Schon in naher Zukunft könnte der klassische Acht-Stunden-Tag durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit ersetzt werden. Die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz erhofft sich davon mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt, während Kritiker vor längeren Arbeitstagen und gesundheitlichen Risiken warnen.
“Wir müssen in diesem Land wieder mehr und vor allem effizienter arbeiten. Mit Viertagewoche und Work-Life-Balance werden wir den Wohlstand dieses Landes nicht erhalten können”- Friedrich Merz
Merz-Regierung: Anpassung der Arbeitszeiten an EU-Vorgaben
In Deutschland regelt bislang das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) die zulässige Arbeitszeit. Beschäftigte dürfen grundsätzlich nicht mehr als acht Stunden pro Werktag arbeiten, eine Ausweitung auf bis zu zehn Stunden ist nur möglich, wenn im Ausgleichszeitraum der Durchschnitt wieder bei acht Stunden liegt. Zusätzlich gilt eine maximale Wochenarbeitszeit von 48 Stunden.
Die schwarz-rote Koalition plant nun eine Reform dieser Regeln. Bereits im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD wurde eine Anpassung angekündigt. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas erklärte im Bundestag, dass ein entsprechender Gesetzentwurf zur flexibleren Arbeitszeitgestaltung im Juni vorgelegt werden soll.
Ziel sei es, die deutschen Vorgaben stärker an europäische Regelungen anzupassen und gleichzeitig die elektronische Arbeitszeiterfassung gesetzlich zu verankern, um eine Ausweitung der Arbeitszeiten zu verhindern.
Der Plan: Keine tägliche Obergrenze mehr für Arbeitstage
Auslöser der Diskussion sind unter anderem eine EU-Arbeitszeitrichtlinie sowie ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2019, das die Mitgliedstaaten verpflichtet, Arbeitgeber zur systematischen Erfassung der täglichen Arbeitszeit anzuhalten.
Kritik an den Plänen kommt vor allem von Arbeitsrechtlern des Hugo-Sinzheimer-Instituts der Hans-Böckler-Stiftung. Sie weisen darauf hin, dass ohne feste tägliche Obergrenzen deutlich längere Arbeitstage möglich wären.
Unter Berücksichtigung gesetzlicher Ruhezeiten könnte die tägliche Arbeitszeit theoretisch über zwölf Stunden steigen, im Extremfall seien sogar Wochenarbeitszeiten von mehr als 70 Stunden denkbar, sofern der Durchschnitt über längere Zeiträume eingehalten wird.
Wissenschaftler und Gewerkschaften warnen vor massiv steigenden Gesundheitsrisiken
Auch Gewerkschaften äußern deutliche Bedenken. Der Deutsche Gewerkschaftsbund warnt davor, dass Beschäftigte zu sehr langen Arbeitstagen gedrängt werden könnten.
DGB-Chefin Yasmin Fahimi betont, dass das bestehende Arbeitszeitgesetz dem Gesundheitsschutz diene und längere Arbeitszeiten nachweislich das Risiko für körperliche und psychische Erkrankungen erhöhen.
Besonders kritisch sehen Gewerkschaften die möglichen Folgen in Branchen mit ohnehin hoher Belastung und Personalmangel, etwa im Gastgewerbe, in Bäckereien oder in der Lebensmittelindustrie, wo zusätzliche Arbeitszeitbelastungen bestehende Probleme weiter verschärfen könnten.
Auch wissenschaftliche Untersuchungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin stützen diese Bedenken. Sie zeigen, dass Arbeitszeiten von mehr als 40 Stunden pro Woche das Risiko für gesundheitliche Beschwerden, psychische Belastungen und Arbeitsunfälle deutlich erhöhen.
Gleichzeitig nehmen Konzentration und Leistungsfähigkeit ab, wodurch die Gefahr von Fehlern und Unfällen im Arbeitsalltag steigt.






























