Manchmal beginnt ein neues Leben nicht mit einem ausgefeilten Plan, sondern mit einem Gedanken, der zunächst kaum ernst gemeint ist. Mit einem Satz, der zwischen Alltag, Fernweh und der Sehnsucht nach Veränderung fällt und plötzlich nicht mehr aus dem Kopf verschwindet. Beim Gastgeberpaar des Haus am See, Rob und Katja, war es genau so. Zwei Menschen aus den Niederlanden, sichere berufliche Wege, Familie, ein vertrautes Leben und dennoch dieses Gefühl, dass da vielleicht noch etwas anderes wartet. Etwas Ruhigeres. Persönlicheres. Ein Leben, in dem nicht der nächste Termin bestimmt, was wichtig ist, sondern die Menschen, die einem begegnen.
“Wir wollten es ruhiger haben”, erinnert sich das Gastgeberpaar im Gespräch. Was zunächst wie eine beinahe beiläufige Idee klang, wurde Schritt für Schritt zu einer Entscheidung, die ihr gesamtes Leben verändern sollte. Vor fast vier Jahren ließen die beiden vieles in den Niederlanden zurück und wagten im Harz einen Neuanfang. Im November 2022 begann ihr neues Kapitel als Gastgeber. Aus einer Idee wurde ein Unternehmen, aus einem unbekannten Ort wurde Heimat und aus Gästen wurden Menschen, die inzwischen immer wieder zurückkehren.
Eine verrückte Idee, die plötzlich ernst wurde
Der Ursprung dieser Geschichte liegt ausgerechnet in einem verregneten Moment nach einer gemeinsamen Reise nach Kroatien. Zurück im Alltag war die Sehnsucht nach dem Urlaub noch groß. Gleichzeitig lief im Fernsehen ein niederländisches Format über Menschen, die kleine Hotels im Ausland führen. Der Gedanke war plötzlich da: Warum nicht selbst so etwas machen?
“Dann kaufen wir doch ein Hotel und machen wir so etwas”, lautete die Idee.
Was zunächst wie ein Scherz wirkte, bekam erstaunlich schnell Konturen. Im Internet wurde recherchiert, Angebote wurden angesehen und Möglichkeiten verglichen. Besonders die Immobilienpreise außerhalb der Niederlande weckten Interesse. Aus Neugier wurde die ernsthafte Frage, ob ein eigenes kleines Hotel tatsächlich ein realistischer Weg sein könnte.
Dabei gingen die beiden keineswegs kopflos vor. Ihre berufliche Erfahrung im Verkauf half ihnen, aus dem Traum ein Konzept zu machen. Sie erstellten einen Businessplan und hielten fest, was sie sich für ihr künftiges Leben unbedingt wünschten und was auf keinen Fall dazugehören sollte. Immer wieder reisten sie in die Region, erkundeten die Umgebung und verschafften sich ein Gefühl dafür, was sie für ihr Budget bekommen konnten.
Dann kam das entscheidende Objekt. Ein Bild genügte, um etwas auszulösen, das sich mit Zahlen kaum erklären lässt. Das Haus war farbenfroh, besonders und anders. Vor allem aber vermittelte es das Gefühl, dass hier genau das Leben möglich sein könnte, nach dem die beiden gesucht hatten. Aus Überlegungen wurde eine Entscheidung.
Heute führen sie ein kleines Haus mit zehn Zimmern und haben dabei ein Konzept entwickelt, das bewusst gegen manche Gewohnheiten der klassischen Hotellerie steht.
Zwei Gastgeber, zehn Zimmer und ganz bewusst kein großes Team
Das Haus wird von den beiden selbst geführt. Nicht, weil sich bislang keine Mitarbeiter gefunden hätten, sondern weil genau das Teil ihrer Entscheidung war.
“Wir haben kein Personal mit Absicht”, erklären die Gastgeber.
Dahinter steckt sowohl eine wirtschaftliche als auch eine persönliche Überlegung. Ein Haus mit zehn Zimmern soll überschaubar bleiben. Die beiden wollten nicht von Dienstplänen, Personalengpässen oder kurzfristigen Ausfällen abhängig sein. Stattdessen übernehmen sie die Verantwortung gemeinsam und organisieren den Betrieb so, dass sie ihre Vorstellung von Gastfreundschaft selbst leben können.
Gerade dadurch entsteht eine Atmosphäre, die sich von größeren Häusern unterscheidet. Wer ankommt, soll sich nicht wie eine Zimmernummer fühlen. Beim Check-in zeigen die Gastgeber persönlich, wo sich alles befindet. Der Frühstücksraum wird erklärt, die Möglichkeiten für Getränke werden gezeigt und die Gäste werden bis zu ihrem Zimmer begleitet. Danach ziehen sich die Gastgeber bewusst zurück. Nähe dort, wo sie willkommen ist. Freiheit dort, wo Urlaub beginnen soll.
Das Ziel lässt sich in einem einfachen Gedanken zusammenfassen: Die Menschen sollen sich wie zu Hause fühlen, während sie bei den beiden zu Gast sind.
Diese persönliche Art scheint anzukommen. Inzwischen gibt es zahlreiche Stammgäste, die wiederkehren. Mit manchen entstehen Gespräche, bei denen es längst nicht mehr nur um Frühstückszeiten oder Ausflugsziele geht. Man erfährt etwas über die Menschen hinter der Buchung, ihre Geschichten, ihre Herkunft und darüber, weshalb sie den Harz besuchen. Genau darin liegt für das Paar ein wesentlicher Teil des Reizes ihres neuen Lebens.
Denn reich werden, sagen die beiden sinngemäß, war nie das Ziel. In den Niederlanden hätten sie ihre bisherigen Berufe behalten können, wenn es allein um finanzielle Sicherheit gegangen wäre. Stattdessen wollten sie Geschichten erleben, Menschen kennenlernen und ein Leben aufbauen, das sich für sie richtig anfühlt.
“Wir sind zufrieden. Wir können davon leben. Mehr braucht man nicht.”
Vielleicht beschreibt kein Satz ihre Haltung besser.
Angekommen ist man erst, wenn aus einem Ort Heimat wird
Wer in eine neue Region zieht und dort ein Unternehmen übernimmt, kann einfach nur arbeiten. Oder er kann versuchen, tatsächlich Teil dieser Region zu werden. Das Gastgeberpaar hat sich bewusst für den zweiten Weg entschieden.
Vor allem in der Anfangszeit investierten beide viel Zeit darin, ihre neue Umgebung kennenzulernen. Sie gingen in Restaurants, lernten Menschen kennen, besuchten Veranstaltungen und suchten den Austausch. Aus Fremden wurden Bekannte, aus neuen Gesichtern vertraute Namen.
Auch im Harzklub engagieren sich die beiden. Dabei geht es nicht nur um eine Mitgliedschaft auf dem Papier. Ehrenamtlich wird daran mitgearbeitet, Wanderwege, Bänke und Beschilderungen in der Region zu erhalten. Gerade in einer Landschaft, deren größte Stärke ihre Natur ist, bedeutet dieses Engagement ganz praktische Arbeit. Wege müssen gepflegt und zugänglich gehalten werden, damit Einheimische und Gäste den Harz weiterhin zu Fuß entdecken können.
Auch bei Veranstaltungen möchten die Gastgeber präsent sein. Wenn regionale Märkte stattfinden, schauen sie vorbei, kommen mit Menschen ins Gespräch und kaufen bei örtlichen Anbietern. Selbst bei den Getränken im Haus spielt Regionalität eine Rolle. Wo es möglich ist, werden Produkte aus der Umgebung gewählt, darunter beispielsweise Altenauer Bier.
Es sind diese kleinen Entscheidungen, die zeigen, dass der Harz für die beiden nicht einfach der Standort ihres Unternehmens geworden ist. Sie möchten verstehen, was in der Region passiert, möchten dazugehören und ihren eigenen Beitrag leisten.
Dazu gehört auch das Interesse an kommunalen und touristischen Themen. Wer ein Hotel betreibt, ist schließlich unmittelbar damit verbunden, wie sich eine Region entwickelt. Tourismus entsteht nicht allein hinter einer Rezeption. Er entsteht auf Wanderwegen, bei Veranstaltungen, in Restaurants, in Vereinen, auf Märkten und überall dort, wo Gäste erleben, dass eine Region eine eigene Identität besitzt.
Ein neues Leben, das nicht nach Reichtum gemessen wird
Vielleicht ist genau das die eigentliche Geschichte des Haus am See. Es ist nicht nur die Geschichte eines kleinen Hauses mit zehn Zimmern. Es ist die Geschichte zweier Menschen, die irgendwann beschlossen haben, dass ein vertrautes Leben nicht automatisch das richtige Leben sein muss.
Sie haben ihre Heimat verlassen, Verantwortung übernommen und sich in einer neuen Region etwas aufgebaut. Ohne großes Team, ohne Konzern im Hintergrund und ohne den Anspruch, immer größer werden zu müssen. Stattdessen führen sie ihr Haus gemeinsam, begrüßen ihre Gäste persönlich und schaffen jene Art von Gastfreundschaft, die sich nur schwer in Sterne, Zahlen oder Ausstattungslisten übersetzen lässt.
Dass inzwischen viele Gäste erneut kommen, dürfte deshalb kaum überraschen. Denn manchmal erinnert man sich nach einer Reise nicht zuerst an die Größe eines Zimmers oder an die Farbe der Wände. Man erinnert sich daran, wie man empfangen wurde. An ein Gespräch am Morgen. An Menschen, die einem das Gefühl gegeben haben, tatsächlich willkommen zu sein.
Aus einer verrückten Idee nach einem Kroatienurlaub wurde so innerhalb weniger Jahre ein vollkommen neues Leben.
Und vielleicht ist genau das die schönste Form von Erfolg: am Ende eines Tages nicht sagen zu müssen, dass man möglichst viel erreicht hat, sondern dass man dort angekommen ist, wo man sein möchte.
KONTAKT:
Email: info@hausamsee.fun
Telefon: 0175 7563251
Website: https://www.hausamsee.fun/de/
Facebook: https://www.facebook.com/share/1J68ZeUbWj/?mibextid=wwXIfr





























