­te­rer Schwer­punkt der Ver­eins­ar­beit lag auf dem The­ma „Schloss­gär­ten“. Hier­zu hat der Ver­ein in Zusam­men­ar­beit mit der Stadt, dem Land Nie­der­sach­sen, dem Amts­ge­richt, den Staats­fors­ten, dem Land­schafts­ver­band und dem Karst­wan­der­weg einen Pro­jekt­an­trag im Pro­gramm „Aller.Land“ ein­ge­reicht. Geplant ist ein Geschichts­er­leb­nis­pfad von der Stadt über den Schloss­berg. Zudem wur­de das The­ma „Außen­büh­nen am Schloss“ in die­sen Antrag auf­ge­nom­men. Über die För­de­rung wird im Juni die­ses Jah­res ent­schie­den. Unab­hän­gig davon wer­den der Geschichts­er­leb­nis­pfad und die Außen­büh­nen auch ohne För­der­mit­tel wei­ter vor­an­ge­trie­ben, so Kirch­ner.

Da die För­de­rung der Schloss­kon­zer­te aus­ge­lau­fen ist, sucht der Ver­ein nach neu­en Wegen, Schloss Herz­berg wei­ter­hin als kul­tu­rel­len Mit­tel­punkt und Leucht­turm der Regi­on zu prä­sen­tie­ren. Hier­zu fan­den in letz­ter Zeit ver­schie­de­ne Gesprä­che statt. Aktu­ell wird mit Unter­stüt­zung eines enga­gier­ten Ver­eins­mit­glieds ein Kon­zept erar­bei­tet.

Ein wei­te­res The­ma des Geschäfts­be­richts war der Inter­net­auf­tritt des Ver­eins. Hier sucht der Ver­ein noch Ver­stär­kung für die Betreu­ung und Gestal­tung der Web­site. Aber auch Unter­stüt­zung durch die Mit­glie­der in ande­ren Berei­chen, ins­be­son­de­re im Bereich Kul­tur, wäre wün­schens­wert und hilf­reich, so Kirch­ner. Schließ­lich bie­te sich durch Mit­ar­beit im Ver­ein die Chan­ce, aktiv mit­zu­ge­stal­ten.

Schatz­meis­ter Mar­co Died­rich konn­te einen posi­ti­ven Jah­res­ab­schluss prä­sen­tie­ren, der es dem Ver­ein erlaubt, in Pro­jek­te wie das LEA­DER-Pro­jekt oder das Schloss­gär­ten-Pro­jekt zu inves­tie­ren. Die Mit­glie­der­zahl blieb im ver­gan­ge­nen Jahr sta­bil, berich­te­te der Schatz­meis­ter. Dem Vor­stand wur­de von der Ver­samm­lung Ent­las­tung erteilt.

Vor­trag zur Bau­ge­schich­te von Schloss Herz­berg

Im Anschluss an die Mit­glie­der­ver­samm­lung hielt Man­fred Kirch­ner einen Vor­trag zur Bau­ge­schich­te des Schlos­ses um das Jahr 1800. Bei der Sich­tung von Akten zur Bau­for­schung wur­de deut­lich, dass ab etwa 1750 die Rol­le des Schlos­ses als fürst­li­che Resi­denz auf­ge­ge­ben wur­de. Neben der Nut­zung als Sitz des Amtes Herz­berg erfolg­te zuneh­mend eine wirt­schaft­li­che Umnut­zung des Gebäu­des.

Der ursprüng­li­che Plan, das Schloss als Staats­ge­fäng­nis ein­zu­rich­ten, wur­de ver­wor­fen. Statt­des­sen wur­de ein Groß­teil des Schlos­ses in ein Korn­ma­ga­zin umge­baut. Span­nend an die­ser Bau­ge­schich­te ist laut Kirch­ner die nach­hal­ti­ge Bau­wei­se: Aus­ge­bau­te Bal­ken wur­den an ande­rer Stel­le wie­der­ver­wen­det, Zie­gel­stei­ne von abge­bro­che­nen Schorn­stei­nen dien­ten zum Aus­mau­ern von Fach­wer­ken und Fens­ter­öff­nun­gen. Ins­ge­samt wur­den 115 Fens­ter und rund 15 Innen­wän­de ent­fernt. Die Sta­tik des Sie­ber­flü­gels wur­de mit zusätz­li­chen Stän­dern im Inne­ren des Gebäu­des ver­stärkt. Den­noch kam es zu Ris­sen in den Säu­len der Kel­ler­ge­wöl­be, wes­halb die­se durch Stahl­bän­der zusätz­lich gesi­chert wur­den.

Ins­ge­samt erfolg­te eine umfas­sen­de Nut­zungs­än­de­rung aller Gebäu­de­tei­le. So wur­de bei­spiels­wei­se die Schloss­ka­pel­le in einen Pfer­de­stall umge­wan­delt. In den Bau­for­schungs­ak­ten ist zudem von uner­war­te­ten grö­ße­ren Bau­schä­den die Rede – eine Par­al­le­le zu den heu­ti­gen Sanie­rungs­ar­bei­ten.

Um 1850 wur­de das Korn­ma­ga­zin auf Schloss Herz­berg wie­der auf­ge­ge­ben, nach­dem 1852 das Amts­ge­richt Herz­berg gegrün­det wur­de und zusätz­li­cher Raum­be­darf ent­stand. Auch die­se erneu­te Nut­zungs­än­de­rung führ­te zu umfang­rei­chen Bau­ar­bei­ten: Die Fens­ter muss­ten wie­der ein­ge­setzt und Büro­räu­me geschaf­fen wer­den.

Neben dem Korn­ma­ga­zin im Schloss wur­de um 1800 auch unter­halb des Schlos­ses beim Jäger­hof ein gro­ßes Korn­ma­ga­zin errich­tet. Die­ses wur­de jedoch nach 1860 wie­der abge­ris­sen. Ziel war es, die Ver­sor­gung von St. Andre­as­berg mit Korn zu erschwing­li­chen Prei­sen sicher­zu­stel­len. Heu­te befin­det sich an der Stel­le des ehe­ma­li­gen Korn­ma­ga­zins ein Umspann­werk der Harz-Ener­gie. Der Jäger­hof, der vie­len älte­ren Herz­ber­gern noch als Forst­haus bekannt war, wur­de 1970 abge­ris­sen.

Der För­der­ver­ein wird wei­ter­hin inter­es­san­te Vor­trä­ge zur Geschich­te und Bau­ge­schich­te des Schlos­ses anbie­ten und Bau­stel­len­füh­run­gen durch­füh­ren, soweit es die Bau­ar­bei­ten zulas­sen, so Man­fred Kirch­ner.

Foto: För­der­ver­ein Schloss Herz­berg e.V.

Anzeige

Anzeige