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Lebens­hil­fe Gos­lar sucht neue Per­spek­ti­ve für Sie­ben­stein­schu­le

Die Lebens­hil­fe Gos­lar kann den Betrieb der Sie­ben­stein­schu­le im Stadt­teil Oker in der bis­he­ri­gen Form nicht fort­set­zen. Grund sind neue gesetz­li­che Anfor­de­run­gen, die eine Umwand­lung von Tages­bil­dungs­stät­ten in Schu­len frei­er Trä­ger­schaft ab dem Schul­jahr 2027/2028 ermög­li­chen, zugleich aber den Ein­satz von Lehr­kräf­ten zwin­gend vor­schrei­ben.

Die Tages­bil­dungs­stät­te wird bis­lang aus Mit­teln der Ein­glie­de­rungs­hil­fe finan­ziert. Nach gericht­li­chen Ent­schei­dun­gen ist die­ses Modell für den schu­li­schen Bil­dungs­an­teil nicht mehr zuläs­sig, da hier­für for­mal das Kul­tus­mi­nis­te­ri­um zustän­dig ist. Ende Juni wur­den des­halb die recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für eine Umwand­lung ent­spre­chen­der Ein­rich­tun­gen geschaf­fen.

Lebens­hil­fe sieht Umset­zung per­so­nell nicht leist­bar

Geschäfts­füh­rer Sven Dick­feld und Kars­ten Schu­bert, Lei­ter des Bereichs Kin­der, Fami­lie und Gesund­heit, infor­mier­ten am 8. Juli über die Lage. Aus Sicht der Lebens­hil­fe Gos­lar ist eine Fort­füh­rung unter den neu­en Bedin­gun­gen kaum mög­lich. In Nie­der­sach­sen ste­hen nach Ein­schät­zung der Ein­rich­tung nicht genü­gend qua­li­fi­zier­te Lehr­kräf­te zur Ver­fü­gung. Zudem ver­fügt die Lebens­hil­fe Gos­lar nicht über aus­rei­chend Mit­ar­bei­ten­de, die im Rah­men von Über­gangs­re­ge­lun­gen als Lehr­kräf­te aner­kannt wer­den könn­ten.

Für den künf­ti­gen Betrieb wären nach Anga­ben der Lebens­hil­fe bis zu fünf Lehr­kräf­te sowie eine Schul­lei­tung nötig. Ange­sichts des all­ge­mei­nen Lehr­kräf­te­man­gels hält die Ein­rich­tung dies nicht für umsetz­bar. Bis­her arbei­ten in der Sie­ben­stein­schu­le mul­ti­pro­fes­sio­nel­le Teams aus päd­ago­gi­schen und pfle­ge­ri­schen Fach­kräf­ten. Künf­tig soll pro Klas­se eine Lehr­kraft gemein­sam mit einer päd­ago­gi­schen Mit­ar­bei­te­rin oder einem päd­ago­gi­schen Mit­ar­bei­ter ein­ge­setzt wer­den.

Gesprä­che über ande­re Trä­ger­schaft lau­fen

Die Lebens­hil­fe Gos­lar sucht der­zeit nach Lösun­gen für die Zukunft der Sie­ben­stein­schu­le. Dazu lau­fen Gesprä­che mit ande­ren Insti­tu­tio­nen, um eine mög­li­che Wei­ter­füh­rung in ande­rer Trä­ger­schaft zu prü­fen. Soll­te dies nicht gelin­gen, wären das Land Nie­der­sach­sen und die ört­li­chen Schul­trä­ger gefor­dert, die der­zeit 30 Schü­le­rin­nen und Schü­ler auf­zu­neh­men.

Die betrof­fe­nen Fami­li­en und das Kol­le­gi­um wur­den nach Anga­ben der Lebens­hil­fe bereits vor­ab infor­miert. Die Ein­rich­tung will den wei­te­ren Umstel­lungs­pro­zess beglei­ten und nach Lösun­gen für die Schü­le­rin­nen und Schü­ler, ihre Fami­li­en sowie die Mit­ar­bei­ten­den suchen.

Sor­gen bei Beschäf­tig­ten und Eltern

Im Kol­le­gi­um sorgt die Ent­wick­lung für gro­ße Betrof­fen­heit. Vie­le Mit­ar­bei­ten­de enga­gie­ren sich seit Jah­ren in der För­de­rung und Beglei­tung der Kin­der und Jugend­li­chen. Kri­tik gibt es vor allem dar­an, dass lang­jäh­ri­ge Berufs­er­fah­rung und Wei­ter­bil­dun­gen nur begrenzt für eine Aner­ken­nung als Lehr­kraft berück­sich­tigt wer­den.

Auch Eltern bli­cken mit Sor­ge auf die geplan­ten Ver­än­de­run­gen. Sie ver­wei­sen auf die Bedeu­tung ver­läss­li­cher Bezugs­per­so­nen für ihre Kin­der. Ein Wech­sel von Per­so­nal oder Ein­rich­tung kön­ne für vie­le Schü­le­rin­nen und Schü­ler eine gro­ße Her­aus­for­de­rung sein.

Zusätz­li­che Unsi­cher­heit ent­steht durch mög­li­che Ände­run­gen bei den Betreu­ungs­zei­ten. Wäh­rend sich die Schließ­zei­ten der Tages­bil­dungs­stät­ten bis­lang stark an Kin­der­ta­ges­stät­ten ori­en­tie­ren, sol­len künf­tig regu­lä­re Schul­fe­ri­en gel­ten. Für vie­le Fami­li­en wür­de dadurch ein zusätz­li­cher Betreu­ungs­be­darf ent­ste­hen. Wie der pfle­ge­ri­sche und hohe Unter­stüt­zungs­be­darf der Schü­le­rin­nen und Schü­ler im künf­ti­gen Schul­all­tag abge­si­chert wer­den soll, ist nach Anga­ben der Lebens­hil­fe der­zeit eben­falls noch offen.

Rund 3.000 Kin­der besu­chen Tages­bil­dungs­stät­ten in Nie­der­sach­sen

Tages­bil­dungs­stät­ten sind Ein­rich­tun­gen der Ein­glie­de­rungs­hil­fe, die zugleich einen schu­li­schen Bil­dungs­auf­trag erfül­len. Sie arbei­ten nach den­sel­ben cur­ri­cu­la­ren Vor­ga­ben wie För­der­schu­len mit dem Schwer­punkt geis­ti­ge Ent­wick­lung und bie­ten dar­über hin­aus Unter­stüt­zung bei Betreu­ung, Pfle­ge und gesell­schaft­li­cher Teil­ha­be.

In Nie­der­sach­sen besu­chen der­zeit rund 3.000 Kin­der eine Tages­bil­dungs­stät­te. Das bis­he­ri­ge Modell ver­bin­det schu­li­sche För­de­rung, Betreu­ung und indi­vi­du­el­le Unter­stüt­zung auf Grund­la­ge des Sozi­al­ge­setz­bu­ches IX.

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