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Bun­des­bank: Immer mehr Deut­sche haben kei­ne Erspar­nis­se – trotz Rekord­ver­mö­gen

Vermögensungleichheit trifft vor allem die untere Mittelschicht
Die Armut in Deutschland wächst - der Reichtum auch

Deutsch­lands Geld­ver­mö­gen wächst auf his­to­ri­sche Höchst­stän­de. Doch hin­ter den glän­zen­den Zah­len der Bun­des­bank ver­birgt sich eine bit­te­re sozia­le Wahr­heit: Die Sche­re zwi­schen „Cash-Mil­lio­nä­ren“ und Men­schen ohne einen Cent Rück­la­ge klafft so weit aus­ein­an­der wie nie zuvor.

Die glän­zen­de Fas­sa­de: Bil­lio­nen auf den Kon­ten

Es klingt nach einer wirt­schaft­li­chen Erfolgs­ge­schich­te. Laut aktu­el­len Daten der Deut­schen Bun­des­bank hat das Geld­ver­mö­gen der pri­va­ten Haus­hal­te in Deutsch­land die Mar­ke von 7,7 Bil­lio­nen Euro über­schrit­ten. Noch nie waren die Deut­schen – rein rech­ne­risch – so reich. Nied­ri­ge Arbeits­lo­sen­quo­ten und ordent­li­che Tarif­ab­schlüs­se der letz­ten Jah­re haben die Spar­sum­men in der Theo­rie nach oben getrie­ben.

Doch der Durch­schnitts­wert ist tückisch. Er funk­tio­niert wie der sprich­wört­li­che „hal­be Hähnchen“-Vergleich: Wenn einer zwei isst und der ande­re kei­nes, haben bei­de sta­tis­tisch gese­hen eines geges­sen. Satt ist trotz­dem nur einer.

Die nack­te Rea­li­tät: Jeder Vier­te ohne Erspar­nis­se

Trotz die­ser Rekord­wer­te zeigt die Rea­li­tät in deut­schen Wohn­zim­mern ein ande­res Bild. Reprä­sen­ta­ti­ve Umfra­gen und Daten von Wirt­schafts­for­schungs­in­sti­tu­ten ver­deut­li­chen:

Rund 25 % der Haus­hal­te besit­zen kei­ner­lei liqui­de Rück­la­gen. Uner­war­te­te Aus­ga­ben, wie eine kaput­te Wasch­ma­schi­ne oder eine Auto­re­pa­ra­tur, füh­ren bei Mil­lio­nen Men­schen sofort in den Dis­po­kre­dit.

Beson­ders betrof­fen sind Allein­er­zie­hen­de, Gering­ver­die­ner und zuneh­mend auch die unte­re Mit­tel­schicht.

Infla­ti­on, stei­gen­de Steu­ern und Abga­ben wer­den zur Armuts­fal­le

Dass die Erspar­nis­se schwin­den, wäh­rend das Gesamt­ver­mö­gen steigt, hat hand­fes­te Grün­de. Die Infla­ti­on der ver­gan­ge­nen Jah­re hat die Kauf­kraft mas­siv aus­ge­höhlt. Zwar stei­gen die Löh­ne, doch die Fix­kos­ten für Mie­te, Ener­gie und Lebens­mit­tel sind oft schnel­ler gewach­sen.

„Vie­le Haus­hal­te leben von der Hand in den Mund. Was am Ende des Monats übrig bleibt, wird von den gestie­ge­nen Lebens­hal­tungs­kos­ten auf­ge­fres­sen, bevor es auf einem Spar­kon­to lan­den kann“, erklärt ein Finanz­ex­per­te.

Ver­mö­gens­kon­zen­tra­ti­on: Wer hat, dem wird gege­ben

Ein wesent­li­cher Fak­tor für das Rekord­ver­mö­gen ist die Wert­ent­wick­lung von Akti­en und Immo­bi­li­en. Wer bereits über Kapi­tal ver­fügt, konn­te von den Kurs­ge­win­nen der letz­ten Jah­re pro­fi­tie­ren.

Wer jedoch kein Start­ka­pi­tal hat, fin­det kaum noch den Ein­stieg in den Ver­mö­gens­auf­bau. So ver­fes­tigt sich eine Struk­tur, in der das Geld­ver­mö­gen am obe­ren Ende der Pyra­mi­de kon­zen­triert bleibt, wäh­rend die Basis brö­ckelt.

Kei­ne Erspar­nis­se sind Risi­ko für die Alters­vor­sor­ge

Das Feh­len von Erspar­nis­sen ist kein rei­nes Pro­blem der Gegen­wart. Wer heu­te nicht spa­ren kann, steu­ert im Alter unwei­ger­lich auf die Alters­ar­mut zu. Das Rekord­ver­mö­gen im Land mag die Volks­wir­te beru­hi­gen, doch für den sozia­len Zusam­men­halt ist die wach­sen­de Zahl der „Null-Euro-Spa­rer“ ein Warn­si­gnal, das Poli­tik und Gesell­schaft nicht igno­rie­ren dür­fen.

 

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