Gernrode (red). Auf dem Friedhofsgelände in Gernrode stehen drei imposante Gruftanlagen aus massivem Sandstein, die seit Jahren ungenutzt sind. Diese oberirdischen Grabanlagen könnten jedoch bald eine neue Bestimmung finden: Die Friedhofsverwaltung der Welterbestadt Quedlinburg bietet sie bereits seit längerem als Urnen- oder Sarggrabstätten zur Pacht an. Das Interesse an einer der Gruften ist bereits geweckt, und damit eröffnet sich die Möglichkeit, diese historischen Stätten wieder nutzbar zu machen.
Die Interessenten, Herr Matthias Hahnemann und Herr Günter Rössner aus Stolberg, haben konkrete Wünsche für ihre Ruhestätte. Herr Hahnemann betont: „Ich möchte nicht verbrannt oder unter der Erde begraben werden.“ Im Gegensatz zur Erdbestattung wird bei einer Gruftbestattung der Sarg in einem speziell dafür vorgesehenen Raum abgestellt und nicht direkt der Erde übergeben. „Unter bestimmten Voraussetzungen, wie beispielsweise der Verwendung eines speziellen Gruftsargs, der aus Metall gefertigt ist oder zumindest einen Einsatz aus Metall hat, ist auch eine Sargbestattung in den Gruften möglich“, erklärt Hannelore Lorenz, Sachbearbeiterin der Friedhofsverwaltung. Ihr Ziel ist es, die Gruftanlagen in Gernrode wieder in eine aktive Nutzung zu bringen.
Die von Hahnemann/Rössner ins Auge gefasste Gruft auf der linken Seite beeindruckt durch Inschriften über der Eichentür und einer Ziegelkuppel, die bereits einmal renoviert wurde. Die mittig gelegene Gruft ist die größte der drei Anlagen und teilweise unterkellert, ihre Wände sind verputzt und tragen verschiedene Bibelsprüche. Die dritte Gruft, einst farblich dekoriert, weist an der Rückwand ein medaillonartiges Element mit einem Schriftzug auf.
Begleitend arbeitet Ortschronistin Sabine Schönebeck daran, die historischen Hintergründe der Gruften zu recherchieren. So gehörte die größte der drei Gruften einst den Schlossverwaltern „von Chemnitz“, während die Gruft rechts der Familie „Facklam“ zustand, die ein Sanatorium besaß. Die Eigentumsverhältnisse der linken Gruft, für die sich auch Hahnemann und Rössner interessieren, sind möglicherweise mit einer Familie Rabe verbunden, jedoch noch unbestätigt.
Um zu klären, ob die Gruften unter Denkmalschutz stehen und Fördermittel zur Verfügung stehen, wurde bereits eine Anfrage bei der Denkmalschutzbehörde gestellt. „Die Investitionskosten sind nicht unerheblich“, schätzt Hannelore Lorenz ein. „Vielleicht hat das mögliche Interessenten davon abgehalten, aktiv zu werden.“ Vor der ersten Beisetzung ist eine bauliche Instandsetzung der Gruft durch den jeweiligen Nutzungsberechtigten erforderlich, der auch für die laufende Pflege zuständig ist.
Im Rahmen eines Pachtmodells bietet die Welterbestadt Quedlinburg ein Nutzungsrecht an, das auf Antrag für 40 Jahre verliehen wird. Die einmalige Gebühr beträgt etwa 4.700 Euro. Eine Verlängerung des Pachtvertrags ist jederzeit möglich. Die Pächter übernehmen gleichzeitig für mehrere Jahrzehnte die Verantwortung für die Instandhaltung und Erhaltung der Gruftanlage.
Herr Hahnemann und Herr Rössner haben bereits auf anderen Friedhöfen, darunter in Quedlinburg und Leipzig, nach Bestattungsmöglichkeiten gesucht. Nachdem sie einen Artikel in der Mitteldeutschen Zeitung gelesen hatten, fand das Paar die Gruft auf dem Friedhof Gernrode besonders reizvoll.
Interessierte können sich gerne an Frau Lorenz wenden. Die Friedhofsverwaltung ist unter 03946/905871 erreichbar.
Foto: Welterbestadt Quedlinburg