Die Nationalparkverwaltung Harz lehnt die geplante Durchführung eines Bundeswehr-Karrierecamps auf dem Brocken entschieden ab. Grund sind erhebliche naturschutzfachliche Bedenken: Auf der Brockenkuppe leben mehrere streng geschützte Tierarten, darunter die seltene Ringdrossel sowie Nord- und Zweifarbfledermäuse. Besonders die Ringdrossel hat dort ihr einziges bekanntes Brutgebiet im Umkreis von mehreren hundert Kilometern. Der Nationalpark verweist auf seine gesetzliche Verpflichtung, diesen empfindlichen Lebensraum zu schützen.
Das geplante Camp soll im Mai stattfinden und auch Hubschrauberlandungen sowie Tiefflüge beinhalten. Solche Eingriffe könnten brütende Vögel massiv stören oder zum Abbruch der Brut führen. Auch Fledermäuse reagieren laut Nationalparkverwaltung empfindlich auf akustische Reize und könnten ihre Quartiere verlassen. Der Brocken ist zudem Teil eines europäischen Schutzgebietsnetzes (FFH- und Vogelschutzgebiet Hochharz) und beherbergt weitere bedrohte Arten wie die Brockenanemone.
Alternative Standorte vorgeschlagen
Die Bundeswehr hat die Naturschutzbehörde des Nationalparks laut Mitteilung erst kurzfristig über das Vorhaben informiert. Neben dem ökologisch sensiblen Zeitraum – der Mai umfasst die Brutzeit vieler Arten sowie besucherstarke Feiertage – sieht die Nationalparkverwaltung auch organisatorische Probleme. Zwar hat sie keine rechtliche Handhabe zur Verhinderung des Camps, doch sie verweigert die Zustimmung zu Flügen im Schutzgebiet.
Stattdessen wurde der Bundeswehr ein alternativer Standort außerhalb des Nationalparks vorgeschlagen, ebenfalls mit Anbindung an die Harzer Schmalspurbahnen. Das Ziel, junge Menschen für den Dienst bei den Streitkräften zu begeistern, sei legitim – dürfe aber nicht zulasten gefährdeter Arten erfolgen. Die Nationalparkverwaltung erinnert daran, dass nur 0,6 Prozent der Landesfläche Deutschlands Nationalparken vorbehalten sind und diese Rückzugsräume daher besonders zu achten seien.
Foto: Kim Stey




























