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Hexen­wahn im Harz: War­um sich die Son­der­aus­stel­lung im Muse­um im Rit­ter­haus Oster­ode mor­gen beson­ders lohnt

Die Sonderausstellung „Hexenwahn. Glaube. Macht. Angst.“ im Museum im Ritterhaus in Osterode am Harz nimmt die Besucherinnen und Besucher auf eine eindrucksvolle Reise in die Zeit der Hexenprozesse mit.
Die Sonderausstellung „Hexenwahn. Glaube. Macht. Angst.“ im Museum im Ritterhaus in Osterode am Harz nimmt die Besucherinnen und Besucher auf eine eindrucksvolle Reise in die Zeit der Hexenprozesse mit.

Hexen­my­then tref­fen auf his­to­ri­sche Rea­li­tät

Der Harz ist wie kaum eine ande­re Regi­on Deutsch­lands mit Hexen­sa­gen, mys­ti­schen Wäl­dern und der Wal­pur­gis­nacht ver­bun­den. Doch hin­ter den Legen­den ver­birgt sich ein dunk­les Kapi­tel euro­päi­scher Geschich­te: die Hexen­ver­fol­gun­gen.

Genau die­sem Span­nungs­feld wid­met sich die Son­der­aus­stel­lung „Hexen­wahn. Glau­be. Macht. Angst.“ im Muse­um im Rit­ter­haus in Oster­ode am Harz, die Besu­che­rin­nen und Besu­cher auf eine ein­drucks­vol­le Rei­se in die Zeit der Hexen­pro­zes­se mit­nimmt.

Mehr als 70 Expo­na­te erzäh­len die Geschich­te der Hexen­ver­fol­gung

Mit mehr als 70 Expo­na­ten beleuch­tet die Aus­stel­lung die Zeit der Hexen­ver­fol­gun­gen zwi­schen dem spä­ten 15. und frü­hen 18. Jahr­hun­dert. Im Mit­tel­punkt ste­hen dabei nicht die roman­ti­schen Vor­stel­lun­gen moder­ner Hexen­my­then, son­dern die his­to­ri­schen Fak­ten einer Epo­che, in der Angst, reli­giö­ser Fana­tis­mus und poli­ti­sche Macht über das Schick­sal Tau­sen­der Men­schen ent­schie­den. Besu­cher erfah­ren, wie aus Gerüch­ten und Aber­glau­ben Ankla­gen wur­den, wes­halb Fol­ter als legi­ti­mes Mit­tel der Wahr­heits­fin­dung galt und war­um ins­be­son­de­re Frau­en, aber auch zahl­rei­che Män­ner, der Hexe­rei beschul­digt wur­den.

His­to­ri­sche Doku­men­te, ori­gi­na­le Expo­na­te und mul­ti­me­dia­le Insze­nie­run­gen ver­deut­li­chen ein­drucks­voll, wie eng Glau­be, Jus­tiz und gesell­schaft­li­che Kon­trol­le mit­ein­an­der ver­floch­ten waren. Schät­zun­gen zufol­ge ver­lo­ren wäh­rend der euro­päi­schen Hexen­ver­fol­gun­gen rund 60.000 Men­schen ihr Leben.

Das Muse­um im Rit­ter­haus schlägt die Brü­cke zur Har­zer Geschich­te

Das Muse­um im Rit­ter­haus zählt zu den bedeu­tends­ten kul­tur­his­to­ri­schen Muse­en im Süd­harz. Mit der Son­der­aus­stel­lung schlägt das Haus eine Brü­cke zwi­schen der euro­päi­schen Geschich­te der Hexen­ver­fol­gun­gen und den regio­na­len Ereig­nis­sen im Harz, wo Hexen­glau­be und Hexen­pro­zes­se das kul­tu­rel­le Gedächt­nis bis heu­te prä­gen.

Die Aus­stel­lung ist noch bis Mit­te Okto­ber 2026 zu sehen und rich­tet sich an Erwach­se­ne, Jugend­li­che sowie his­to­risch inter­es­sier­te Fami­li­en mit älte­ren Kin­dern.

War­um der Harz als Deutsch­lands Hexen­re­gi­on gilt

Kaum eine Land­schaft ist so eng mit Hexen ver­bun­den wie der Harz. Seit Jahr­hun­der­ten ran­ken sich Sagen und Legen­den um den Bro­cken, den mit 1.141 Metern höchs­ten Berg Nord­deutsch­lands. Bereits im Mit­tel­al­ter galt der Gip­fel als geheim­nis­vol­ler Ort, des­sen Nebel, Wet­ter­phä­no­me­ne und dich­te Wäl­der die Fan­ta­sie der Men­schen beflü­gel­ten.

Berühmt wur­de der Bro­cken vor allem durch die Wal­pur­gis­nacht vom 30. April auf den 1. Mai. Nach altem Volks­glau­ben ver­sam­mel­ten sich in die­ser Nacht Hexen auf dem Gip­fel, um gemein­sam mit dem Teu­fel zu fei­ern. Welt­wei­te Bekannt­heit erlang­te die­se Sage schließ­lich durch Johann Wolf­gang von Goe­thes „Faust“, in dem die Wal­pur­gis­nacht zu einer der ein­drucks­volls­ten Sze­nen der deut­schen Lite­ra­tur wur­de.

Wal­pur­gis­nacht lockt jedes Jahr Tau­sen­de Besu­cher in den Harz

Bis heu­te zieht die Wal­pur­gis­nacht jedes Jahr Zehn­tau­sen­de Besu­cher in den Harz. Orte wie Schier­ke, Tha­le, Braun­la­ge, Bad Grund oder auch Oster­ode fei­ern das tra­di­tio­nel­le Brauch­tum mit auf­wen­dig insze­nier­ten Umzü­gen, Thea­ter­auf­füh­run­gen, Musik und his­to­ri­schen Dar­stel­lun­gen.

Für vie­le Gäs­te gehört ein Besuch der Wal­pur­gis­fei­ern inzwi­schen eben­so zum Harz wie Wan­de­run­gen durch den Natio­nal­park oder eine Fahrt mit der Bro­cken­bahn.

Die grau­sa­me Wahr­heit hin­ter den Hexen­pro­zes­sen

Doch so fas­zi­nie­rend die Hexen­sa­gen auch erschei­nen mögen, die his­to­ri­sche Rea­li­tät war deut­lich grau­sa­mer. Zwi­schen dem 16. und 17. Jahr­hun­dert kam es im Harz eben­so wie in vie­len ande­ren Regio­nen Euro­pas zu zahl­rei­chen Hexen­pro­zes­sen.

Miss­ern­ten, Krank­hei­ten, Hun­gers­nö­te oder poli­ti­sche Kri­sen führ­ten häu­fig dazu, dass ver­meint­li­che Schul­di­ge gesucht wur­den. Gerüch­te reich­ten oft­mals aus, um Men­schen der Hexe­rei zu bezich­ti­gen. Unter Anwen­dung grau­sa­mer Fol­ter­me­tho­den wur­den Geständ­nis­se erzwun­gen, die nicht sel­ten in der Hin­rich­tung der Ange­klag­ten ende­ten.

Beson­ders Frau­en gerie­ten unter Ver­dacht, etwa weil sie als Heb­am­men arbei­te­ten, sich mit Heil­kräu­tern aus­kann­ten oder nicht den gesell­schaft­li­chen Erwar­tun­gen ent­spra­chen. Doch auch Män­ner wur­den Opfer der Hexen­ver­fol­gun­gen. Ent­ge­gen der weit ver­brei­te­ten Annah­me han­del­te es sich dabei kei­nes­wegs um ein Phä­no­men des Mit­tel­al­ters. Tat­säch­lich erreich­ten die Hexen­pro­zes­se ihren Höhe­punkt erst in der frü­hen Neu­zeit.

Die Son­der­aus­stel­lung setzt ein wich­ti­ges Zei­chen

Dass der Harz bis heu­te als Deutsch­lands bekann­tes­te Hexen­re­gi­on gilt, hat meh­re­re Grün­de. Die jahr­hun­der­te­al­ten Sagen rund um den Bro­cken, Goe­thes lite­ra­ri­sche Ver­ar­bei­tung der Wal­pur­gis­nacht, die zahl­rei­chen his­to­ri­schen Hexen­pro­zes­se in den Harz­städ­ten sowie die bis heu­te leben­di­ge Brauch­tums­pfle­ge haben das Bild der Regi­on nach­hal­tig geprägt.

Hin­zu kom­men Muse­en, Ver­an­stal­tun­gen und tou­ris­ti­sche Ange­bo­te, die das The­ma auf viel­fäl­ti­ge Wei­se auf­grei­fen und jähr­lich zahl­rei­che Besu­cher anzie­hen.

Gera­de des­halb bie­tet die Stadt Oster­ode am Harz mit der Son­der­aus­stel­lung „Hexen­wahn. Glau­be. Macht. Angst.“ im Muse­um im Rit­ter­haus einen wich­ti­gen Per­spek­tiv­wech­sel aus dem All­tag in einer der düs­ters­ten Epo­chen der euro­päi­schen Geschich­te. Sie macht deut­lich, dass sich hin­ter den bekann­ten Hexen­sym­bo­len, den Teu­feln und Dämo­nen kei­ne roman­ti­sche Mär­chen­welt ver­birgt, son­dern eine Geschich­te von Angst, Aus­gren­zung, Aber­glau­ben und Jus­tiz­irr­tü­mern bei Men­schen, die in ein unent­rinn­ba­res Räder­werk gerie­ten.

Wer sich für Geschich­te, Kul­tur oder die Mythen des Har­zes inter­es­siert, fin­det hier wie auf einer Zeit­rei­se weit mehr als eine klas­si­sche Muse­ums­aus­stel­lung. Die Ver­bin­dung aus wis­sen­schaft­lich fun­dier­ten Infor­ma­tio­nen, ein­drucks­vol­len Expo­na­ten und regio­na­lem Bezug regt dazu an, über Mecha­nis­men von Vor­ur­tei­len, Mas­sen­hys­te­rie und gesell­schaft­li­cher Aus­gren­zung nach­zu­den­ken – The­men, die bis heu­te nichts von ihrer Aktua­li­tät ver­lo­ren haben. In den betref­fen­den Jahr­hun­der­ten star­ben schät­zungs­wei­se 60.000 Men­schen durch den Hexen­wahn zumeist auf dem Schei­ter­hau­fen.

Gera­de in einer Regi­on, die welt­weit mit Hexen in Ver­bin­dung gebracht wird, besitzt die Aus­stel­lung des­halb eine beson­de­re Bedeu­tung. Sie trennt Mythos von his­to­ri­scher Rea­li­tät und zeigt ein­drucks­voll, wie aus Aber­glau­ben, Angst und Macht­stre­ben eines der dun­kels­ten Kapi­tel der euro­päi­schen Geschich­te ent­ste­hen konn­te

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