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Ein Jahr „Citi­zen Sci­ence“ im Natio­nal­park Harz: Schlan­gen­mo­ni­to­ring unter Mit­hil­fe der Bevöl­ke­rung

Wer­ni­ge­ro­de (red). Im März ver­gan­ge­nen Jah­res rief die Natio­nal­park­ver­wal­tung Harz dazu auf, Schlan­gen­be­ob­ach­tun­gen im Groß­schutz­ge­biet zu mel­den. Nun, nach einem Jahr, zieht das Pro­jekt eine posi­ti­ve Bilanz: Ins­ge­samt 136 Mel­dun­gen gin­gen zwi­schen März und Novem­ber ein – eine weit höhe­re Reso­nanz, als ursprüng­lich erwar­tet.

„Die Reso­nanz war wirk­lich posi­tiv. Ins­ge­samt 136 Mel­dun­gen zwi­schen März und Novem­ber waren ein Viel­fa­ches von dem, was ich zu Beginn des Pro­jekts erwar­tet hat­te“, berich­tet Wis­sen­schaft­ler Fabi­an Schwarz, der das Pro­jekt betreut. „Daher auch noch ein­mal ein herz­li­ches Dan­ke­schön an alle, die sich die Mühe gemacht haben, ihre Beob­ach­tun­gen zu doku­men­tie­ren und der Natio­nal­park­ver­wal­tung zu mel­den.“

Citi­zen Sci­ence: Ein wich­ti­ger Bei­trag zur For­schung

Sol­che „Citi­zen Science“-Projekte, bei denen Lai­en wis­sen­schaft­li­che Daten sam­meln, sind in den Umwelt­wis­sen­schaf­ten eine eta­blier­te Metho­de. Sie ermög­li­chen die Erfas­sung von Daten, die auf­grund per­so­nel­ler oder finan­zi­el­ler Ein­schrän­kun­gen sonst nicht in die­sem Umfang gewon­nen wer­den könn­ten.

Da die geziel­te Suche nach Rep­ti­li­en zeit­in­ten­siv und auf­wen­dig ist, ent­schied sich die Natio­nal­park­ver­wal­tung Harz, über Zufalls­be­ob­ach­tun­gen der Bevöl­ke­rung Erkennt­nis­se über das Vor­kom­men von Schlan­gen im Natio­nal­park, ins­be­son­de­re der Kreuz­ot­ter, zu sam­meln.

Von den ein­ge­gan­ge­nen Mel­dun­gen hat­ten 59 % eine aus­rei­chend hohe Daten­qua­li­tät, sodass sie in die Art­da­ten­bank des Natio­nal­parks auf­ge­nom­men wur­den. Vor­aus­set­zung dafür war ein Foto zur Art-Iden­ti­fi­ka­ti­on sowie eine kon­kre­te Anga­be von Fund­ort und Datum. Beson­ders bedeu­tend sind 16 gesi­cher­te Nach­wei­se der Kreuz­ot­ter, die jedoch ledig­lich an zwei bereits bekann­ten Stand­or­ten erfolg­ten. Neue Kreuz­ot­ter­vor­kom­men wur­den nicht ent­deckt.

Trotz­dem sieht die Natio­nal­park­ver­wal­tung die ver­gleichs­wei­se gro­ße Zahl an Kreuz­ot­ter­be­ob­ach­tun­gen als ermu­ti­gen­des Zei­chen für den Fort­be­stand die­ser in Sach­sen-Anhalt vom Aus­ster­ben bedroh­ten Art.

Daten mehr­heit­lich außer­halb des Natio­nal­parks gesam­melt

Ein uner­war­te­tes Ergeb­nis des Pro­jekts: Die meis­ten Mel­dun­gen stamm­ten nicht aus dem Natio­nal­park­ge­biet selbst, son­dern aus dem umlie­gen­den Harz und des­sen Vor­land. Ledig­lich neun Fund­or­te lagen tat­säch­lich inner­halb des Natio­nal­parks.

Fabi­an Schwarz sieht dar­in jedoch kein Pro­blem: „Die Daten sind trotz­dem sehr wert­voll und wer­den an die zustän­di­gen Natur­schutz­be­hör­den außer­halb des Natio­nal­parks wei­ter­ge­ge­ben.“ Die ver­gleichs­wei­se weni­gen Mel­dun­gen aus dem Natio­nal­park könn­ten dar­auf zurück­zu­füh­ren sein, dass die abge­le­ge­nen Gebie­te schwe­rer zugäng­lich sind und daher sel­te­ner zufäl­li­ge Beob­ach­tun­gen gemacht wur­den. Alter­na­tiv könn­te es auch sein, dass höher gele­ge­ne Regio­nen des Har­zes für Schlan­gen gene­rell unge­eig­net sind – eine end­gül­ti­ge Ant­wort dar­auf gibt es bis­lang nicht.

Pro­jekt wird 2025 fort­ge­führt

Auf­grund des gro­ßen Erfolgs wird das Pro­jekt 2025 fort­ge­setzt. Die Natio­nal­park­ver­wal­tung ruft wei­ter­hin dazu auf, Schlan­gen­be­ob­ach­tun­gen zu mel­den – am bes­ten per E‑Mail an fabian.schwarz@npharz.de oder tele­fo­nisch unter 03943/2628227.

Wich­tig: Ein Foto des Tie­res erleich­tert die ein­deu­ti­ge Bestim­mung und erhöht den wis­sen­schaft­li­chen Wert der Mel­dung erheb­lich. Auch Beob­ach­tun­gen ande­rer Rep­ti­li­en­ar­ten sind für die For­schung wert­voll und kön­nen nach dem­sel­ben Prin­zip über­mit­telt wer­den.

Foto: Fabi­an Schwar

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