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Frü­he­res NS-Ent­bin­dungs­heim: Vom Lost Place zum mil­lio­nen­schwe­ren Hotel­pro­jekt im Harz

Hah­nen­klee (red). Lost Places, was sinn­ge­mäß so viel bedeu­tet wie „ver­las­se­ne Orte“ haben in den ver­gan­ge­nen Jah­ren eine regel­rech­te Com­mu­ni­ty aus Aben­teu­er­lus­ti­gen auf den Plan geru­fen, die Bau­rui­nen, ehe­ma­li­ge Fabrik­hal­len, Shop­ping Malls und Ähn­li­ches erkun­den. Gebäu­de, die von ihren ehe­ma­li­gen Besit­zern auf­ge­ge­ben wur­den und die nun ihrem Ver­fall über­las­sen sind. Auch der ehe­ma­li­ge Atom­re­ak­tor von Tscher­no­byl gehört dazu. Das Betre­ten die­ser Lie­gen­schaf­ten ist in aller Regel ver­bo­ten und lebens­ge­fähr­lich.

Die schau­rig-geis­ter­haf­te Atmo­sphä­re, die die­se Gebäu­de umgibt, übt des­halb auf nicht Weni­ge eine gewis­se Fas­zi­na­ti­on aus und Fern­seh­sen­der errei­chen mit Dokus über Lost Places hohe Ein­schalt­quo­ten. Nicht sel­ten ist die Geschich­te der Gebäu­de mit schreck­li­chen Ereig­nis­sen ver­bun­den.

Lost Place mit­ten im Harz: Das ehe­ma­li­ge Hotel Wald­gar­ten

Wäh­rend der NS-Zeit dien­te das ehe­ma­li­ge Hotel Wald­gar­ten als Ent­bin­dungs­heim. Mehr als 3.600 Kin­der wur­den damals in dem Har­zer Kur­ort Hah­nen­klee-Bocks­wie­se gebo­ren, obwohl der Ort noch in den 1930er Jah­ren kei­ne 900 Ein­woh­ner zähl­te. Wie kam es dazu?

Wäh­rend des Zwei­ten Welt­krie­ges gab es die Kin­der­land­ver­schi­ckung. Im Zuge der immer stär­ker zuneh­men­den Bom­bar­de­ments auf deut­sche Städ­te durch die Alli­ier­ten war es zu Ein­quar­tie­run­gen gekom­men. Kin­der und Jugend­li­che wur­den in die­sem Rah­men aus gefähr­de­ten Städ­ten in die länd­li­chen Regio­nen des Reichs eva­ku­iert.

Natio­nal­so­zia­lis­ten beschlag­nahm­ten Har­zer Hotels für das Kin­der­hilfs­werk

Das „Hilfs­werk Mut­ter und Kind“ der Nazis hat­te zu die­sem Zweck tou­ris­ti­sche Lie­gen­schaf­ten im Harz beschlag­nahmt. In die­sem Hilfs­werk wur­den „ari­sche“ Frau­en wäh­rend ihrer Schwan­ger­schaft beglei­tet. Aber auch jun­ge Müt­ter und deren Kin­der wur­den meist in requi­rier­ten Hotels unter­ge­bracht.

Zudem bot die NS-Füh­rung schwan­ge­ren Frau­en aus beson­ders bedroh­ten Gebie­ten an, ihre Kin­der unge­stört in eigens zu Ent­bin­dungs­hei­men umfunk­tio­nier­ten Hotels zur Welt zu brin­gen. Die­se Hei­me gab es auch ver­mehrt im Harz, was zu die­sen hohen Gebur­ten­ra­ten führ­te. Der­ar­ti­ge Hei­me gab es unter ande­rem in Bad Harz­burg, Bad Sach­sa und Nort­heim.

Hotel Wald­gar­ten in Hah­nen­klee hat eine beweg­te Geschich­te hin­ter sich

Am Orts­rand von Hah­nen­klee in der Lau­ten­tha­ler Stra­ße steht das ehe­ma­li­ge Hotel Wald­gar­ten. Es war im Jahr 1909 als Kur­ho­tel gebaut wor­den, bevor es im Ers­ten Welt­krieg zu einem Laza­rett umge­wid­met wur­de. Nach­dem der Krieg vor­über war, konn­ten sich dort wie­der Hotel­gäs­te erho­len. Mit­te Janu­ar des Jah­res 1940 gab es einen Groß­brand, dem erheb­li­che Tei­le des Hotels zum Opfer fie­len.

Die zer­stör­ten Gebäu­de­be­rei­che wur­den wie­der auf­ge­baut und das Hotel pro­fi­tier­te von einer Boom­pha­se des Tou­ris­mus im Harz, der in den 1950er Jah­ren begann und bis in die 70er Jah­re anhielt.

Hotel ist seit Jahr­zehn­ten ver­las­sen und ver­fällt – Ent­wick­ler pla­nen 4‑S­ter­ne-Hotel

Seit wann das Hotel Wald­gar­ten end­gül­tig geschlos­sen ist, weiß nie­mand mehr so genau. Vie­les deu­tet dar­auf hin, dass es dort zumin­dest 2002 noch Betrieb gege­ben haben muss. Seit­dem wird das Gebäu­de immer mehr zur Rui­ne und die Natur droht, das Hotel lang­sam für sich zu bean­spru­chen.

Weil Immo­bi­li­en-Ent­wick­ler in dem Are­al auf­grund der umlie­gen­den Wald­flä­chen und der Natur­nä­he jedoch gro­ßes Poten­zi­al sehen, gibt es ehr­gei­zi­ge Plä­ne für die Zukunft. Das ehe­ma­li­ge Hotel Wald­gar­ten soll abge­ris­sen und auf dem Grund ein neu­es 4‑S­ter­ne-Hotel gebaut wer­den. Feder­füh­rend ist dabei die Fami­lie Prien aus Gos­lar. Es ist geplant, auf dem Gelän­de ein Natur­ho­tel mit 104 Zim­mern und zwölf Sui­ten zu bau­en.

Bis es dazu kommt und die Pro­jek­tie­rung abge­schlos­sen ist, wird es jedoch noch eine gan­ze Wei­le dau­ern. Bis dahin wird den Ein­woh­nern von Hah­nen­klee ihr Lost Place erhal­ten blei­ben.

 

 

 

 

 

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