Bildungspolitik steht im Mittelpunkt eines Leitantrags, den der Landesvorstand der Jungen Union Sachsen-Anhalt für den Landestag im Mai vorgelegt hat. Unter dem Titel Leistung fördern – Talente entfalten – Chancen ermöglichen skizziert der Verband ein umfassendes Reformkonzept für das Bildungssystem im Land. Ziel ist es, Leistungsorientierung zu stärken, Talente besser zu fördern und mehr junge Menschen zu einem Schulabschluss zu führen.
Nach Ansicht der Jungen Union verlassen noch immer zu viele Schülerinnen und Schüler die Schule ohne ausreichende Kompetenzen oder ohne Abschluss. Gleichzeitig stünden viele Lehrkräfte unter hoher Belastung, während Bildungserfolg häufig weiterhin von der sozialen Herkunft abhänge. Das Papier fordert daher strukturelle Veränderungen im gesamten Bildungssystem.
Lehrerberuf attraktiver gestalten
Ein Schwerpunkt des Konzepts liegt auf der Ausbildung und Unterstützung von Lehrkräften. Die Junge Union sieht Lehrerinnen und Lehrer als entscheidenden Faktor für gute Bildung und spricht sich für eine stärker praxisorientierte Ausbildung aus.
So soll das Lehramtsstudium für Grund‑, Förder- und Sekundarschulen perspektivisch dual organisiert werden, um Theorie und schulische Praxis enger miteinander zu verbinden. Auch der Vorbereitungsdienst soll stärker auf praktische Unterrichtserfahrung ausgerichtet werden. Gleichzeitig fordert der Verband mehr pädagogische Freiheit für Lehrkräfte und weniger Bürokratie im Schulalltag.
Frühkindliche Förderung und verpflichtende Vorschule
Um Bildungschancen früh zu verbessern, setzt der Antrag auf stärkere Förderung bereits vor der Einschulung. Vorgesehen ist unter anderem eine verpflichtende Vorschule in Kindertagesstätten.
Darüber hinaus sollen kurz vor der Einschulung verpflichtende Sprach- und Entwicklungsüberprüfungen stattfinden. Kinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen sollen zunächst gezielte Förderprogramme besuchen, bevor eine Einschulung erfolgt.
Neue Schulstruktur und klare Bildungswege
Langfristig schlägt die Junge Union eine veränderte Schulstruktur vor. Demnach sollen alle Kinder zunächst bis zur sechsten Klasse gemeinsam eine Grundschule besuchen. Erst danach würde der Wechsel auf weiterführende Schulformen erfolgen.
Für diesen Übergang sollen verbindliche Schullaufbahnempfehlungen eingeführt werden. Ziel ist es laut Antrag, Über- und Unterforderung zu vermeiden und Bildungswege stärker an Leistung und Fähigkeiten auszurichten.
Mehr Praxisbezug und Berufsorientierung
Auch der Praxisbezug in der Schule soll ausgebaut werden. Schülerinnen und Schüler sollen zwischen der achten und zehnten Klasse verpflichtende Praktika im Umfang von insgesamt 20 Tagen absolvieren.
Mindestens fünf Tage sollen in einem Handwerksbetrieb und fünf weitere in einer sozialen Einrichtung stattfinden. Ergänzend soll an Sekundar- und Förderschulen die Möglichkeit eines Praxislerntags geschaffen werden, bei dem Schülerinnen und Schüler regelmäßig Einblicke in Unternehmen erhalten.
Digitalisierung und berufliche Bildung
Im Bereich Digitalisierung fordert der Antrag eine flächendeckende Ausstattung von Schülerinnen und Schülern mit mobilen Endgeräten. Gleichzeitig sollen klassische Lernformen wie Bücher und handschriftliche Notizen weiterhin Bestandteil des Unterrichts bleiben.
Zudem betont die Junge Union die Bedeutung der beruflichen Ausbildung. Diese müsse stärker praxisorientiert gestaltet werden, um junge Menschen schneller und zugleich qualitativ hochwertig in Beschäftigung zu bringen.





























