Der zweite Abend des Mordsharz-Festivals in Goslar stand im Zeichen düsterer Geschichten und aufwendig recherchierter Stoffe. Im Großen Heiligen Kreuz präsentierten Andrea Mara, Anne Stern und Oliver Bottini ihre aktuellen Bücher.
Mit Andrea Mara war erstmals eine irische Autorin beim Mordsharz-Festival zu Gast. Sie stellte ihren Thriller Alles ihre Schuld vor. Darin will eine Mutter ihren Sohn von einem Treffen bei Freunden abholen, muss jedoch feststellen, dass an der angegebenen Adresse niemand die Familie oder ihren Sohn kennt.
Die Idee für die Geschichte geht auf ein eigenes Erlebnis der Autorin zurück. Mara berichtete, dass sie ihr Kind einmal von einem Playdate abholen wollte und vor einem scheinbar leerstehenden Haus landete. In der Realität stellte sich schnell heraus, dass sie lediglich die alte Adresse der inzwischen umgezogenen Familie hatte. Für ihren Roman entwickelte sie daraus eine deutlich dramatischere Geschichte.
Die deutschen Passagen las Janin Stenzel. Im Gespräch mit Moderator Christoph Lampert beschrieb sie die Ausgangslage des Thrillers als besonders beängstigend und nachvollziehbar.
Nachkriegszeit und Cum-Ex im Mittelpunkt
Zuvor hatte Anne Stern aus ihrem Krimi Die weiße Nacht gelesen, der im Jahr 1946 spielt. Für den Roman beschäftigte sie sich intensiv mit der Frage, wie die Menschen in Berlin nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur und dem Zusammenbruch ihrer bisherigen Lebenswelt zurechtkamen.
Stern, die unter anderem durch ihre in den 1920er Jahren angesiedelte Reihe um Fräulein Glück bekannt wurde, wollte sich mit ihrem neuen Buch einer späteren und deutlich härteren Zeit zuwenden. Zur Vorbereitung beschäftigte sie sich auch mit klassischen Detektivgeschichten und Autoren wie Raymond Chandler.
Auch Oliver Bottini setzte bei seinem Roman Die Summe aller Dinge auf umfangreiche Recherche. Im Mittelpunkt stehen Cum-Ex-Geschäfte und ihre Folgen. Gleichzeitig erzählt der Roman die Geschichte einer Frau, die nach dem Tod ihres Mannes herausfinden will, was tatsächlich geschehen ist.
In den vorgelesenen Passagen kommen drei Freunde, die zuvor viel Geld verdient hatten, ums Leben. Bei einem von ihnen beginnt die Protagonistin jedoch zu zweifeln und stellt auf Capri Nachforschungen an, die sie zunehmend in Gefahr bringen.
Der zweite Festivalabend in Goslar setzte damit auf ernste Themen und Geschichten, die gesellschaftliche Entwicklungen ebenso aufgreifen wie persönliche Schicksale. Bottini betonte im Gespräch, dass Literatur komplexe und schwierige Themen durch gründliche Recherche für ein breites Publikum zugänglich machen könne.






























