Wenn Nebelschwaden über das Hochplateau ziehen und kräftige Böen die Fichten auf dem Brocken durchstreifen, treffen klassische Wandergruppen zunehmend auf Menschen ohne Kleidung. Das sogenannte Nacktwandern sorgt am höchsten Berg Norddeutschlands für Aufmerksamkeit – und für unterschiedliche Reaktionen.
Was auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint, hat in Deutschland eine längere Tradition. Die Freikörperkultur ist seit mehr als einem Jahrhundert Teil gesellschaftlicher Strömungen, die Natürlichkeit, Selbstakzeptanz und individuelle Freiheit betonen. Das Wandern ohne Kleidung verstehen Anhänger nicht als Provokation, sondern als bewusste Form des Naturerlebens.
Unmittelbares Erleben der Natur
Mit seinen Moorflächen, weiten Wegen und markanten Ausblicken bietet der Nationalpark Harz vielfältige Eindrücke. Für Befürworter steht die intensive Wahrnehmung im Mittelpunkt: Wind, Sonne oder Regen werden direkt auf der Haut gespürt. Einige beschreiben das Erlebnis als besonders ursprünglich und befreiend.
Auch im Harz werden vereinzelt organisierte Touren angeboten. Dabei legen Initiatoren nach eigenen Angaben Wert auf klare Absprachen und gegenseitigen Respekt. Rücksicht gegenüber anderen Wandernden gilt als zentrale Voraussetzung.
Rechtlicher Rahmen und Rücksichtnahme
Rechtlich bewegt sich das Nacktwandern in Deutschland in einem tolerierten Bereich. Nacktheit allein stellt keinen Straftatbestand dar. Problematisch kann es werden, wenn sich andere erheblich gestört fühlen oder ordnungsrechtliche Vorschriften missachtet werden. Im Nationalpark stehen zudem die Naturschutzbestimmungen im Vordergrund.
Verantwortliche betonen die Bedeutung eines respektvollen Umgangs. Ein konfliktfreies Miteinander sei möglich, sofern Grenzen gewahrt bleiben.
Zwischen Verwunderung und Gelassenheit
Die Reaktionen auf dem Brocken fallen unterschiedlich aus. Manche zeigen sich überrascht, andere nehmen die Begegnung gelassen. Angesichts der Vielfalt der Besucher erscheint auch diese Form des Wanderns für einige als eine weitere Facette des Berges.
Gleichzeitig bleibt das Thema sensibel, insbesondere an stark frequentierten Tagen. Viele, die sich für diese Art des Naturerlebens entscheiden, wählen daher bewusst ruhigere Zeiten und abgelegenere Wege.





























