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Kran­ken­häu­ser for­dern Nach­bes­se­run­gen bei GKV-Reform

Kran­ken­häu­ser in Süd­ost­nie­der­sach­sen war­nen vor erheb­li­chen Fol­gen geplan­ter Geset­zes­än­de­run­gen im Gesund­heits­we­sen. Nach Ein­schät­zung der Bezirks­ar­beits­ge­mein­schaft Braun­schweig der Nie­der­säch­si­schen Kran­ken­haus­ge­sell­schaft könn­ten die Plä­ne der Bun­des­re­gie­rung die Pati­en­ten­ver­sor­gung, Kli­nik­stand­or­te und Arbeits­plät­ze in der Regi­on gefähr­den.

Ver­tre­ter kom­mu­na­ler, frei­ge­mein­nüt­zi­ger und pri­va­ter Kran­ken­häu­ser aus soma­ti­schen und psych­ia­tri­schen Ein­rich­tun­gen for­mu­lier­ten bei einem Tref­fen in Wol­fen­büt­tel einen gemein­sa­men Appell an die Bun­des­po­li­tik. Im Mit­tel­punkt steht das geplan­te GKV-Bei­trags­satz­sta­bi­li­sie­rungs­ge­setz. Aus Sicht der Kli­ni­ken wür­de es die ohne­hin ange­spann­te wirt­schaft­li­che Lage wei­ter ver­schär­fen.

In einem Fach­ge­spräch woll­ten die Kli­nik­ver­tre­ter Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten der Regi­on ihre Sor­gen erläu­tern. Von zwölf ein­ge­la­de­nen Abge­ord­ne­ten nah­men laut Bezirks­ar­beits­ge­mein­schaft nur Dun­ja Krei­ser (SPD) und Cem Ince (Die Lin­ke) per­sön­lich teil. Axel Burg­hardt, Geschäfts­füh­rer des Städ­ti­schen Kli­ni­kums Wol­fen­büt­tel, kri­ti­sier­te das Fern­blei­ben eines Groß­teils der poli­ti­schen Ver­tre­ter. Zugleich warn­te er, die geplan­ten Rege­lun­gen bedeu­te­ten in der Pra­xis weni­ger finan­zi­el­le Mit­tel für die Kli­ni­ken und damit weni­ger Sicher­heit für Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten.

Psych­ia­tri­sche Kli­ni­ken sehen beson­de­re Belas­tun­gen

Auch psych­ia­tri­sche Ein­rich­tun­gen sehen sich betrof­fen. Tho­mas Zau­ritz, Geschäfts­füh­rer des AWO Psych­ia­trie­zen­trums Königs­lut­ter, kri­ti­sier­te, stei­gen­de Kos­ten trä­fen auf eine gede­ckel­te Finan­zie­rung. Gleich­zei­tig müss­ten Kli­ni­ken wegen gesetz­li­cher Vor­ga­ben zur Per­so­nal­aus­stat­tung Per­so­nal auf­bau­en, ohne aus­rei­chend gegen­fi­nan­ziert zu wer­den.

Nach Anga­ben der Bezirks­ar­beits­ge­mein­schaft arbei­ten bereits mehr als 70 Pro­zent der nie­der­säch­si­schen Kran­ken­häu­ser defi­zi­tär. Bun­des­weit droh­ten den Kli­ni­ken allein 2027 zusätz­li­che Belas­tun­gen von 4,6 Mil­li­ar­den Euro. Bis 2030 könn­ten dem­nach nur noch 19 Pro­zent der Kran­ken­häu­ser wirt­schaft­lich arbei­ten; gut jedes zwei­te Haus wäre insol­venz­ge­fähr­det.

Sor­gen um Per­so­nal, War­te­zei­ten und Stand­or­te

Die Kran­ken­häu­ser befürch­ten bei einer Umset­zung des Geset­zes meh­re­re Fol­gen für die Ver­sor­gung vor Ort. Genannt wer­den weni­ger Per­so­nal, län­ge­re War­te­zei­ten, ein­ge­schränk­te Ange­bo­te und gefähr­de­te Kli­nik­stand­or­te. Beson­ders in länd­li­chen Regio­nen kön­ne ein unge­plan­ter Struk­tur­wan­del die wohn­ort­na­he Ver­sor­gung schwä­chen.

Auch Kom­mu­nen und Land­krei­se könn­ten stär­ker belas­tet wer­den, wenn kom­mu­na­le Kran­ken­häu­ser in wirt­schaft­li­che Schwie­rig­kei­ten gera­ten. Höhe­re Defi­zi­te wür­den den finan­zi­el­len Spiel­raum für ande­re Auf­ga­ben wie Infra­struk­tur, Schu­len oder Kin­der­gär­ten ver­rin­gern.

Reform ja, Kür­zun­gen nein

Die Kli­nik­ver­tre­ter beton­ten, dass sie eine moder­ne Kran­ken­haus­ver­sor­gung und Zie­le wie Spe­zia­li­sie­rung, Zen­tra­li­sie­rung und bes­se­re Qua­li­tät grund­sätz­lich unter­stüt­zen. Flo­ri­an Nachtwey, Askle­pi­os-Regio­nal­ge­schäfts­füh­rer der Regi­on Harz, warn­te jedoch, die Umset­zung der Kran­ken­haus­re­form wer­de durch zusätz­li­che Spar­vor­ga­ben gefähr­det. Zugleich kri­ti­sier­te er wach­sen­de Büro­kra­tie durch Dokumentations‑, Nach­weis- und Mel­de­pflich­ten.

Das Bünd­nis for­dert unter ande­rem die Rück­nah­me der geplan­ten Kür­zun­gen, die voll­stän­di­ge Refi­nan­zie­rung von Tarif­stei­ge­run­gen, weni­ger Büro­kra­tie, ver­läss­li­che Rah­men­be­din­gun­gen für die Kran­ken­haus­re­form und ein Not­fall­pro­gramm des Lan­des Nie­der­sach­sen, falls die Kür­zun­gen umge­setzt wer­den.

Die Bezirks­ar­beits­ge­mein­schaft Braun­schweig der NKG reprä­sen­tiert eine von acht Ver­sor­gungs­re­gio­nen in Nie­der­sach­sen. Ihr gehö­ren Kli­ni­ken in und um Braun­schweig, zwi­schen Wolfs­burg und Gos­lar sowie Pei­ne und Helm­stedt an. Die NKG ver­tritt lan­des­weit 160 Mit­glieds­kran­ken­häu­ser mit rund 120.000 Beschäf­tig­ten und einem Gesamt­bud­get von etwa neun Mil­li­ar­den Euro.

Foto: Lea Froh­reich

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