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Trotz aku­ter Wald­brand­ge­fahr: Nie­der­sach­sen ent­schei­det sich gegen Lösch­flug­zeug

Braun­la­ge (red). All­jähr­lich wird die Regi­on in wie­der­keh­ren­der Regel­mä­ßig­keit von ver­hee­ren­den Wald­brän­den heim­ge­sucht. Um die­ser Gefahr zu begeg­nen, hat­te der Land­kreis Harz unlängst einen Fünf-Jah­res-Ver­trag unter­schrie­ben, der ein Flug­zeug und einen erfah­re­nen Pilo­ten aus Polen beinhal­tet. Für das Land Nie­der­sach­sen sieht es aller­dings anders aus. Es fehlt die not­wen­di­ge Unter­stüt­zung aus dem Bund für den Betrieb eines Lösch­flug­zeugs.

Wie aus dem Land­rats­amt ver­lau­tet, sei der Land­kreis Harz der ein­zi­ge Land­kreis in Deutsch­land, der bei Wald- und Vege­ta­ti­ons­brän­den auf das Zusam­men­spiel von Kräf­ten am Boden und einem Lösch­flug­zeug setzt. Das Flug­zeug ist in Bal­len­stedt in Sach­sen-Anhalt sta­tio­niert und für etwa­ige Brand­ka­ta­stro­phen ein­satz­be­reit.

Nie­der­sach­sen: Hub­schrau­ber für Lösch­ein­sät­ze bes­ser geeig­net

Der Ver­trag für die bei­den Lösch­flug­zeu­ge, die in den Jah­ren 2023 und 2024 auf dem Flug­ha­fen in Braun­schweig bereit­stan­den, wur­de vom Bund nicht ver­län­gert, da die nöti­gen Finanz­mit­tel nicht zur Ver­fü­gung ste­hen. Nach Aus­sa­ge des Innen­mi­nis­te­ri­ums sei der Ein­satz der Maschi­nen von Anfang an auf zwei Jah­re begrenzt gewe­sen.

Die Flug­zeu­ge stan­den in ers­ter Linie als deut­sche Res­sour­ce für den euro­päi­schen Kata­stro­phen­schutz bereit, hieß es. Für 2025 feh­le dem Bund das Geld, so das Minis­te­ri­um. Ohne den Zuschuss aus Bun­des­mit­teln wer­de man die Lösch­flug­zeu­ge nicht wei­ter betrei­ben. In einer Pres­se­mit­tei­lung aus Han­no­ver heißt es, der Bund habe die „not­wen­di­ge“ Mit­fi­nan­zie­rung unter Ver­weis auf feh­len­de Haus­halts­mit­tel zurück­ge­zo­gen.

Statt­des­sen wird sich Nie­der­sach­sen auf sei­ne Hub­schrau­ber ver­las­sen. Die­se sei­en für den Ein­satz im Land bes­ser geeig­net und viel­sei­ti­ger ein­setz­bar.

Nie­der­sach­sen hat EU-Zuschuss für Lösch­flug­zeug-Lea­sing nicht bean­tragt – Ent­schei­dung stößt in Ein­satz­krei­sen auf Unver­ständ­nis

Vor allem bei der Har­zer Feu­er­wehr bedau­ert man die Ent­schei­dung des Lan­des Nie­der­sach­sen. Gleich­zei­tig ruft sie auch Kopf­schüt­teln her­vor. Die Som­mer wer­den immer tro­cke­ner, die Bekämp­fung der Wald­brän­de immer anspruchs­vol­ler. Vor die­sem Hin­ter­grund ist es den meis­ten Ein­satz­kräf­ten nicht ver­mit­tel­bar, dass das Land Nie­der­sach­sen auf ein Brand­be­kämp­fungs­in­stru­ment wie ein Lösch­flug­zeug ver­zich­tet.

Dass der Harz­kreis ein – immer­hin gemie­te­tes – Lösch­flug­zeug unter­hält, das mit jähr­li­chen Vor­hal­tungs­kos­ten von 267.000 Euro zu Buche schlägt, Nie­der­sach­sen aber offen­bar nicht in der Lage ist, die Zuschüs­se aus der Euro­päi­schen Uni­on für das Lea­sing von Lösch­flug­zeu­gen abzu­ru­fen, ver­steht nie­mand.

Wie auf der „Tita­nic“: Innen­mi­nis­te­ri­um sieht Land auch ohne Lösch­flug­zeu­ge „gut auf­ge­stellt“

In Han­no­ver ist sich das Minis­te­ri­um nicht nur sicher, dass Hub­schrau­ber neben ihrer Agi­li­tät auch bes­ser mit Lösch­mit­teln und Treib­stoff befüllt wer­den könn­ten – all­ge­mein herrscht die Über­zeu­gung vor, dass Nie­der­sach­sen auch ohne Flug­zeu­ge „gut auf­ge­stellt sei“, um der Wald­brand­ge­fahr zu trot­zen. Bei der Feu­er­wehr sieht man das aller­dings anders. Je mehr ver­schie­de­ne Ein­satz­mit­tel zur Ver­fü­gung stün­den, des­to bes­ser gestal­te sich die Brand­be­kämp­fung.

Wie es aus Feu­er­wehr­krei­sen heißt, sei­en Flug­zeu­ge durch­aus effek­ti­ver als Hub­schrau­ber. Sie könn­ten 2.000 Liter Was­ser auf­neh­men, wäh­rend es die momen­tan im Ein­satz befind­li­chen Heli­ko­pter ledig­lich auf 680 Liter bräch­ten. Neue Hub­schrau­ber könn­ten natür­lich auch grö­ße­re Men­gen Was­ser trans­por­tie­ren, aber bis die­se beschafft sind, müss­ten lang­wie­ri­ge Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren durch­lau­fen wer­den.

Hub­schrau­ber­ein­satz: Nie­der­sach­sen wähnt sich in trü­ge­ri­scher Sicher­heit

Indes war aus der Kreis­brand­meis­te­rei zu ver­neh­men, dass es ein fata­ler Feh­ler sein könn­te, sich nur auf die Heli­ko­pter zu ver­las­sen – vor allem dann, wenn im Raum Gos­lar ein Groß­brand aus­bricht. In einem Sze­na­rio, in dem die Hub­schrau­ber zu die­sem Zeit­punkt etwa bei einer Groß­ver­an­stal­tung im Ein­satz sind, wäre man dar­auf ange­wie­sen, das Flug­zeug aus Bal­len­stedt anzu­for­dern. Even­tu­ell müss­te auf­grund der poli­ti­schen Ent­schei­dung, auf eige­ne Flug­zeu­ge zu ver­zich­ten, eine wei­te­re Maschi­ne aus Polen geschickt wer­den.

Dass die­ses Sze­na­rio gar nicht so abwe­gig ist, zei­gen eini­ge Anfra­gen nach der Maschi­ne aus Bal­len­stedt aus ande­ren Land­krei­sen, die den Harz­kreis bereits erreicht haben. Unter ande­rem wur­de bekannt, dass auch Göt­tin­gen mitt­ler­wei­le eine Unter­stüt­zungs­an­fra­ge gestellt hat.

Foto: pix­a­bay

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