Wie sah ein germanischer Fürst vor rund 1.700 Jahren aus? Dieser Frage gingen die Kinder der Kita Emerslebener Storchenkinder gemeinsam mit dem Städtischen Museum Halberstadt in einem Vermittlungsprojekt nach. Ihre Vorstellungen sind nun im Halberstädter Rathaus ausgestellt.
In mehreren Veranstaltungen lernten die Kinder die Geschichte der beiden Fürstengräber kennen, die 1941 in Emersleben entdeckt wurden. Die bedeutenden archäologischen Funde stammen aus der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts nach Christus.
Spurensuche nach dem Aussehen der Fürsten
Im Mittelpunkt des Projekts standen die beiden in Emersleben bestatteten Männer. Sie waren bei ihrem Tod zwischen 30 und 45 Jahre alt. Mit Körpergrößen von 1,73 und 1,80 Metern waren sie für ihre Zeit außergewöhnlich groß.
Gemeinsam mit der Archäologin Dr. Anne-Kathrin Kokles untersuchten die Kinder Hinweise auf das mögliche Erscheinungsbild der Männer. Bild- und Schriftquellen zeigen, dass germanische Männer häufig langes Haar trugen, das zu einem charakteristischen Knoten gebunden werden konnte. Auch gepflegte Bärte gehörten vermutlich zu ihrem Erscheinungsbild. Ein Kamm aus einem der Gräber weist zudem auf die Bedeutung der Körperpflege hin.
Weitere Grabbeigaben gaben Aufschluss über Kleidung und gesellschaftlichen Rang. Eine silberne Gewandspange hielt vermutlich einen Umhang zusammen. Wertvoller Goldschmuck unterstrich die herausgehobene Stellung der Verstorbenen. Die Kinder gestalteten den Schmuck mit glitzernder Folie nach und beschäftigten sich so spielerisch mit den Fundstücken.
Anschließend hielten sie ihre Vorstellungen von den Emerslebener Fürsten in farbenfrohen Bildern fest. Die Arbeiten sind vor dem Ratssitzungssaal im Halberstädter Rathaus zu sehen.
Fachtagung zu den Fürstengräbern
Am 28. und 29. August 2026 veranstaltet das Städtische Museum Halberstadt im Rathaus die wissenschaftliche Fachtagung Reich und schön? Die Fürstengräber der jüngeren Römischen Kaiserzeit aus Emersleben. Anlass ist der 85. Jahrestag der Entdeckung der Gräber.
Fachleute aus dem In- und Ausland wollen die außergewöhnlichen Funde neu bewerten und in den Zusammenhang europäischer Prunkgräber aus der Römischen Kaiserzeit einordnen. Zudem stehen aktuelle Forschungsergebnisse zu Gesellschaft, Bestattungssitten, Mobilität und Handel auf dem Programm.
Mit dem Vermittlungsprojekt möchte das Museum wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich machen und die Begeisterung für die archäologischen und kulturellen Schätze der Region stärken.
Die Kunstwerke der Kinder können bis zum 1. Oktober 2026 während der Öffnungszeiten kostenfrei im Halberstädter Rathaus besichtigt werden.
Foto: Städtisches Museum Halberstadt































