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Vier Müh­len, vie­le Geschich­ten: Neue Publi­ka­ti­on über das Spie­gel­tal erschie­nen

Im Ober­harz ist eine neue Mono­gra­fie zur Geschich­te der Spie­gel­ta­ler Müh­len bei Zel­ler­feld erschie­nen. Unter dem Titel Auf St. Jaco­bi zwey Hah­nen zeich­nen Ralf und Doris Hewig die Ent­wick­lung der einst vier Was­ser­müh­len nach und ver­bin­den sie mit der wirt­schaft­li­chen und sozia­len Geschich­te der Regi­on.

Die Ursprün­ge der Müh­len rei­chen bis ins 16. Jahr­hun­dert zurück. Die ältes­te, die Weges­müh­le, ent­stand ver­mut­lich bereits 1543 im Zuge der Berg­frei­hei­ten unter Her­zog Hein­rich dem Jün­ge­ren. Gemein­sam mit der Mittel‑, Unter- und Brink­müh­le dien­te sie zunächst der Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung mit Mehl.

Vom Müh­len­be­trieb zum Aus­flugs­ziel

Mit dem Wan­del im 19. Jahr­hun­dert gerie­ten die klei­nen Müh­len zuneh­mend unter wirt­schaft­li­chen Druck. Indus­tri­el­le Groß­müh­len und bes­se­re Ver­kehrs­we­ge mach­ten ihnen Kon­kur­renz. Gleich­zei­tig eröff­ne­te der auf­kom­men­de Tou­ris­mus neue Per­spek­ti­ven.

Vor allem die Unter­müh­le ent­wi­ckel­te sich durch die Initia­ti­ve von Ida Tol­le in den 1890er Jah­ren zu einem Gast­wirt­schafts- und spä­te­ren Pen­si­ons­be­trieb. Auch die Mit­tel- und Weges­müh­le wan­del­ten sich zu belieb­ten Aus­flugs­lo­ka­len. Die Brink­müh­le hin­ge­gen war bereits 1878 nach einem Blitz­schlag zer­stört wor­den und wur­de nicht wie­der auf­ge­baut.

Nut­zung im Wan­del der Zeit

Wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs dien­ten die Müh­len als Unter­künf­te für Kin­der aus Han­no­ver im Rah­men der Kin­der­land­ver­schi­ckung. Nach Kriegs­en­de wur­den sie zunächst für Flücht­lin­ge genutzt, spä­ter teil­wei­se auch als Alten­hei­me.

In der Nach­kriegs­zeit leb­te der Pen­si­ons­be­trieb in ein­zel­nen Müh­len noch ein­mal auf, bevor sich ihre Nut­zung erneut ver­än­der­te. Heu­te wer­den die Gebäu­de unter ande­rem als Wohn­häu­ser oder für medi­zi­ni­sche und the­ra­peu­ti­sche Zwe­cke genutzt. Die tou­ris­ti­sche Nut­zung der Unter­müh­le ende­te erst 2019 nach mehr als 125 Jah­ren.

Umfang­rei­che Ein­bli­cke in Tech­nik und Fami­li­en­ge­schich­te

Die Publi­ka­ti­on wid­met sich nicht nur der his­to­ri­schen Ent­wick­lung, son­dern auch den recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen, der Müh­len­tech­nik sowie der land­wirt­schaft­li­chen Nut­zung. Ein beson­de­rer Fokus liegt auf der Mül­ler­dy­nas­tie Tol­le, deren Geschich­te sich bis ins 17. Jahr­hun­dert zurück­ver­fol­gen lässt.

Das reich bebil­der­te Buch ent­hält zudem his­to­ri­sche Doku­men­te, ein aus­führ­li­ches Quel­len­ver­zeich­nis sowie ergän­zen­de Erläu­te­run­gen zu alten Maß­ein­hei­ten und Chro­ni­ken der ein­zel­nen Müh­len. Damit lie­fert es eine fun­dier­te Grund­la­ge für wei­te­re hei­mat­kund­li­che For­schun­gen.

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