Energiearmut: Was bedeutet das und wer ist betroffen?
Von Energiearmut spricht man in der Regel dann, wenn ein Haushalt mehr als zehn Prozent seines Nettoeinkommens für Strom, Heizung und Warmwasser aufbringen muss. Dieser Wert dient häufig als Orientierung, um finanzielle Belastungen durch Energiekosten einzuordnen.
Menschen mit geringem Einkommen entscheiden sich oft bewusst für günstigere Wohnungen, um Mietkosten zu sparen. Allerdings befinden sich diese Wohnungen nicht selten in älteren oder energetisch schlechten Gebäuden. Veraltete Heizsysteme, Stromdirektheizungen, unzureichende Dämmung oder undichte Fenster und Türen führen dazu, dass viel Wärme verloren geht – und damit die Energiekosten steigen.
Um die Wohnung trotzdem ausreichend zu beheizen, muss häufig mehr Energie verbraucht werden. Viele Betroffene versuchen deshalb, an anderer Stelle zu sparen oder ihren Energieverbrauch möglichst stark zu reduzieren. Dennoch wächst für zahlreiche Haushalte das Risiko, in Energiearmut zu geraten.
Wenn das Geld knapp wird: Ausgaben besser kontrollieren
Steigen Abschläge oder Nebenkosten so stark an, dass finanzielle Probleme entstehen, sollten Verbraucher schnell einen Überblick über ihre Einnahmen und Ausgaben schaffen. Ein Haushaltsbuch kann dabei sehr hilfreich sein – egal ob klassisch auf Papier, in einer Excel-Tabelle oder per App.
Entscheidend ist, alle Ausgaben regelmäßig festzuhalten und am Monatsende Bilanz zu ziehen: Wie viel Geld bleibt übrig? Wo hätte gespart werden können? Welche Ausgaben lassen sich künftig reduzieren?
Was tun, wenn die Energiekosten nicht mehr bezahlbar sind?
Rechnungen richtig priorisieren
Miete sowie Strom- und Gasrechnungen sollten immer zuerst bezahlt werden – selbst dann, wenn andere Forderungen offen sind. Denn bei Zahlungsrückständen von mindestens zwei Abschlägen und insgesamt über 100 Euro kann eine Strom- oder Gassperre drohen.
Abschläge und Rechnungen prüfen
Kontrollieren Sie sorgfältig, ob die geforderten Beträge korrekt berechnet wurden, ob Preisbremsen berücksichtigt sind und der richtige Tarif verwendet wurde. Fehler kommen häufiger vor, als viele denken. Deshalb kann es sinnvoll sein, sich Unterstützung bei Beratungsstellen oder Verbraucherzentralen zu holen.
Anbieter vergleichen
Ein Wechsel des Energieanbieters kann helfen, Kosten zu senken. Der Vergleich verschiedener Tarife lohnt sich aktuell häufig und kann finanzielle Entlastung schaffen.
Rückstände beim Energieversorger: So gehen Sie vor
Zählerstand überprüfen
Da Abschläge auf geschätzten Verbrauchswerten basieren, sollten Sie zunächst Ihren aktuellen Zählerstand kontrollieren. Haben Sie weniger verbraucht als angenommen, melden Sie die korrekten Werte sofort an den Versorger. Dadurch können sich Abschläge und offene Forderungen reduzieren.
Kontakt zum Versorger aufnehmen
Können Sie offene Beträge nicht begleichen, sollten Sie frühzeitig das Gespräch mit Ihrem Energieversorger suchen. Grundversorger sind verpflichtet, bei drohender Sperre einen zinslosen Ratenplan anzubieten.
Wichtig dabei: Bei höheren Schulden muss die Rückzahlung in angemessenen Raten erfolgen. Zu kurze Laufzeiten können unter Umständen angefochten werden.
Unterstützung in Anspruch nehmen
Wenn die monatlichen Raten zu hoch sind, können Sozialamt oder Jobcenter unter bestimmten Voraussetzungen Darlehen für Energieschulden gewähren. Auch Wohlfahrtsverbände unterstützen in Notfällen teilweise finanziell.
Worauf Sie bei einer Ratenzahlung achten sollten
Halten Sie vereinbarte Raten unbedingt pünktlich ein. Bereits eine versäumte Zahlung kann dazu führen, dass die Vereinbarung hinfällig wird und eine Sperre unmittelbar umgesetzt werden darf.
Nach einer Sperre: So kommen Sie wieder an Energie
Begleichen Sie offene Forderungen möglichst schnell. Sobald die Schulden bezahlt sind, muss der Versorger die Versorgung wieder freischalten. Bei Strom geschieht dies meist innerhalb weniger Tage. Bei Gas kann sich die Wiederinbetriebnahme verzögern, da zusätzlich eine technische Sicherheitsprüfung erforderlich ist.
Falls Sie den gesamten Betrag nicht sofort zahlen können, versuchen Sie, mit dem Versorger eine Teilzahlung oder einen neuen Ratenplan zu vereinbaren.
Umzug oder Anbieterwechsel als Lösung?
Ein Umzug oder Wechsel des Energieanbieters verschafft meist nur kurzfristig Luft. Bestehende Schulden bleiben weiterhin bestehen und können später inklusive zusätzlicher Gebühren oder Inkassokosten eingefordert werden.
Was tun bei einer Energiesperre?
Eine Energiesperre verursacht oft zusätzliche Kosten, etwa durch Mahnungen, Sperr- und Entsperrgebühren oder Verzugszinsen. Deshalb ist es wichtig, möglichst früh Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Verbraucherzentralen, Schuldnerberatungen sowie Sozialbehörden bieten in vielen Bundesländern kostenlose Unterstützung bei Energieschulden und drohenden Versorgungssperren an. Darüber hinaus helfen Energieberatungen dabei, den Energieverbrauch langfristig zu senken und Kosten zu sparen.
































